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Zukunft der Schulen? : „Brandenburg ist beim E-Learning spät dran“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Das Bildungsministerium preist E-Learning als wichtigen Baustein für die künftige Schulversorgung vor allem auf dem Land. Doch tatsächlich passiert an Brandenburgs Schulen bislang kaum etwas in dieser Richtung.

svz.de von
erstellt am 20.Jan.2014 | 23:30 Uhr

Das Bildungsministerium preist E-Learning als wichtigen Baustein für die künftige Schulversorgung vor allem auf dem Land. Doch tatsächlich passiert an Brandenburgs Schulen bislang kaum etwas in dieser Richtung. Befürworter der modernen Lernmethoden fühlen sich deshalb gar als Einzelkämpfer. Rainer Willer ist einer von ihnen.

Angefangen hat er im Jahr 2005, weil es für das Fach Informatik kein passendes Lehrbuch gab. Da hat der Lehrer des Fürstenwalder Scholl-Gymnasiums eins geschrieben. Komplett online, auf Basis der kostenlosen, weltweit genutzten Lernplattform „Moodle“. Erklärende Texte, Übungen, Tests – all das können die Jugendlichen sich jetzt am Schulrechner, zu Hause oder unterwegs auf dem Smartphone anschauen und bearbeiten. Abgabetermine, Zeitvorgaben für die Lösung einzelner Aufgaben, alles lässt sich einstellen. „Eine bunte Mischung. Die Schüler fahren voll darauf ab“, sagt Willer.

Das Problem: Eigentlich würden sich nach Einschätzung des Lehrers diese Lernformen zur Ergänzung des herkömmlichen Unterrichts in jedem Fach anbieten. Aber in all den Jahren mit „Moodle“ sei es ihm lediglich gelungen, ein paar Mathelehrer zum Mitmachen zu überreden. „Sie haben weniger Berührungsängste.“ Willer, der sich selbst als Pionier auf dem Gebiet des E-Learning sieht, sagt es ohne Vorwurf in der Stimme: Es sei nun einmal so, dass viele Lehrer nicht bereit wären, sich mit „Moodle“ oder anderen Lernprogrammen zu beschäftigen.

Die Haltung des Bildungsministeriums ist widersprüchlich. Eine systematische Übersicht zur Nutzung von E-Learning in Brandenburg gebe es nicht, räumt Sprecher Stephan Breiding einerseits ein. Ein Leitfaden auf der Internetseite des Landesinstituts für Schule und Medien ist acht Jahre alt und wurde einfach eins zu eins aus Österreich übernommen. Ein paar Links zum Thema führen ebenfalls weg aus Brandenburg, zum Beispiel nach Baden-Württemberg, wo der Einsatz von „Moodle“ an Grundschulen seit Jahren erprobt wird. „Wir sind spät dran in Brandenburg“, schätzt Rainer Willer ein.

Andererseits hat sich Ministerin Martina Münch (SPD) im vergangenen November hinter die Forderung der von ihr eingesetzten Demografie-Kommission gestellt. Das Gremium sollte Ideen dafür liefern, wie trotz sinkender Schüler- und Lehrerzahlen auf dem Land guter Grundschulunterricht aussehen könnte. Eine der Experten-Empfehlungen: die Erprobung von E-Learning-Methoden ab Klassenstufe fünf. Die größten Herausforderungen seien dabei laut Kommission die Schaffung der technischen Voraussetzungen, die Einbindung von Eltern und Lehrern sowie das Wissen um Stärken und Schwächen dieser Lernmethoden. Denn ein Allheilmittel sind „Moodle“ & Co selbst in den Augen von Befürwortern wie Rainer Willer nicht. „Das ersetzt keinen soliden Unterricht. Ich kann mir das bloß begleitend vorstellen“, betont er. Aber denkbar sei, dass bei knappen Ressourcen ein Fachlehrer heute an dieser und morgen an jener Schule persönlich anwesend ist, und an anderen Tagen per Video zugeschaltet wird.

Aber es gehe um viel mehr als jene praktischen Erwägungen. E-Learning sei effizient, fördere die Selbstständigkeit der Schüler, ermutige sie, nach neuen Wissensquellen zu suchen und sei eine gute Vorbereitung auf späteres wissenschaftliches Arbeiten.

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