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Tage der offenen Ateliers : Bunte Bilder für die letzte Reise

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

550 Brandenburger Ateliers öffnen am Wochenende ihre Türen. Erkner Künstlerin bemalt Begräbnisgefäße

Der rote Klatschmohn leuchtet aus der satt grünen Wiese, darüber erstreckt sich ein strahlend blauer Himmel. Antje Homrighausen malt dieses Motiv auf Wunsch eines Kunden in Acrylfarben direkt auf eine Begräbnisurne. Die 48-Jährige aus Erkner (Oder-Spree) hat dabei keine Berührungsängste – das Begräbnisgefäß wirkt so nicht mehr düster und unpersönlich. „Dieses Motiv ist sehr beliebt, weil es Weite symbolisiert oder auch den Übergang von einer Welt in die andere“, sagt sie. Einen Einblick in ihre Arbeit gibt sie, wie auch hunderte andere Brandenburger Künstler, am Wochenende bei den „Tagen der offenen Ateliers“. Die Aktion findet zum 18. Mal statt.

Antje Homrighausen nennt sich Antje an der Spree. Steht ihr kleines Häuschen nebst Atelier doch direkt an dem Fluss in Erkner. Hier gestaltet sie nicht nur Urnen oder auch Särge im Sinne einer möglichst bunten letzten Reise von Verstorbenen, sondern sie malt auch Porträts in Öl, Akte oder Wandbilder.

Zur Malerei fand sie vor 21 Jahren. Damals arbeitete die gelernte Heilerzieherin hauptberuflich als Familienhelferin in Königs Wusterhausen. Sie nahm nebenher Malunterricht und machte das Hobby Jahre später zum Beruf. Sich mit dem Tod zu beschäftigen, ist für die ehrenamtliche Sterbebegleiterin in einem Berliner Hospiz nicht schwierig oder unangenehm. 2007 hat sie mit ihrer künstlerischen Arbeit an Urnen und Särgen begonnen – zunächst gegen ziemliche Widerstände, Skepsis und Vorbehalte sowohl bei Bestattern als auch bei Hinterbliebenen. Dem Abschied vom Leben etwas Farbe zu geben, sieht sie dennoch als ihre Mission. „Herkömmliche Begräbnisgefäße machen doch eher trübsinnig. Der letzte Blick auf den Verstorbenen sollte lieber schöne Bilder und Erinnerungen bringen“, sind sie und inzwischen immer mehr Kunden überzeugt.

Bekannt geworden ist sie mit ihrer doch eher ungewöhnlichen Kunst auch durch die „Tage der offenen Ateliers“, die das Land Brandenburg einmal im Jahr veranstaltet. Antje an der Spree war schon mehrfach dabei, immer interessiert an Reflexionen ihrer Kunst durch Besucher.„Viele sind sehr interessiert an all den Malereien, die ich mache. Die meisten Gespräche bei Kaffee und Kuchen führe ich aber tatsächlich zur Sarg- und Urnenmalerei“, berichtet sie.

Neben dem direkten Kontakt zu Besuchern - an dem Wochenende kamen in den vergangenen Jahren jeweils etwa 200 Interessierte – sind es vor allem Aufträge für die freiberufliche Malerin, die sich daraus ergeben. „Im vergangenen Jahr entdeckte ein Ehepaar meine Porträts. Beide werden in diesem Jahr 50 und wollen sich aus diesem Anlass von mir porträtieren lassen.“ So ist Homrighausen auch bei den 18. „Tagen der offenen Ateliers“ am 7. und 8. Mai wieder dabei, wie auch weitere 750 ihrer Brandenburger Kollegen.„Insgesamt öffnen wir rund 550 Ateliers – in allen 14 Landkreisen sowie in Potsdam und Cottbus“, sagt Brigitte Faber-Schmidt, Geschäftsführerin der Brandenburgischen Gesellschaft für Kultur und Geschichte, die die Aktion in Kooperation mit den Kulturverwaltungen der Landkreise, wie auch in der Prignitz, koordiniert. „Wir laden zur Entdeckungstour in die vielfältige Kunstszene der Mark“, erklärt die Organisatorin.

Die Zahl der beteiligten Künstler sei im Vergleich zum vergangenen Jahr nahezu gleich geblieben, sagt sie. 2015 nutzten den Angaben zufolge rund 25 000 Besucher das Angebot, Künstlern einmal direkt über die Schulter zu schauen. „Hauptsächlich sind das Berliner, für die die offenen Ateliers inzwischen so etwas wie der jährliche Saisonstart für Ausflüge nach Brandenburg sind“, weiß Faber-Schmidt.

Jeanette Bederke

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erstellt am 06.Mai.2016 | 05:00 Uhr

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