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Banken suchen nach neuen Modellen : Bus statt Bankfiliale auf dem Lande

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

In Deutschland sinkt die Zahl der Bankfilialen – Kreditinstitute denken sich Alternativen für solche Regionen aus

svz.de von
erstellt am 13.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Nico Bandick hat wohl einen der ungewöhnlichsten Arbeitsplätze eines Bankkaufmanns in Deutschland. Der Sparkassenmitarbeiter sitzt in Anzug und Krawatte hinter einem Schalter - in einem Bus. Damit fährt er durch Brandenburger Ortschaften südlich von Berlin. Dort gibt es keine Bankfilialen. Auch andernorts haben sich Kreditinstitute Konzepte für die Geldversorgung und Bankgeschäfte auf dem Land ausgedacht. Nicht alle funktionieren gleich gut.

Der knallrote, gepanzerte Bus fällt in den Dörfern und Orten auf. Hier kennt man sich, in Vorgärten winken die Bewohner dem 29jährigen Bankkaufmann zu, als er die Straßen entlangfährt. „Es macht Spaß, die Kunden werden nach einer gewissen Zeit offener“, beschreibt Bandick seinen Job. Eine seiner Stationen ist ein zentraler Platz in Fürstlich Drehna. Einmal die Woche hält der Bus dort mehrere Stunden. Von außen erinnert die rollende Bank an einen Linienbus, hinten ist der Einstieg - das Innenleben sieht so aus: Schalter samt Glasscheibe, Infoflyer in Regalen und der PC-Arbeitsplatz. Nach kurzer Zeit kommen die ersten Kunden.

„Tachchen“, ruft ein älterer Herr, stellt das Fahrrad ab und steigt ein. Er ist wie viele Kunden leger gekleidet, man kennt sich eben. „Wie immer“, sagt er zu Bandick und schließt eine Tür hinter sich, die den Schalterbereich von Sitzgelegenheiten im hinteren Teil des Busses trennt. Diskretion gibt es auch hier.

Vor allem Ältere kommen und holen Bargeld. Im Bus, den es schon viele Jahre in der Region gibt, können kleinere Geldbeträge abgehoben werden. Für aufwendigere Bankgeschäfte verweist Bandick die Kunden an seine Kollegen der Geschäftsstellen. „Wenn der Bus nicht wäre, hätten wir ein richtiges Problem“, sagt eine Frau. Die nächste Filiale ihrer Sparkasse sei mehr als 20 Kilometer entfernt. „Früher hatten wir hier alles: Fleischer, Bäcker und eine Bank - das ist alles weg.“ Eine jüngere Frau steckt Überweisungsträger in den Briefkastenschlitz im Bus. „Die Internetleitung in meiner Wohnung ist zu schlecht für Online-Überweisungen, ich müsste den Laptop aus dem Fenster halten“, erklärt sie.

Die Mittelbrandenburgische Sparkasse, die zwei dieser Busse betreibt, spricht von einem Kompromiss. Man wolle die Kunden flächendeckend versorgen, müsse aber auf demografischen Wandel und verändertes Kundenverhalten mit Online-Banking reagieren. „Wir können nicht in jedem Ort mit einer Geschäftsstelle sein“, sagt Sprecher Robert Heiduck.

In der Prignitz lässt die VR-Bank seit Jahren ihren Bankbus durch die Region rollen. Er ist von Freyenstein bis Baek wöchentlich in elf Orten unterwegs, um vor allem älteren, nicht mehr so mobilen Menschen die Möglichkeit zu bieten, ihre Bankgeschäfte vor Ort zu erledigen. Es ist der einzige Bankbus in der Prignitz und soll auch künftig erhalten bleiben.

Zwar gibt es in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern ein vergleichsweise dichtes Netz an Banken, doch seit Jahren sinken die Zahl der Kreditinstitute und derFilialen. Nach Angaben der Deutschen Bundesbank gab es zum Jahresende 2016 bundesweit 1888 Institute, 72 weniger als Ende 2015. Bei den Zweigstellen ging die Zahl insgesamt um 2019 Filialen auf 32 026 zurück. Die rückläufige Entwicklung habe sich beschleunigt. Die Bundesbank führt als Gründe hohen Wettbewerbsdruck und Niedrigzinsen an.

Bei den Kreditgenossenschaften unterschritt deren Zahl mit 972 Ende 2016 erstmals die 1000-Marke, wie der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken mitteilte.

Das größte Filialnetz in Deutschland haben laut Bundesbank die Sparkassen.

Nach Einschätzung des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands werden tendenziell „in erster Linie Kleinstfilialen mit bis zu zehn Mitarbeitern geschlossen.“ Auf dem Lande sind die Banken daher auf der Suche nach Lösungen für ihre Kunden, wo Filialen seltener frequentiert werden als in Großstädten.

Zurück in Brandenburg. Mit seinem Bus hatte Nico Bandick bislang nur einmal eine Panne. Die Haltestationen sei er aber trotzdem abgefahren. Jedoch schauen einige Kunden auf die Uhr, wenn er sich etwas verspätet, sagt er schmunzelnd. „Manche rufen dann in den Bankfilialen an und fragen, wo ich bleibe.“  

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