zur Navigation springen

medizinische Versorgung : Chipkarte für Asylbewerber denkbar

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Die Landesregierung will in Brandenburg über das „Bremer Modell“ diskutieren: In der Hansestadt erhalten Asylbewerber eine Chipkarte der AOK, mit der sie, mit einigen Einschränkungen, wie normale Krankenversicherte einen Arzt aufsuchen können.

svz.de von
erstellt am 03.Jan.2014 | 07:58 Uhr

Brandenburgs rot-rote Landesregierung will die medizinische Versorgung von Asylbewerbern verbessern. Wie aus der Antwort des Gesundheitsministeriums auf eine Kleine Anfrage der FDP-Landtagsabgeordneten Gregor Beyer, Andreas Büttner und Hans-Peter Goetz hervorgeht, will die Landesregierung auch in Brandenburg über das „Bremer Modell“ diskutieren: In der Hansestadt erhalten Asylbewerber eine Chipkarte der AOK, mit der sie, mit einigen Einschränkungen, wie normale Krankenversicherte einen Arzt aufsuchen können. „Auch wenn dieses Modell nicht direkt auf das Flächenland Brandenburg übertragbar ist, so kann es doch als Orientierung und Diskussionsgrundlage dienen“, heißt es in der Antwort des Gesundheitsministeriums. Gleiches gelte für eine Rahmenvereinbarung, die der Landkreis Potsdam-Mittelmark zur Sicherstellung der medizinischen Versorgung von Asylbewerbern mit der Kassenärztlichen Vereinigung geschlossen habe.

„Das ist im Prinzip eine gute Idee, aber es kann nur der zweite Schritt sein“, sagte der Fragesteller Gregor Beyer gegenüber dieser Zeitung. Wichtiger sei der Ablauf der Erstuntersuchungen in Eisenhüttenstadt. Derzeit ist dafür das Gesundheitsamt des Landkreises Oder-Spree zuständig. Es beschäftigt eine Honorarärztin, die an zwei Wochentagen die Untersuchungen durchführt. Daneben bietet ein niedergelassener Vertragsarzt zwei Mal pro Woche eine Sprechstunde in der Erstaufnahmeeinrichtung an, und Spezialisten des Krankenhauses Eisenhüttenstadt führen eine spezielle Tuberkulosesprechstunde durch. In der Erstaufnahmeeinrichtung gibt es laut der Antwort des Ministeriums dafür „einfach ausgestattete“ Behandlungsräume, die Einrichtung von PC-Arbeitsplätzen werde geprüft. „Wenn man sich mal überlegt, dass die Honorarärztin nur an zwei Wochentagen die Untersuchungen durchführt, bleiben bei 3 300 Fällen im Jahr wohl nicht mehr als zehn Minuten Zeit für die Untersuchung zur Verfügung“, sagt Beyer. „Auch an dieser Stelle ist Eisenhüttenstadt scheinbar heillos überfordert.“

Die Kosten für die Untersuchungen in der Erstaufnahmestelle übernimmt das Land: Während für die Behandlung der Asylbewerber in der Erstaufnahmestelle 2007 noch 342 799 Euro nötig waren, stiegen die Beträge im Takt mit den steigenden Flüchtlingszahlen auf 1,5 Millionen Euro Ende September 2013. Nach der Umverteilung der Asylbewerber auf die Landkreise sind dann die Kreise dafür verantwortlich, entsprechend dem Asylbewerberleistungsgesetz die medizinische Versorgung der Flüchtlinge sicherzustellen. Wie aus der Antwort des Gesundheitsministeriums weiter hervorgeht, entstehen Probleme bei den Untersuchungen vor allem aus religiösen Gründen. „So kann bei bestimmten Glaubensrichtungen die Untersuchung der Ehefrau nur in Anwesenheit des Ehemannes erfolgen, der auch alle Fragen beantwortet“, heißt es in der Antwort des Ministeriums. Die Praxis habe gezeigt, dass während des muslimischen Fastenmonats Ramadans tagsüber so gut wie keine Impfungen akzeptiert werden, da dort vor dem Sonnenuntergang keine Flüssigkeit zugeführt werden dürften.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen