zur Navigation springen
Brandenburg

22. August 2017 | 03:41 Uhr

Blumenzucht : Blumen auf Tauchstation

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Christian Zilinski-Meyer ist Marketing-Manager in einem Berliner Hotel. In seine Freizeit züchtet er in Brandenburg besondere Blumen

Hüfttief steht Christian Zilinski-Meyer im Wasser. Das ist auf den ersten Blick gar nicht zu erkennen, denn Seerosenblätter umringen ihn wie ein grüner Teppich. Der 35-Jährige, der als Marketing-Manager in einem Berliner Hotel arbeitet, taucht mit der Hand gezielt hindurch, wühlt kurz im trüben Nass und hält schließlich eine kräftige Seerosenpflanze in die Höhe. Corinna Waßmann, die am Ufer des rechteckigen Zuchtteiches steht, nickt begeistert. „Die nehmen wir“, freut sich die Frau aus Wittenberg. Mit ihrem Mann ist sie extra nach Groß Rietz (Oder-Spree) gekommen, um Seerosen und vielleicht auch Lotuspflanzen für den heimischen Teich zu kaufen. „Die Anlage ist toll, die Auswahl groß und die Qualität stimmt“, rechtfertigt sie den den langen Anfahrtsweg.

Vor zwei Jahren war das Ehepaar erstmals in der Seerosenfarm von Zilinski-Meyer, die der studierte Betriebswissenschaftler vor 14 Jahren im einstigen Bauerngarten seiner Oma Elli angelegt hat. Seit einem Schülerpraktikum in einer Baumschule ist er fasziniert von den dekorativen Wasserpflanzen. Wo einst alte Obstbäume standen und Kräuterbeete angelegt waren, schuf Ziliniski-Meyer an den Wochenenden ein exotisch anmutendes Gartenparadies - mit etwa 20 akkuraten Gräben, die er mit dunkler Teichfolie ausgelegt hat. Darin schwimmen und blühen von Mai bis Oktober 150 Seerosen-Sorten in nahezu allen Größen und Farben - von Quittegelb bis zu einem kräftigen Orange, von Weiß über Zartrosa bis hin zu dunkelstem Rot.

Neben den Seerosen-Gräben gibt es fünf Gewächshäuser für die tropischen Arten, vor allem hoch wachsende Lotuspflanzen in großen schwarzen Bottichen. 200 Sorten sind es inzwischen. Einen Teil der Pflanzen kauft Zilinski-Meyer in Thailand oder anderen asiatischen Ländern ein, andere züchtet er selbst. Das ist eine knifflige Angelegenheit: In wassergefüllten Gläsern schwimmen winzige Samen.„Um Pflanzen zu vermehren, müssen die Samen mit einem Zahnstocher pikiert (Anm.: verpflanzt) werden.“ Kreuzungen seien noch komplizierter, deutet er an. Damit die Sämlinge keimen, muss er jeden Einzelnen mit der Feile anspitzen, später zudem mit dem Pinsel „Hummel spielen“, denn bei der Bestäubung darf nichts dem Zufall überlassen werden.

Prüfend schaut er mehrfach am Tag ins seine „Babybecken“ mit den Mini-Nachzuchten und wartet darauf, dass die winzigen Blüten aufgehen. „Bei einer Neuzucht weißt Du ja nie, was dabei rauskommt.

Aber was nicht schön ist, fliegt raus“, meint der Züchter entschlossen. In Wasser und Erde zu wühlen sei für ihn die pure Entspannung, sagt der Wochenend-Brandenburger.

Inzwischen könnte er sogar von seinen Pflanzen leben. Er verkauft auch ins europäische Ausland, belieferte schon das Bundeskanzleramt, sorgte für die stilvolle Dekoration bei Filmaufnahmen, der Berlinale oder Modenschauen. Allein in der Mark würde Zilinski-Meyer mit seinem „Nischenprodukt“ wohl auf keinen grünen Zweig kommen, sagt Klaus Henschel, Präsident des Brandenburger Gartenbauverbandes. „Hier fehlt den meisten Leuten schlichtweg der Platz und das Geld für einen Gartenteich.“ Ohnehin verzeichnet der Verband seit Jahren leicht sinkende Ausgaben der Brandenburger für Blumen und Pflanzen.

Seerosen seien etwas für Liebhaber, sagt der Garten-Architekt Uwe Steinkamp aus Ihlow (Märkisch-Oderland). „Wenn man sie im Topf in den Teich setzt, brauchen sie gar nicht mal so viel Platz. Das geht auch im kleinen Garten.“  

zur Startseite

von
erstellt am 02.Jul.2016 | 05:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen