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Mausoleum geöffnet : Blick in die Familiengruft

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Sanierung des Grabmals der Fabrikantenfamilie in Fredersdorf aus dem 19. Jahrhundert geht voran.

svz.de von
erstellt am 28.Okt.2016 | 05:00 Uhr

In dieser Woche wurde im Zuge der Sanierungsarbeiten am denkmalgeschützten Grabmal auf dem evangelischen Friedhof in Fredersdorf das Mausoleum geöffnet. Die Fachleute waren höchst erstaunt über den guten Zustand der vier Särge und mehrerer Urnen in der letzten Ruhestätte der Fabrikantenfamilie Bohm.

Carl Bohm kam mit seiner Familie 1836 als Müller nach Fredersdorf und starb nach mehr als 40 Jahren im Ort als wohlhabender Fabrikant. Carls Sohn, Otto Bohm, hatte zudem viele Jahre als Amtsvorsteher gewirkt. Die Familie gründete im Dorf das wichtigste Unternehmen und erlangte so ortsgeschichtliche Bedeutung. In der teilweise heute noch erhaltenen Maschinenbaufabrik C. G. Bohm wurde das moderne Verfahren zum Schleifen von Marmor entwickelt. Maschinen aus der Fabrik wurden auch im Rüdersdorfer Bergbau eingesetzt. Die hier „erfundene“ Poliertechnik wurde ebenfalls an der Siegessäule in Berlin angewendet. Diese Technik findet sich so auch an den blitzblank geschliffenen Säulen des heute unter Denkmalschutz stehenden Grabmales. Es sei ein besonders „qualitätsvolles Zeugnis einer Grabanlage des späten 19. Jahrhunderts und auf dem ansonsten schlichten Friedhof zugleich ein Blickpunkt von städtebaulicher Dominanz“, heißt es im Gutachten der Denkmalbehörde.

Fabrikbegründer Carl Gottlob Bohm, der, so liest man in der Familienchronik, „am 7. Juni 1883 im Alter von 72 Jahren, acht Monaten und sechs Tagen, frühmorgens um 5 Uhr verstarb“, ruht hier neben seiner Ehefrau Wilhelmine und weiteren Verwandten. Für ihn hatten seine Söhne Paul und Otto Bohm das Bohm-Mausoleum auf dem Friedhof in Fredersdorf-Süd in den 1880er-Jahren in Auftrag gegeben. Inzwischen war es von den Fredersdorfern fast vergessen und womöglich verfallen, wenn sich nicht Klaus Häcker seiner angenommen hätte.

Seit zwölf Jahren ist der Gemeindevertreter und aus Handball- sowie Radsportkreisen bekannte Klaus Häcker der „Schutzpatron“ des Grabmales. Er ist viele Jahre lang unermüdlich alle bürokratischen Wege abgeschritten, hat Fördermittel-Hürden mit Bravour genommen und demokratische Mehrheiten gewonnen. Damit hat er erreicht, dass sich an den Sanierungskosten die Kirche, der das Denkmal gehört, und die Gemeinde mit je 12 500 Euro beteiligen. Aus Fördertöpfen des Kreises kamen weitere 10 000 Euro hinzu.

Nun ist Eile geboten, denn bis Ende des Jahres müssten die Fördermittel ausgegeben werden, sagt Häcker und ist zu fast jeder Bauberatung auf dem Friedhof anzutreffen. „Das ist zu schaffen“, entgegnet Marek Fiedorowicz. Seine Firma hat viel Erfahrung mit solchen Vorhaben. Nachdem es etwas schleppend begann, ist nun schon einiges zu sehen. Die Säulen erstrahlen bereits in neuem Glanz, die Fugen werden abgedichtet und in dieser Woche gab es auch den ersten Blick seit Jahrzehnten in die Gruft. „Ich bin überrascht, wie gut die Särge erhalten sind“, sagt Fiedorowicz. Und man ist überrascht, das es vier sind. Die Überlieferungen sprachen immer von zweien und acht Urnen. Davon zählt man nun vier. Alle hatten zudem mit wesentlich größeren Feuchtigkeitsschäden gerechnet. Die Särge aus sogenanntem Puttenstahl mit den aufgesetzten Gusselementen haben die über 100 Jahre gut überstanden. Nun werden die Stahlträger der Gruft entrostet, und Maß für die neue Tür genommen.

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