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Einheitliche Kleidung in Grundschule : Blau und Rot zum Unterricht

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Potsdamer Grundschule schwört seit elf Jahren auf einheitliche Kleidung / Nachahmer sind nicht in Sicht

svz.de von
erstellt am 17.Jun.2017 | 05:00 Uhr

Seit 2006 tragen die Schüler der Potsdamer Max-Dortu-Grundschule eine Schulkleidung. Mit großem Erfolg, wie Lehrer und Eltern finden. Nachahmer fand das aber bisher bei keiner anderen öffentlichen Schule in Brandenburg.

„Es macht Arbeit, richtig viel Arbeit“, sagt Gudrun Wurzler, die Leiterin der Max-Dortu-Schule. Gemeint ist damit die Einführung einer Schuluniform. Wobei der Begriff Schuluniform als erstes wegfiel und durch Schulkleidung ersetzt wurde. Der Wunsch dazu kam von den Eltern. An der musik- und kunstbetonten Grundschule gab es schon immer einheitliche Sportkleidung und so wurde die Idee geboren, dies auszuweiten.

Am Anfang wollten einige Eltern noch rechtlich klären lassen, ob die Individualität ihrer Kinder eingeschränkt werden könnte. Zu einer Klage ist es aber nicht gekommen. Nachdem die Grundsatzfrage geklärt war, wurden Designer angeschrieben. Ausgerechnet der bekannteste einheimische, Wolfgang Joop, antwortete nicht. Schließlich entschied man sich für rote oder blaue Jacken und Sweatshirts sowie T-Shirts, wobei es letztere auch in gelb gibt. Alle tragen das Logo der Schule: einen Notenschlüssel, der in einen Pinsel ausläuft, sowie einen Fußball. Zur Einführung gab es Fördermittel vom Land und für 29,90 Euro konnte man eine Jacke, ein T-Shirt, ein Sweatshirt und die Sportbekleidung kaufen.

Inzwischen wird die Kleidung bei einem Ausrüster für Schulkleidung im Internet bestellt und es stehen wesentlich mehr Kleidungsstücke zur Verfügung. Für Chorauftritte oder die Zeugnisausgabe gibt es beispielsweise weiße Hemden oder Blusen, aber nur auf freiwilliger Basis. Sollte sich eine Familie dies nicht leisten können, helfen der Schulförderverein, der Schulsozialfonds und Kleiderspenden der Schüler, die die Grundschule nach sechs Jahren verlassen.

„Ich wollte, dass meine Kinder nach ihren schulischen Ergebnissen beurteilt werden und nicht nach dem Wert der Kleidung“, sagt Nicolle Dathe, die Vorsitzende der Elternvertretung. Sie wählte die Dortu-Schule für ihre drei Kinder, obwohl sie weiter weg vom Wohnort liegt. Und dann schwärmt sie vom Zusammenhalt und vom Klima in den Schulklassen.

Nach einer Übergangsfrist ist heute das Tragen von Schulkleidung eine Voraussetzung, um in diese Grundschule aufgenommen zu werden. Natürlich, so die Schulleiterin, kommt es vor, dass ein Kind mal etwas anderes trägt. Wenn es über einen längeren Zeitraum erfolgt, würde Kontakt zu den Eltern aufgenommen. Aber dazu käme es kaum.

Gudrun Wurzler findet, dass sich die Schulkleidung positiv auswirkt. Sie glaubt zu spüren, dass ihre Schüler sich auch auf dem Schulweg anders verhalten, weil sie als Teil einer stadtweit bekannten Bildungseinrichtung gleich am Logo erkannt werden. „Wenn ich was zu sagen hätte, würde ich Schulkleidung flächendeckend einführen“, sagt die Schulleiterin. Wohl wissend, dass es ab Klasse sieben schwerer wird, sich gegen den Trend zu Markenkleidung zu behaupten. Mehrere andere Grundschulen haben sich schon in Potsdam nach den Erfahrungen erkundigt. Bis jetzt schrecken jedoch alle vor der Umstellung und der damit verbundenen Arbeit zurück, sagt Gudrun Wurzler.

Auch Bildungsminister Günter Baaske (SPD) sieht keine Chance, so etwas hierzulande durchzusetzen. „Den Wettbewerb um teure Klamotten können wir leider nicht verhindern“, sagt er. Es sei aber schon gut, wenn Schulträger einheitliche
T-Shirts oder Basecaps organisieren, weil dies das Zusammenhörigkeitsgefühl und den Stolz auf die Schule stärken kann, so Baaske.

 

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