Großbaustelle A10 : Blechlawine neben Spargelfeldern

Nichts geht mehr: Wegen der Bauarbeiten auf dem südlichen Berliner Ring suchen viele Autofahrer Umfahrungsmöglichkeiten über Land – unter anderem durch Beelitz.
Nichts geht mehr: Wegen der Bauarbeiten auf dem südlichen Berliner Ring suchen viele Autofahrer Umfahrungsmöglichkeiten über Land – unter anderem durch Beelitz.

Gemeinden südlich des Berliner Rings beklagen das Verkehrschaos. Umleitungen führen durch zum Beispiel durch das beschauliche Beelitz.

svz.de von
20. April 2017, 05:00 Uhr

Seit knapp einem Jahr wird ein Nadelöhr auf dem südlichen Berliner Ring umgebaut, vor allem nach Unfällen kommt es zu langen Staus. Viele Lkw weichen auf Landstraßen aus und sorgen dort für ein Verkehrschaos. Bürgermeister der Umlandgemeinden schlagen Alarm.

Pünktlich zum Start in die Spargelsaison wälzt sich eine Blechlawine durch das beschauliche Beelitz (Potsdam-Mittelmark), das vor allem durch das Edelgemüse bekannt ist. Doch in den Fahrzeugen sitzen zumeist keine Ausflügler, sondern Lastwagenfahrer, die von der A 9 kommend eine acht Kilometer lange Großbaustelle auf der A 10 umfahren wollen. In der Stadt sprechen sie von unzumutbaren Zuständen.

„Es vergeht mittlerweile kaum eine Woche, in der unsere Stadt nicht mindestens für einen Tag komplett dicht ist“, sagt Bürgermeister Bernhard Knuth (parteilos). Die Verkehrslage in Beelitz habe sich dramatisch zugespitzt. Viele Bürger in den Ortsteilen hätten ihm berichtet, auch für kurze Fahrten mehr als eine Stunde im Stau zu stehen. Zudem sei es für Fußgänger gefährlich, die Straße zu überqueren. Diese Situation trifft nach seinen Erfahrungen immer dann ein, wenn Navigationsgeräte auf der A 10 zwischen den Autobahndreiecken Potsdam und Nuthetal größere Behinderungen anzeigen und der Verkehr über die B 246 umgeleitet wird.

Die Stadt hat mehrfach beim Bauträger, der bundeseigenen Deges, sowie beim Landesverkehrsministerium interveniert. Zudem forderten Bürgermeister bereits vor Monaten in einem offenen Brief an die Verantwortlichen weiträumigere Umleitungsstrecken, elektronische Hinweistafeln und mehr Polizeipräsenz in den belasteten Orten, damit zumindest wichtige Kreuzungen freigehalten werden.

Betroffen seien nicht nur Anwohner, sondern auch Grundschulen direkt an der Umleitungsstrecke, berichtet Knuth. „Bei einem Vor-Ort-Termin haben wir uns erschrocken, wie gefährlich der Schulweg geworden ist.“ Der Rathauschef sieht auch die Landesbehörden in der Pflicht, um das Verkehrs-chaos abzumildern. Es müsse eine „Eingreiftruppe“ aus Polizei und Landesstraßenbetrieb geschaffen werden.

Auch in Trebbin (Teltow-Fläming) will man die Belastungen nicht länger hinnehmen. „Am vergangenen Montag rollte wieder ein nicht versiegender Strom von Lkw durch den Ort“, sagt Beate Rantzsch, Sprecherin der Stadtverwaltung. Grund war ein Unfall im Baustellenbereich auf dem Berliner Ring. Zwar sei die Umleitung schon einmal auf die nördliche Seite des Berliner Rings verlegt worden, dies habe jedoch keine Wirkung gezeigt. „Die meisten nehmen aus Gewohnheit die Ausweichroute durch unseren Ort“, meint sie. Gleichzeitig hat die Stadt erste Schäden dokumentiert, etwa in Kreisverkehren. Vermutlich seien diese zu eng für Sattelschlepper.

Nördlich des betroffenen Autobahnabschnitts, der für 150 Millionen Euro bis 2020 auf acht Spuren verbreitert wird, geben die Gemeinden jedoch Entwarnung. „Die Lage hat sich für uns entspannt, da durch verschiedene Maßnahmen der Verkehrsfluss auf der A 10 erhöht wurde“, sagt Ute Hustig (Linke), Bürgermeisterin von Nuthetal. Es gebe nur noch „punktuelle Belastungen“. In Schwielowsee (Potsdam-Mittelmark) spricht man ebenso von einer Entlastung. „Innerhalb der Woche herrscht hier Normalzustand, nur an manchen Wochenenden ist es katastrophal“, sagt Bürgermeisterin Kerstin Hoppe (CDU).

Die Deges bestätigt, dass es in den vergangenen zwei Wochen verstärkt zu Verkehrseinschränkungen auf dem Berliner Ring gekommen war. So wurden einzelne Fahrstreifen für Markierungsarbeiten gesperrt und der Verkehr komplett auf die südliche Seite der Autobahntrasse gelegt – um Baufreiheit zu schaffen. „Wir legen aber diese Sperrungen in verkehrsarme Zeiten“, sagt Sprecher Michael Zarth. Zudem hätten sich elektronische Stauwarntafeln bewährt. Auf diesen werde darauf hingewiesen, dass die Nebenstrecken überlastet seien und Autofahrer besser auf der A 10 bleiben sollten.

Das Landesverkehrsministerium erkennt ebenfalls Verbesserungen. „Die Baustellenorganisation auf der A 10 ist eine Herausforderung, auch wegen des beschränkten Platzes“, sagt Sprecher Steffen Streu.

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