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Nach Polizistenmord : Boxhandschuhe als Spende

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Lutz Boltz will die Familien getöteter Polizisten unterstützen und trennt sich von seinem wertvollsten Besitz

svz.de von
erstellt am 27.Mär.2017 | 20:45 Uhr

Der Schock über den brutalen Tod zweier Polizisten in Brandenburg sitzt bei Hinterbliebenen, Bekannten und Kollegen nach knapp vier Wochen immer noch sehr tief. Kriminaloberkommissar Lutz Boltz aus Müllrose lässt das schreckliche Ereignis nicht mehr los. „Ich hatte nach der Wahnsinnstat schlaflose Nächte, weil mich auch das Leid der Hinterbliebenen so sehr berührt“, erklärt er.

Zusammen mit Ex-Boxer Axel Schulz (48), mit dem er seit 30 Jahren befreundet ist, hat Boltz eine Spendenaktion gestartet. „Ich hatte von Box-Legende Max Schmeling ein Paar signierte Boxhandschuhe und kenne Axel“, sagt Boltz. „Wenn Axel die Werbetrommel rührt und ich die Handschuhe gebe, müssten wir doch Geld für die Hinterbliebenen sammeln können“, sagt der 59-Jährige.

„Klar war ich sofort dabei“, ergänzt Schulz. Niemanden könne das Schicksal der beiden Polizisten kaltlassen. Er habe sofort seine Kontakte spielen lassen, die Webseite www. boxspende.de zum Thema ging online. Ohne große Werbung kamen in den ersten zwei Tagen mehr als 600 Euro zusammen.

„Lutz wollte seine Handschuhe erst versteigern.“ Da wäre aber nur ein Betrag zusammengekommen, betont Schulz. Dann seien beide auf die Idee der Verlosung gekommen. Wer teilnehmen will, spendet an den Polizeihilfeverein „Grüner Stern“. „Und wenn es meinetwegen nur ein Euro ist. Jeder Euro mehr ist wichtig und wird gebraucht“, unterstreicht Schulz.

„Ohne Worte! Die Aktion ist so super und kann man gar nicht genug würdigen“, sagt Andreas Schuster, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei.

Für Boltz ist die Spendenaktion eine „Herzensangelegenheit“. Er kannte die zwei getöteten Polizisten von gemeinsamen Einsätzen und Schulungen persönlich.

„Wenn wir als Kripo zu Tatorten gefahren sind, haben die Revierpolizisten die gesichert. Auch auf der Wache in Fürstenwalde haben wir mal ein paar Worte gewechselt“, erinnert sich Boltz.

Als ein 24-Jähriger am 28. Februar in Oegeln bei Beeskow die beiden Beamten mit Tempo 160 überfuhr – sie wollten den psychisch kranken mutmaßlichen Mörder mit einem Nagelbrett auf seiner Flucht stoppen –, war Lutz Boltz ganz in der Nähe und sah den Polizeieinsatz. Im Radio erfuhr er dann die Hintergründe. „Das ist alles so schmerzhaft und nicht zu begreifen. Im Prinzip hätte jeder Polizist in so eine Situation kommen können.“ Deswegen gehe ihm der Tod der Kollegen so nah.

Die Echtheit der Schmeling-Signets kann Boltz übrigens mit einem persönlichen Brief des 2005 verstorbenen Boxstars nachweisen.

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