Christus-Statue in Polen : Christus als Wachstumsmotor

Die Christus-König-Statue in Swiebodzin wird als höchste der Welt bezeichnet. Das Pilgerareal soll ausgebaut werden.
Die Christus-König-Statue in Swiebodzin wird als höchste der Welt bezeichnet. Das Pilgerareal soll ausgebaut werden.

Geldverdienen mit Pilgern: Auf dem Areal rund um die weltgrößte Christustatue im polnischen Swiebodzin ruhen viele Hoffnungen

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18. Dezember 2017, 12:00 Uhr

Gegenüber der gigantischen Christus-Statue liegt ein Supermarkt mit Döner-Imbiss und Tankstelle. Einkaufswagen rattern über den Parkplatz, Bewohner der polnischen Kleinstadt Swiebodzin (Schwiebus) im Grenzgebiet zu Brandenburg räumen Lebensmittel in ihre Autos. Alles vor der monumentalen weißen Statue mit ausgebreiteten Armen. Frömmigkeit und Konsum direkt nebeneinander. Im Hintergrund rauscht der Verkehr auf einer Schnellstraße. Auf dem Pilger-Areal am Stadtrand liegen viele Hoffnungen: Die Liste der Ausbaupläne ist lang.

Vor sieben Jahren wurde die 36 Meter hohe Betonfigur fertiggestellt - bei der Einweihung 2010 galt sie als höchste Christus-Figur weltweit. Sie überragt die berühmte in Rio de Janeiro, was die Höhe der Figur angeht, um einige Meter. Die örtliche polnische Kirchengemeinde reklamiert für sich, dass in Swiebodzin bis heute die größte Christus-Figur steht. Auch die Gemeindeverwaltung Swiebodzin wirbt im Internet damit.

Die Christus-König-Statue ist quasi überall in der Kleinstadt präsent. Ob von einem Restaurant in der Innenstadt, von einem Firmenhof oder von einer Brücke - aus vielen Perspektiven ist ein Ausschnitt zu sehen. Die monumentalen Proportionen wollen einfach nicht in das sonstige Stadtbild passen. Auf der Schnellstraße sticht schon von weitem die weiße Figur aus der Landschaft heraus. Geräuschlos war der Bau nicht über die Bühne gegangen. Vor der Fertigstellung gab es dem heute zuständigen Pfarrer Jan Romaniuk zufolge auch kritische Stimmen. Einige hätten gefordert, das Geld besser in ein Pflegeheim zu investieren. Und auch über den ästhetischen Wert der Figur gab es damals heftige Diskussionen in Polen.„Wunderbar“, sagt eine ältere Frau auf dem Supermarkt-Parkplatz, als sie die Statue mit vergoldeter Krone ansieht. Ihre Augen bekommen einen besonderen Glanz. Polen ist stark katholisch geprägt. Nach Angaben der polnischen Bischofskonferenz sind 92 Prozent der Polen katholisch getauft.

Aus der Frau spricht auch Stolz, dass das mehr als 20 000 Einwohner zählende Swiebodzin, dessen urkundliche Erwähnung bis ins Mittelalter zurückreicht, mit einem Mal so viel Aufmerksamkeit erlangt habe. Ein anderer Einwohner sieht das Ganze lockerer. Einen besonderen Bezug habe er zu der Statue nicht. Der junge Mann unterstreicht aber: „Sie ist jetzt da und wird für immer bleiben.“ Auf der Sockel-Aussichtsplattform am Fuße der Statue ist es windig.

Richtig viel los ist an diesem Nachmittag nicht, vereinzelt zieht es Autos die Auffahrt zu dem Hügel hoch. Den Kennzeichen zufolge kommen sie aus der näheren Umgebung oder anderen Regionen Polens. Die Auffahrt ist sehr gepflegt und mit Bäumen und Steinen gesäumt. An den Seiten gibt es Kreuzweg-Stationen. Rund eine Stunde Autofahrt ist Swiebodzin von der brandenburgischen Grenzstadt Frankfurt (Oder) und gut zwei von Berlin entfernt. Die Statue ist frei zugänglich. Smartphones werden gezückt, Familienangehörige positionieren sich: Familienfoto mit Christus-Statue im Hintergrund. In einer Baracke direkt neben der Statue ist ein Souvenir-Laden eingerichtet. In der Auslage: Christusstatue-Magneten für den Kühlschrank, Plastik-Schlüsselanhänger und Miniaturen, die sogar duften.

Spendenbehälter stehen auf dem Gelände bereit, die für den Ausbau des Areals gedacht sind. Nach offiziellen Angaben wurde auch die Statue mit Spenden finanziert.

Es sind viele Touristen, aber mehr noch Pilger, die es hierher zieht, wie Pfarrer Romaniuk sagt. Gebetsgruppen nutzen auch den Ort. Zu bestimmten kirchlichen Anlässen sei es hier besonders voll. Die Kirche betreibt eine Herberge neben der Statue. An diesem Tag trifft dort eine Kinder- und Jugendgruppe ein. Auf den Fluren singen sie polnische Kirchenlieder, eine Gitarre erklingt.

Ein Kran und Baumaterial stehen vor dem Herbergs-Komplex. Pfarrer Romaniuk führt durch den neuen Anbau mit größerer Rezeption und weiteren Zimmern. Die Pläne sehen noch mehr Bauten vor. Die Besucherzahlen seien steigend, sagt er. Sehr viele kommen demnach aus Deutschland. Insgesamt beliefen sich die Besucherzahlen der registrierten Gruppen jährlich auf zwischen 10 000 und 20 000. Darin sind aber nicht die Touristen oder Pilger eingerechnet, die auf eigene Faust hierher kommen. Das Erzbistum Berlin geht davon aus, dass die Christus-Statue bei Katholiken im Erzbistumsgebiet als Pilgerziel wahrgenommen wird. Genaue Zahlen liegen allerdings nicht vor, wie es heißt.

Aber nicht überall sind die Effekte der Christus-Statue in der Stadt zu spüren. Einen touristischen Anstieg seit der Einweihung bemerkt etwa das Regionalmuseum nach eigenen Angaben nicht. Das liege vor allem daran, dass die Statue am Stadtrand und in der Nähe von großen Auto-Straßen liege. Der einzige spürbare Effekt sei der, dass Museumsbesucher nach Christus-Statue-Souvenirs fragten.

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