Bombensuche im Kessel von Halbe

Konzentrierter Einsatz: Karl-Heinz Hesse untersucht den Boden an der Opal-Trasse mit einer Sonde. Die  Stange markiert die kontrollierte Fläche. Julia Schäfer (2)
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Konzentrierter Einsatz: Karl-Heinz Hesse untersucht den Boden an der Opal-Trasse mit einer Sonde. Die Stange markiert die kontrollierte Fläche. Julia Schäfer (2)

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13. März 2010, 01:57 Uhr

Baruth | Leise und regelmäßig tönt es aus einer langen Metallstange. Piep, piep, piep. Konzentriert lässt Karl-Heinz Hesse das Ende der Stange über den Boden am Waldrand schweben. Langsam schreitet er über die trockene Erde. Von rechts nach links und zurück - immer wieder sucht er den Boden unter sich nach metallischen Gegenständen ab. Hesse ist Sondierer. Gemeinsam mit seinen Kollegen vom Munitionsbergungsdienst Koch aus Oranienburg und dem Kampfmittelräumdienst sucht er die Baustelle der quer durch Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen verlaufenden Erdgas-Pipeline Opal nach Munition aus dem Zweiten Weltkrieg ab. Momentan arbeiten die Männer nahe dem brandenburgischen Baruth, südlich von Berlin.

Jede Störung im Erdmagnetfeld wird mit der Sonde in Hesses Hand angezeigt. Metall stört das Feld - und diese Unregelmäßigkeiten zeigt das Gerät durch hektisches Piepsen an. Der Spaten des Kollegen, die Stahlkappen in den Schuhen oder eben Munition sowie ein alter Helm lösen diesen Alarm aus. Die Sondierer tragen deshalb Sicherheitsschuhe mit Kunststoffkappen. Ösen und Reißverschlüsse an der Kleidung sind aus Plastik, Kleingeld und Handy haben sie im Auto gelassen. Wenn es piepst, muss also etwas in der Erde sein.

Die Gegend um Baruth gilt beim Bau der Pipeline als Minen-Risikogebiet. Rund 40 der 470 Kilometer langen Opal-Strecke sind so klassifiziert. Bei Baruth kämpften in einer der letzten Schlachten des Zweiten Weltkriegs deutsche Soldaten gegen die Sowjet-Armee. Im so genannten Kessel von Halbe rechnet der stellvertretende Bauleiter Christian Kainmüller mit vielen Blindgängern, Waffen und Kriegstoten. "Der Tote, den wir am Mittwochabend gefunden haben, wird sicher nicht der letzte sein", erklärt er. Der Österreicher hat schon viele Bauprojekte weltweit begleitet.

Die Mitarbeiter des Munitionsbergungsdienstes arbeiten sich durch die Schneise. Streifen für Streifen, jeder ist ungefähr einen halben Meter breit, suchen die 16 Männer das Gelände ab. Wenn ein Sektor geräumt ist, wird er mit einer Stange gekennzeichnet. Mit ihren Sonden können sie bis zu sechs Meter in die Tiefe "schauen". Jeden Tag rücken sie etwa 300 Meter vor. Die Männer arbeiten in Zweierteams. Einer führt die Sonde, der andere geht mit dem Spaten hinterher, um mögliche Funde auszugraben. Wenn sie wirklich etwas Explosives gefunden haben, stehen die Feuerwerker des Kampfmittelräumdienstes bereit, um den Fund zu bergen.

Es sind eingespielte Teams, die gemeinsam eine verantwortungsvolle Aufgabe übernehmen. Denn bevor die Bagger anrücken, muss der Boden zuverlässig von Munition geräumt sein. "Ich seh meinen Kollegen häufiger als meine Frau", sagt Rainer Krause. "Pinguin und ich teilen uns sogar ein Zimmer." Kollege Siegfried Groneberg lacht. Damit, dass Krause ihn liebevoll Pinguin nennt, kann er gut leben, die beiden Berliner sind seit Jahren ein Team und necken sich gegenseitig. Allerdings nicht zu lange, schließlich muss die Arbeit getan werden.

Beim Bau der Opal greift alles ineinander. Während an einigen Stellen schon die Röhre im Boden liegt, werden einige hundert Meter vom Arbeitsplatz der Sondierer entfernt erst Rohre geschweißt. Am Montag sind Hesse und seine Kollegen am nächsten Einsatzort. Auf dem Gebiet bei Baruth, das sie als geräumt verlassen, wird dann der Mutterboden abgetragen.

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