Urlaub im Land : Campingkocher statt Hotelbüfett

Wäsche hängt auf einer Leine vor einem Wohnmobil auf dem Naturcampingplatz am Springsee.
Wäsche hängt auf einer Leine vor einem Wohnmobil auf dem Naturcampingplatz am Springsee.

In Corona-Zeiten ist Campen für nicht wenige Menschen das neue Urlaubserlebnis / Die Branche kommt gut durch die Krise und hofft auf eine dauerhafte Fortsetzung

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12. August 2020, 05:00 Uhr

Zelten oder mit der Familie im Wohnmobil unterwegs sein - viele Urlauber haben in diesem Sommer Lust aufs Campen. „Camping hat eine nie da gewesene Nachfrage“, bestätigt Jörg Klofski, Vizepräsident des Bundesverbands der Campingwirtschaft in Brandenburg. Zwar hätten die Betreiber durch Corona mit Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten große Teile des Kerngeschäfts verloren. Die Entwicklung danach sei „mehr als positiv“. „Wenn überhaupt, haben wir nur Blechschaden“, benennt Klofski die Umsatzverluste. Der Juni sei besser als der Vorjahresmonat, im Juli zeichne sich eine ähnliche Entwicklung ab. Ein Großteil der Plätze sei ausgebucht.

Klofski erklärt das auch damit, dass in Corona-Zeiten nicht wenige Urlauber in Deutschland blieben - auch Gäste, die zum Campen sonst ins Ausland fahren. Dazu komme, dass in den vergangenen drei Monaten 40 000 neue Reisemobile zugelassen wurden. „Viele Menschen haben Alternativen zum üblichen Urlaub gesucht und gesagt: Lass uns campen.“ Die Branche hoffe, sei, dass der Trend anhalte.

Birgit Kunkel von der Tourismus-Marketing Brandenburg (TMB) sieht noch einen anderen Grund für den Camping-Boom: die gestiegene Qualität der Plätze. Die Betreiber hätten an ihren Angeboten gearbeitet und sie auf Zielgruppen zugeschnitten. So würden auch Ferienhäuschen für Familien vermietet und Hygienekonzepte überarbeitet. „Wenn man keinen attraktiven Platz hat, kommen die Urlauber nicht“, so ihr Fazit. Viele Plätze seien zertifiziert.

Der Lausitzer Campingplatz am Deulowitzer See setzt auf Familien mit Kindern. Es gibt Familientoiletten mit Dusche, Spielplätze und einen Kinoraum. „Wir legen großen Wert auf Kinderfreundlichkeit, die Familien sollen sich wohlfühlen und wiederkommen“, sagt Betreiber Steffen Krautz. Er stellt seinen Platz regelmäßig auf Messen vor, begrüßt viele Gäste aus Hessen und Bayern.

Der Naturcampinglatz am Springsee bei Storkow (Oder-Spree) ist auf Urlaub von Hundebesitzern spezialisiert. Die vergangenen zwei Monate seien komplett ausgebucht gewesen, so Mitarbeiterin Anke Zilske. Für die Vierbeiner stehen auf dem Platz eine eingezäunte Badesstelle und 6000 Quadratmeter Auslauf zur Verfügung. „Die Leute freuen sich, dass sie mit allen Hunden kommen dürfen, auf anderen Plätzen ist das reglementiert“, sagt Anke Zilske. Es seien schon Urlauber mit zehn Hunden angereist. Auch Bungalows und „Schlaf-Fässer“ für vier Personen werden vermietet. Die seien mit Heizungen ausgestattet und auch im Winter buchbar.

2019 gab es nach TMB-Angaben auf Campingplätzen rund 1,4 Millionen Übernachtungen - ein Plus von 7,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 2019 gab es 172 Campingplätze im Land mit rund 42  000 Schlafgelegenheiten. Die meisten Campingplätze liegen laut TMB am Wasser.

Die Campingbranche freut sich in dieser Saison noch über einen anderen Vorteil: den günstigen Ferienkorridor. In Brandenburg sind die Ferien zwar zu Ende, in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen aber dauern sie noch drei Wochen an. Das bedeute drei Wochen mehr Geschäft für die Betreiber, so Klofski. Er hofft, dass damit ein Teil des Verlustes wettgemacht werden kann.

Klofski kritisiert aber deutlich die Bildungsministerien für die Planung der Ferien. Es gebe immer wieder Jahre, in denen die Ferien der Bundesländer übereinander lägen, Campingplätze und Hotels so überlastet seien, dass sie Gäste nicht mehr aufnehmen könnten. Das findet Klofski unsinng und fordert andere Regelungen. Die starren Strukturen müssten zum Wohle der Tourismuswirtschaft aufgeweicht werden. In diesen schweren Zeiten helfe das über die Krise.

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