ungewöhnliche Haustiere : Brandenburg – Land der Exoten

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Spinnen, Schlangen oder Kaimane: Immer mehr Brandenburger legen sich außergewöhnliche Tiere zu. Experten sehen den Trend kritisch.

svz.de von
27. Dezember 2013, 11:56 Uhr

Martin Schmidt sieht seine Haustiere zuweilen mehrere Wochen nicht. Die Vogelspinnen, die er in zehn Terrarien hält, ziehen sich gerne in Verstecke zurück. Und wenn sie sich zeigen, wirken sie wie versteinert. „Das sind eben ihre Eigenarten, die muss man mögen“, sagt der Vorsitzende einer Vogelspinnen-AG. Schon als Kind war er von den haarigen Krabbeltieren fasziniert. Vor 15 Jahren kaufte der Kunsthistoriker die erste Spinne, Dutzende besitzt er mittlerweile. Dabei weiß er, dass diese nach wie vor ein schlechtes Image haben. Was Schmidt jedoch nicht versteht: „Von ihnen geht keine Gefahr aus, sie haben eher Angst vor Menschen.“

Zusammen mit 20 weiteren Vogelspinnen-Besitzern in Brandenburg und Berlin versucht Schmidt etwa Lobbyarbeit zu betreiben: Viele Jahre präsentierten sie die Tiere auf der Grünen Woche, stellten sie bereits in Schulen und Kitas vor. „Wir haben schon Leuten die Angst vor Spinnen genommen“, erzählt er stolz.

Exoten scheinen in Brandenburg vielfach Faszinationen auslösen. Mehr als 8000 Züchter von ungewöhnlichen Arten mit rund 82 000 Tieren sind beim Landesumweltamt registriert – Tendenz steigend. Echsen, Papageien und Skorpione seien längst etabliert, sagt der Artenschutzreferent Frank Plücken. Aber auch kleinere Affen und Würgeschlangen werden zu Hause gehalten. „Das ist ein trauriger Trend“, findet Marius Tünte vom Tierschutzbund. „Nicht wenige Exemplare landen letztlich in Tierheimen, weil die Halter überfordert sind.“ Doch die Einrichtungen hätten oft keine Möglichkeiten, etwa Klapperschlangen auszunehmen. „Der Handel mit Exoten ist ein riesiger Markt geworden, das gehört verboten.“

Tünte kritisiert auch die unterschiedlichen Regelungen in Deutschland: So dürfen Privatpersonen in Berlin, Hessen oder Thüringen keine gefährlichen Exoten halten. In anderen Bundesländern muss eine Ausnahmegenehmigung beantragt werden. In Brandenburg gebe es hingegen kaum Beschränkungen. Überforderte Halter setzen immer wieder Tier aus. So entdeckte im Juni ein Spaziergänger im niedersächsischen Emden eine sechs Meter lange Netzpython am Stadtrand. Im September wurde ein Serval in Bernau aufgegriffen. Die Wildkatze wurde in eine nahe gelegene Aufzuchtstation gebracht, die der Verein „Association for Wild Cat Conservation“ betreibt. Der Serval stamme vermutlich aus einer Privathaltung in Oranienburg, die vom Amt untersagt wurde, berichtet der Vereinsvorsitzende Sebastian Waldau. Das ursprünglich in Afrika beheimatete Tier werde in der Station gut versorgt und befindet sich in der Gesellschaft von Schneeleoparden, asiatischen Leoparden, Nebelparder und Geparden.

Der Verein will mit der Zucht von Wildkatzen einen Beitrag zum Schutz bedrohter Spezies leisten. Die auf dem Areal im Barnim untergebrachten Tiere sollen an Zoos abgegeben werden oder gar an Auswilderungsstationen. „Uns geht es darum, dass die Arten nicht aussterben“, betont der Biologe Waldau. Er fordert, dass Wildtiere nicht an Privathaushalte verkauft werden sollten.

Dies fordert auch Rita Ohnhäuser, die in Großziethen (Dahme-Spreewald) eine Auffangstation für Papageien betreibt. „Die Behörden sollten öfter einschreiten“, sagt sie. Sie ärgert sich über Leute, die sich vor dem Kauf eines exotischen Vogels nicht mit den Anforderungen beschäftigt haben. So seien die in Mode gekommenen Aras extrem verspielt und hätten eine Flügelspannweite von einem Meter. „Die wollen nicht immer traurig auf der Stange sitzen“, sagt sie.

Doch Händler sorgen für ein massenhaftes Angebot. So wurden laut Tierschutzbund im Jahr 2009 – eine aktuellere Statistik existiert nicht – über 660 000 Reptilien, 250 000 Amphibien und 55 000 Vögel über den Flughafen Frankfurt importiert. Jedes Wochenende findet ein Markt für exotische Tiere statt, berichtet Tünte. „Die gibt es selbst als Schnäppchen.“ Artenschutzexperte Plücken berichtet, dass in manchen brandenburgischen Zoohandlungen selbst Kaimane angeboten werden. „Wer die unbedarft kauft, hat irgendwann ein großes Problem“, meint er. Zusammen mit zwei Kollegen muss er gelegentlich ausrücken, wenn Tiere ausbüxen. „Richtig gefährlich wurde es noch nicht.“

Dass selbst Krokodile im Gartenteich Wintergarten aufwachsen, ist in Golzow zu sehen. Bei Züchter Karl-Heinz Voigt leben – mit behördlicher Erlaubnis – rund 20 große Echsen. Besucher führt der Züchter gerne durch seine Anlage. Es sollten eben besondere Tiere sein, begründet der 56-Jährige. Schlangen wären für ihn dagegen nie in Frage gekommen, „Sie wären für meine Frau ein Scheidungsgrund.“

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