Gesundheitsministerium Potsdam : Bislang keine weiteren Fälle

dpa_5fa0c800c5a17f3e

Nach erster bestätigter Coronavirus-Infektion sind Menschen in Brandenburg verunsichert.

von
04. März 2020, 22:00 Uhr

Kontaktpersonen ermitteln, Bevölkerung informieren: Brandenburgs Gesundheitsbehörden versuchen, die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus im Land zu verhindern. Der ersten nachgewiesenen Infektion sind bis gestern Abend zunächst keine weiteren positiven Testergebnisse gefolgt. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Potsdam gab es bislang 61 Verdachtsfälle, bei neun standen die Ergebnisse noch aus.

Der Erreger Sars-CoV-2 war am Montag bei einem 51-jährigen Mann aus Hohen Neuendorf (Landkreis Oberhavel) festgestellt worden. Mit seiner Frau sowie einem befreundeten Ehepaar aus Berlin war der Mann am Freitag aus Südtirol vom Skiurlaub zurückgekehrt. Am Sonntag zeigten sich bei ihm die ersten Symptome wie Fieber und Husten. Der infizierte Mann wurde ebenso wie seine Ehefrau zu Hause isoliert. Von den sechs Pflegekräften, mit denen der Infizierte in zwei Kliniken unmittelbaren Kontakt gehabt habe, befanden sich gestern nur noch drei in Isolation. Für die übrigen drei wurde die Isolation aufgehoben. Alle Kontaktpersonen seien ermittelt und die notwendigen Maßnahmen ergriffen worden, sagte eine Sprecherin des Landkreises.

Die Oberhavel Kliniken appellierten „bezüglich der Ausbreitung des Coronavirus und der vermutlich hohen Dunkelziffer an unbemerkt Infizierten“ an Angehörige von Patienten, Besuche am Krankenbett auf ein Minimum zu beschränken oder besser ganz darauf zu verzichten, um nicht neue Erreger hereinzutragen.

Die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg (KVBB) betonte, dass in brandenburgischen Arztpraxen wegen des Coronavirus nicht genügend Schutzausrüstung vorrätig sei. „Bemühungen, diese zu ordern, scheinen erfolglos“, teilte KVBB-Sprecher Christian Wehry mit. Auch Desinfektionsmittel und Abstrichtupfer seien derzeit nicht lieferbar.

Der Landkreis Oberhavel hatte eine Hotline eingerichtet, bei der am Dienstag mit rund 120 Anrufen reger Andrang herrschte. Gestern habe es schon weniger Nachfragen gegeben, sagte eine Sprecherin in Oranienburg. Am selben Tag habe es eine Gesprächsrunde mit den Bürgermeistern und Amtsdirektoren des Kreises gegeben, um diese zu informieren. Auch andere Landkreise und Städte in Brandenburg bemühen sich, die Menschen etwa über Infotelefone oder Hinweise auf ihren Internetseiten zu informieren.

Das Cottbuser Gesundheitsamt wies darauf hin, dass Menschen mit einschlägigen Grippe-Symptomen sowie Fieber weder eine Arztpraxis noch die Notaufnahme des Klinikums aufsuchen sollten. „Hintergrund sind jetzt aufgetauchte Aushänge an einzelnen Arztpraxen, mit denen die Patienten aufgefordert werden, die Praxis nicht zu betreten, sondern sich in die Notaufnahme zu begeben“, hieß es in einer Mitteilung. „Richtigerweise sollten Patienten mit den Symptomen sich zunächst telefonisch bei ihrem Hausarzt melden und erst einmal zu Hause bleiben.“ Der Handelsverband Berlin-Brandenburg warnte vor möglichen Lieferschwierigkeiten in der Region. Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes, Günter Päts, berichtete dem rbb-Inforadio von Umsatzsteigerungen von bis zu 40 Prozent. Besonders nachgefragt seien Konserven, haltbare Lebensmittel und Drogeriebedarf. Einen Engpass bei Produkten gebe es deshalb aber nicht – jedoch in der Logistik „stoßen wir teilweise an unsere Grenzen“.

Als „absolut empörend“ bezeichnete es Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) im rbb Fernsehen, dass in Kliniken eingebrochen werde, um Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel zu stehlen. „Wir brauchen die Desinfektionssachen in den Krankenhäusern, um auch das Personal zu schützen, was dann wirklich Risiken ausgesetzt ist“, sagte sie. „Wenn man in Brandenburg in einer Kleinstadt über die Straße geht, braucht man sicher keine Atemschutzmaske.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen