Einkaufen vor Ort : Brandenburg fördert die Dorfläden

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Lange sahen Politiker zu, wie ein Dorfladen nach dem anderen schloss und die Landflucht wuchs. Nun mehren sich Initiativen, das Landleben attraktiv zu machen

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31. August 2019, 05:00 Uhr

Kein Lebensmittelladen, kein Bäcker, kein Fleischer, kein Bistro und der nächste Supermarkt kilometerweit entfernt. In vielen Brandenburger Gemeinden gibt es keine wohnortnahe Grundversorgung mehr. Oft kommt nicht einmal ein Verkaufsmobil regelmäßig vorbei und versorgt die Menschen mit Artikeln des täglichen Bedarfs. Das soll sich ändern. Für Dorfläden und mobile Verkaufsstände können Mittel der EU-, Bundes- und Landesfinanzierung genutzt werden, teilte das Agrarministerium in Potsdam auf Anfrage der Grünen-Landtagsfraktion mit.

Einzelheiten, wie die Einrichtungen finanziell gefördert werden, enthält eine Richtlinie des Agrarministeriums. Um Dorfentwicklung, öffentliche Grundversorgung, Infrastruktur, Wirtschaft, Tourismus und Kultur im ländlichen Raum zu verbessern, stehen seit 2014 bis 2020 rund 360 Millionen Euro Fördergelder bereit.

Das Agrarministerium unterstützt Vorhaben für Einrichtungen der Daseinsvorsorge in den Dörfern über das „Forum ländlicher Raum - Netzwerk Brandenburg“, heißt es in der Antwort auf die Grünen-Anfrage. Unterstützt werden der Austausch von Projektideen, Erfahrungen und Know-how zwischen lokalen Aktionsgruppen. Die Förderung soll die Lebensperspektive aller Altersgruppen in ländlichen Gebieten verbessern und eine regionale nachhaltige Entwicklung unterstützen.

Laut Agrarministerium wurden unter anderem Dorfläden in Wahlsdorf (Teltow-Fläming) und Trebnitz (Märkisch-Oderland) sowie die Anschaffung eines Verkaufsmobils für Fleisch und Wurst im Landkreis Uckermark gefördert. In Werneuchen und Biesenthal (Barnim) entstanden je ein Ladengeschäft mit Café, in Tantow wurde der Kauf eines Überlandmobils unterstützt.

Ein Beispiel der Förderung: Der Dorfladen Trebnitz entstand aus der 2015 umgebauten historischen Remise im Eingangsbereich des Schlosses Trebnitz, das als Bildungsstätte für Jugendarbeit genutzt wird. Von den rund 600 000 Euro Gesamtkosten wurden 445 000 Euro aus Fördermitteln finanziert. Die restlichen Investitionen kamen aus Eigenmitteln. Zum Dorfladen gehören ein Café und ein Ausstellungsraum.

Eine Enquete-Kommission des Landtages zur Zukunft der ländlichen Regionen hatte im April nach vierjähriger Arbeit den Abschlussbericht vorgelegt. Darin waren viele Vorschläge enthalten, um ländliche Räume zu entwickeln und das Ladensterben in den Dörfern aufzuhalten.

Um Nahversorgungsangebote zu befördern, sollten Beratungsleistungen für Potentialanalysen, Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen sowie Organisationsformen öffentlich gefördert und investive Kosten übernommen werden. Multifunktionshäuser, die eine Grundversorgung und verschiedene Dienstleistungen anbieten und als Treffpunkt und kultureller Ort dienen, sollten als gemeinnützig anerkannt werden.

Die Kommission appellierte an alle Verantwortlichen in Landkreisen, Städten und Gemeinden, die Themen und Handlungsempfehlungen immer wieder anzusprechen und umzusetzen. Der Landtag forderte die Landesregierung auf, regionale Entwicklungskonzepte zu erarbeiten, um gleichwertige Lebensverhältnisse zu schaffen. Die Entwicklung der ländlichen Räume und der regionale Zusammenhalt von berlinnahen und berlinfernen Regionen müsse ein Schwerpunkt der Landespolitik sein.

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