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Unterstützung für Mittelständler : Bürgschaften für Gründer

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Immer mehr Brandenburger Gründer lassen ihre Kredite absichern

svz.de von
erstellt am 03.Feb.2017 | 05:00 Uhr

Mehr Geschäft mit weniger Unternehmen – die Bürgschaftsbank Brandenburg hat 2016 besonders Gründern und Unternehmensnachfolgern geholfen. Damit wurde das vierte Jahr in Folge das beste Neugeschäft aller ostdeutschen Bürgschaftsbanken erreicht.

Die Zahl der Gründer im Land geht zurück. Kein Wunder, sagt Milos Stefanovic, Sprecher der Geschäftsführung der Bürgschaftsbank Brandenburg. In konjunkturell so guten Zeiten erscheinen Angestelltenjobs häufig attraktiver als das anstrengende Unternehmerdasein. Wer aber eine Idee im Kopf hat, mit der er sich unbedingt selbstständig machen will, stößt häufig auf das altbekannte Problem: Für das nötige Darlehen fehlen Sicherheiten. Genau hier hilft die Bürgschaftsbank.

Als Selbsthilfeeinrichtung der mittelständischen Wirtschaft – das Institut gehört Kammern, Wirtschaftsverbänden und Kreditinstituten – hilft sie, wenn bankübliche Sicherheiten fehlen. Die Bürgschaftsbank unterstützt Mittelständler, wenn Hausbanken das Konzept eines Unternehmens zwar für gut befinden, es aber an banküblichen Sicherheiten fehlt. 80 Prozent eines Kredites, bis zu 1,25 Millionen Euro, werden so abgesichert. Was der Hausbank die Entscheidung für ein Darlehen erleichtert. Es geht auch andersherum. Mit dem „Bürgschaft ohne Bank“ getauften Produkt kann die Firma direkt zur Bürgschaftsbank kommen. Wenn diese das Konzept für überzeugend hält, sucht man sich eine Bank. Bei dieser Variante geht es um Summen bis 400 000 Euro.

Diese Variante hat Ellen Wölk gewählt. Sie gründete mit zwei anderen Frauen in Potsdam die Firma Permetex und produziert Textilien mit eingebautem Insektenschutz. Dazu wird der Wirkstoff Permethrin, synthetischer Nachbau eines Insekten-Abwehrmittels aus der Chrysanthemenblüte, untrennbar mit der Faser des Stoffs verwoben. Laut Ellen Wölk hilft das etwa gegen Wanzen, Zecken, Flöhe und Mücken. Und wird in Produkten wie Laken – „sehr zu empfehlen in Hotelbetten“ –, Schlafsack oder Kissenbezug verwendet. Bald kommt eine Hundedecke dazu.

112 000 Euro sichert die Bürgschaftsbank ab. Und das seit 2016 laufende Geschäft kommt auf Touren. Die 38-Jährige kann das Gründen in Brandenburg nur empfehlen: „Für Gründer gibt es hier im Land ein wirklich gut ausgebautes Netzwerk.“

Auch Mandy Pischke-Dubbert wollte diesen Schritt wagen und erhielt zunächst von ihrer Bank eine Abfuhr: Einzelhandel wollte die nicht finanzieren. Die Bürgschaftsbank aber fand die Idee toll, in Potsdam ein Geschäft für Brautkleider abseits der Massenware zu eröffnen. 38 500 geliehene Euro wurden verbürgt. Seit Herbst 2015 gibt es den „Seeweiss“ getauften Laden. Der weit über Plan liegt: Die 43-Jährige hat doppelt so viel verkauft wie geplant. Jede zweite der rund 350 Anproben führte zu einem Verkauf.

Besonders gut laufen übrigens Modelle aus Neuseeland und Polen. Und die Kundschaft kommt häufig aus Berlin und sogar aus Niedersachsen. Wer ein wirklich besonderes Stück für den „schönsten Tag des Lebens“ suche und bereit sei, dafür zwischen 1100 Euro und 3500 Euro zu zahlen, nehme längere Wege in Kauf, sagt Mandy Pischke-Dubbert. Was auch dazu geführt hat, dass sie nicht mehr allein den Laden schmeißt, sondern zwei Mitarbeiterinnen hat.

Insgesamt wurden 263 Bürgschaften und damit verbundene Kredite und Beteiligungen in Höhe von 79,3 Millionen Euro realisiert. Womit die Stückzahl um 8,7 Prozent sank, das Volumen aber um 11,3 Prozent zulegte. Stefanovic sagt, dass viele Unternehmen heute aus eigener Kraft investieren können. Gleichzeitig würden aber Unternehmensnachfolgen immer teurer. Beides erkläre die sinkende Zahl der Bürgschaften bei gleichzeitig steigenden Beträgen. Was auch illustriert, warum das Bürgschaftsvolumen für Gründer und Unternehmensnachfolgen um 43 Prozent gestiegen ist und bereits 38 Prozent des Gesamtgeschäfts ausmachte.

Kein Problem hat Milos Stefanovic damit, dass über die Hälfte der Projekte und der Gesamtsumme auf den Westen Brandenburgs entfallen. Das bilde die Wirtschaftskraft im Land ab: „Der Kammerbezirk Potsdam bleibt das wirtschaftliche Schwergewicht in Brandenburg.“  

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