Grenzkriminalität : Brandenburg wird zum Transitland

dpa_1484ca001e7a66d5

Gefühlt ist die Grenze nach Polen für die Menschen in der Prignitz weit entfernt. Die grenzüberschreitende Kriminalität beschäftigt aber immer mehr die Staatsanwaltschaft Neuruppin , die für die Region zuständig ist.

von
06. Februar 2014, 23:38 Uhr

Gefühlt ist die Grenze nach Polen für die Menschen in der Prignitz weit entfernt. Die grenzüberschreitende Kriminalität beschäftigt aber immer mehr die Staatsanwaltschaft Neuruppin , die für die Region zuständig ist.

Selten vergeht ein Tag, an dem die Polizeidirektion Nord keinen Autodiebstahl, abgezapften Diesel oder kleine Einbrüche vermelden muss. Ein Teil dieser Delikte geht auf das Konto von osteuropäischen Kriminellen. „Das bewegt uns sehr und wird uns auch in diesem Jahr noch mehr beschäftigen“, so der Leitende Oberstaatsanwalt Gerd Schnittcher. Im Jahr 2013 sind bei der Staatsanwaltschaft Neuruppin – die von der Prignitz bis zur Uckermark zuständig ist – 118 Verfahren der sogenannten grenzüberschreitenden Kriminalität geführt worden – davon 79 Verfahren wegen Einbruchdiebstahls und 39 Fälle wegen Autodiebstahl und Hehlerei. Laut Schnittcher werden solche Fälle zunehmend zum Problem. Denn Kriminelle, die ihr Diebesgut nach Osten über die Grenze bringen wollen, müssen durch Brandenburg. „Brandenburg ist selbst zum Transitland geworden“, so der Leitende Oberstaatsanwalt.

Ein großes Problem für die Ermittler ist, dass sie kaum eine Chance haben, an die Hintermänner zu gelangen. Denn die Kurierfahrer, die erwischt werden, geben sich selbst als kleines Licht aus, das erstmals für wenig Geld einen solchen Auftrag angenommen hat. Wenn die Tatverdächtigen einen festen Wohnsitz in Polen haben, dürfen sie nicht länger als nötig in Untersuchungshaft festgehalten werden.

Die Ermittlungen sind laut Schnittcher zumeist schwierig. Auf juristischem Weg kann sich die Staatsanwaltschaft nur über das lange und bürokratische Verfahren der Rechtshilfe an polnische Behörden wenden. „Ein unmittelbarer Kontakt wäre viel einfacher“, so Schnittcher. Denn häufig liegen Unterlagen der polnischen Behörden zu Gerichtsverfahren nicht rechtzeitig vor, und manchmal werde man aus diesen nicht schlau.

Schnittcher würde deshalb eine engere Kooperation mit den polnischen Behörden begrüßen. Davon verspricht er sich auch einen größeren Einblick in die Strukturen der organisierten Kriminalität, der bislang noch fehlt. Im Rahmen der Verfahren stelle sich oft heraus, dass selbst die Kurierfahrer „eine drastische Vorbelastung im eigenen Land haben“.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen