Potsdam : Brandenburger entsorgen mehr Altkleider

Mit Fotos gestaltete Altkleidercontainer werden im brandenburgischen Rathenow von einem Mitarbeiter der Firma FWS geleert.
Mit Fotos gestaltete Altkleidercontainer werden im brandenburgischen Rathenow von einem Mitarbeiter der Firma FWS geleert.

Tausende Tonnen kommen jährlich zusammen. Ab April Versuch mit Papiertonne in Märkisch-Oderland

svz.de von
30. März 2016, 05:00 Uhr

In Brandenburg werden immer mehr Altkleider entsorgt. Das ergab eine dpa-Umfrage. Allein die öffentlich rechtlichen Entsorger transportierten im Jahr 2014 fast 1200 Tonnen Altkleider ab, wie aus der aktuellen Abfallbilanz der Entsorgungsträger hervorgeht. Im Jahr zuvor waren es 800 Tonnen, 2012 etwa 718 Tonnen.

Im Jahr 2015 hatten nach Auskunft der brandenburgischen Landesregierung 71 gewerbliche und 39 gemeinnützige Träger das Recht zur Sammlung von Altkleidern. Zudem mischen acht öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger auf diesem Markt mit.

Zu den gemeinnützigen Trägern gehört auch das Deutsche Rote Kreuz (DRK). Dessen Kreisverbände unterhalten in Brandenburg rund 1100 Kleidercontainer. „Bei der Platzierung sind wir von der Bereitschaft und Standortzuweisungen der Kommunen abhängig“, sagte DRK-Landesverbandssprecherin Iris Möker. Über die Container hinaus gebe es in einigen Kreisen auch Kleiderstuben, in denen gebrauchte Kleidung direkt abgegeben werden kann. Was gut erhalten ist, wird in der Kleiderstube weitergegeben – und nicht brauchbare Kleidung werde entsorgt.

Das DRK konnte laut seiner Sprecherin 2015 gut 3300 Tonnen von den Brandenburgern einsammeln. „Aufgrund der Spendenbereitschaft für die Flüchtlingshilfe ist die Sammelmenge 2015 wieder angestiegen“, sagt Möker. Aber nur zehn Prozent der Bekleidung gelangten an Bedürftige in der Region. Die Kleidungsstücke, die nicht den Anforderungen entsprechen, würden an einen Verwertungsbetrieb in Sachsen-Anhalt veräußert. So werde aus der Sachspende letztlich eine Geldspende.

In den Jahren zuvor sei die Sammelmenge zurückgegangen, sagte Möker. Dies sei auf den steigenden Wettbewerb durch gewerbliche Firmen und den Einstieg kommunaler Abfallwirtschaftsbetriebe zurückzuführen. „Um diesem Trend entgegenzuwirken, mussten wir die Anzahl der Sammelbehälter und somit auch den Aufwand steigern.“

Bald gibt es noch mehr kommunale Konkurrenz: Ab April will der Landkreis Märkisch-Oderland über die blaue Papiertonne Altkleider der Bürger entsorgen. „Diese Art der Kleiderentsorgung gibt es im Land erstmalig“, sagte die Sprecherin des Entsorgungsbetriebs Märkisch-Oderland (EMO), Peggy Thräne. Über den Erlös will der Kreis die Entsorgungsgebühren für die Bürger auch künftig stabil halten. „Das Projekt wird sich finanziell selbst tragen“, kündigt Thräne an.

Sollte der Modellversuch ein Erfolg werden, könnten die Gebühren sogar entsprechend gesenkt werden. An dem mehrmonatigen Modellversuch nehmen laut dem vom Kreis mit der Organisation beauftragten Berliner Planungsbüro Gavia rund 4000 Haushalte teil – mit 3000 Papiertonnen mit je 240 Litern. „Die acht Orte sind gezielt ausgesucht“, erklärte Gavia-Geschäftsführer Heie Erchinger. So decke man mit Podelzig und Reitwein eher ländliche Regionen, mit Strausberg eine Stadt ab. Die Kleider würden wenige Tage nach der letzten Papierentleerung abgeholt. „Wir wollen damit nicht in Konkurrenz zu den Kleidercontainern treten“, versichern Erchinger und Thräne. Vielmehr solle das Angebot dadurch ergänzt und lange Wege zum nächstentfernten Container vermieden werden. „Der Bedarf ist da“, sagt Thräne.

Bereits gescheiterte ähnliche Versuche kommunaler Entsorger in den alten Bundesländern kommentiert Erchinger als vermutlich zu „halbherzig“ und zu „kurzfristig“ durchgeführt.

Die Strategie des Kreises kann Iris Möker nur bedingt nachvollziehen. „In unserem Kreisverbandsgebiet stehen ausreichend und flächendeckend Container zur Verfügung, die wöchentlich geleert werden“, sagt sie.

Von einer Unterversorgung könne keineswegs gesprochen werden. „Sollte sich dieses Modellvorhaben etablieren, könnten uns insbesondere für die Kleiderkammern und damit für die sozial schwachen Bürger die notwendigen Angebote an Kleidung nicht mehr in ausreichendem Maß zur Verfügung stehen“, befürchtet Möker.

Autor: Christian Bark

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