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Bildung : Bücherbusse auf der Streichliste

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Nur noch vier Kreise betreiben mobile Bibliotheken. In den Dörfern dienen sie auch als Treffpunkt

svz.de von
erstellt am 18.Jul.2016 | 09:23 Uhr

In Brandenburg sind aufgrund von Sparzwängen immer weniger Bücherbusse unterwegs, obwohl die Nachfrage auf dem Land nach wie vor groß ist. Zudem dienen die rollenden Bibliotheken häufig als Treffpunkt der Dorfbewohner.

Es gibt kaum einen Mitarbeiter in der Kreisverwaltung von Elbe-Elster, der mehr Geschichten aus den Dörfern erzählen könnte. Wenn Marion Ballnat mit dem blauen Bücherbus unterwegs ist, dann arbeitet sie nicht nur als Bibliothekarin, sondern schlüpft in die Rolle eines Sozialarbeiters. „Die Menschen wollen nicht nur Bücher ausleihen, sie wollen auch erzählen“, sagt sie. „Wir erfahren daher jede Neuigkeit.“

Zusammen mit fünf Kollegen steuert Ballnat alle drei Wochen einen Ort an – 145 Stationen insgesamt. Der mit bis zu 6000 Büchern, CDs, Spielen und Videofilmen beladene Bus wird oft sehnsüchtig erwartet. Vielerorts gebe es keinen Konsum, keine Gaststätte und keinen Seniorentreff mehr. „Dann freuen sich die Leute, wenn sie sich wenigstens hier treffen können“, sagt die Leiterin des Kreismedienzentrums.

Um überhaupt diesen Drei-Wochen-Turnus anbieten zu können, existieren in dem Landkreis gleich zwei Bücherbusse – die große Ausnahme. Nur noch fünf Fahrbibliotheken sind in Brandenburg unterwegs – in Elbe-Elster, Oder-Spree, Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming. Kurz nach der Jahrtausendwende waren zwölf Busse in Betrieb. „Immer wenn ein Kollege in Rente geht oder länger ausfällt, gehen die Diskussionen wieder los“, sagt Cornelia Stabrodt, Vize-Vorsitzende des Landesbibliothekenverbandes. „Alles dreht sich um Kosten.“

Auch bundesweit wurden mobile Büchereien immer weiter ausgedünnt. Nach einer Umfrage des Deutschen Bibliothekenverbandes existieren noch rund 90 Fahrbibliotheken, knapp die Hälfte allein in Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Dabei wird aus der Sicht von Stabrodt immer wieder verkannt, dass es kaum Alternativen zu Fahrbibliotheken im ländlichen Raum gibt, abgesehen von Online-Bibliotheken.

Während Marion Ballnat viele der jährlich durchschnittlich 10 000 Nutzer schon von Kindesbeinen an kennt, hat sie zur Gruppe der Jugendlichen nur noch wenig Zugang. Dabei ist auch immer eine kleine Auswahl an Videospielen oder DVDs an Bord. „Wir gehen natürlich mit der Zeit“, sagt sie. 1200 Medien würden jährlich neu gekauft. Auch zu thematischen Schwerpunkten, etwa zum Klimaschutz, wird Literatur bereitgestellt. „Die Leute konnten sich sogar ein Strommessgerät ausleihen.“

Dagegen müssen die Tourenpläne im Kreis Oder-Spree immer wieder angepasst werden – da die rollende Bibliothek in manchen Orten nur noch von einem oder zwei Lesern aufgesucht wird. Mehrfach gab es in der Vergangenheit bereits Debatten über die Abschaffung. Allerdings hält der Kreis an dem Angebot, für das jährlich 150 000 Euro aufgewendet werden, fest. Auch in Dahme-Spreewald hat sich der Landkreis unlängst zum Erhalt des Busses bekannt, nachdem eine Bibliothekarin in den Ruhestand verabschiedet wurde.

Im brandenburgischen Kulturministerium schätzt man die mobilen Büchereien als bewährte Alternative ein, verweist indes auf ein verändertes Nutzerverhalten. „Die Entwicklung geht in die Richtung, dass immer mehr Inhalte von Bibliotheken digitalisiert werden“, sagt Sprecher Stephan Breiding. Die Online-Ausleihe werde in den kommenden Jahren zunehmen. „Historische Romane, Biografien und Krimis – das läuft am besten“, sagt Edgar Bunge, der seit 16 Jahren mit dem Bücherbus im Kreis Oder-Spree unterwegs ist. Als Auslaufmodell sieht er die Fahrbibliothek nicht: „Wenn wir eine neue Station anfahren, dauert es zwar eine Weile, bis die Leute kommen. Aber sie kommen.“

 

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