Berliner Händler wollten mehr märkische Agrarprodukte : Bio und regional sind angesagt

Ein Mitarbeiter der Biomanufaktur schiebt ein Wurstregal in einen Reiferaum.
Ein Mitarbeiter der Biomanufaktur schiebt ein Wurstregal in einen Reiferaum.

Keine Massentierhaltung und kein Gen-Futter: Die Nachfrage nach Bio-Fleisch und -Wurst steigt in der Hauptstadtregion

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20. März 2018, 05:00 Uhr

Salami, Kotelett, Filet: Biologische und in der Region Berlin-Brandenburg hergestellte Fleisch- und Wurstprodukte sind gefragt. Die Hersteller kommen nach eigenen Angaben kaum nach. „Die Waren werden uns fast aus den Händen gerissen, ohne dass wir bislang viel Werbung geschaltet haben“, sagt Thomas Schubert, Geschäftsführer der Biomanufaktur Havelland in Velten (Oberhavel). Als einer der größten Produzenten von Bio-Wurst und -Fleischwaren in Berlin und Brandenburg beliefert sie vor allem die Region. 1,5 bis zwei Tonnen Wurst und Fleisch werden pro Tag ausgeliefert, sagt Schubert. 2013 sei das Unternehmen - hervorgegangen aus einem insolventen Biobetrieb - mit elf Mitarbeitern gestartet, mittlerweile seien es 35.

Im ersten Jahr wurden pro Woche 30 Havelschweine verarbeitet, heute sind es 100. Von den Uckermärker Rindern, die wie die Schweine im Freiland leben, gehen 25 Tiere pro Woche nach Velten. „Jedes Jahr haben wir eine Steigerung um etwa zehn Prozent“, sagt Schubert. Binnen Jahresfrist erhöhte sich der Umsatz auf 10,2 Millionen Euro (2017) von rund 8,7 Millionen 2016.

Jedes Fleischstück, das in die Manufaktur kommt, wird im Computer erfasst und kann bis zum Landwirt zurückverfolgt werden. Auch die Rezepturen für die Wurstsorten sind im Computer zu finden. 300 Produkte sind im Angebot: Bratwürste mit Rosmarin, mit Bacon oder gestoßenem Pfeffer, verschiedene Sorten Leberwurst, über Buchenspänen geräucherte Schinken, Teewürste oder zwei Wochen lang gereifte Snacksalami.

Der Umsatz der Biobranche in Berlin-Brandenburg lag im Vorjahr bei rund 500 Millionen Euro - sechs Prozent mehr als 2016. Die Tendenz sei steigend, sagt Michael Wimmer, Geschäftsführer der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau, die Betriebe in beiden Ländern vertritt. Knapp 120 Bio-Supermärkte gebe es dort, in diesem Jahr seien weitere zehn geplant.

Stetig steigende Umsätze bei Bio-Wurst und -Fleisch verzeichneten die Edeka-Supermärkte in den vergangenen Jahren. Ständig werde daran gearbeitet, die Sortimente mit regionalen Artikeln auszubauen, sagt Marcus Reh, Abteilungsleiter Regionaleinkauf für Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt der Edeka Handelsgesellschaft. „Für uns ist es besonders wichtig, mit Lieferanten aus der Region langfristig und vertrauensvoll zusammenzuarbeiten. Nur dann ist es möglich, nachhaltige Konzepte zu entwickeln und erfolgreich regionale Ware in unseren Märkten zu handeln.“

Auch in den etwa 100 Berliner Fleischereien steige die Nachfrage, sagt Martin Stock, der Geschäftsführer der Fleischer-Innung Berlin-Brandenburg. Handwerklich produzierende Betriebe hätten aber zunehmend Probleme, ausreichend Tiere - bio oder konventionell - aus Brandenburg zu bekommen. „Wir brauchen eine nachhaltige Lieferkette“, sagt er. Zudem sei es immer wichtiger, die Landwirte genau zu kennen, um Fragen der Kunden beantworten zu können.

Im Durchschnitt verspeist der Berliner im Jahr rund 1000 Kilogramm Lebensmittel von Ei, über Brot bis zu Fleisch und Fisch, hat der Stadtplaner und Agrarwissenschaftler Ingo Zasada vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Müncheberg durch Auswertung von Statistiken ermittelt. Kann sich die Hauptstadt auch künftig trotz Bevölkerungszuwachs regional und möglicherweise bio ernähren? „Ja“, sagt er.

Bio-Selbstversorgung wäre zumindest für die Berliner möglich. Wenn durch den Handel und Haushalte keine Lebensmittel verschwendet würden, könnten auch die Brandenburger versorgt werden. Rund um Berlin gibt es nach seinen Analysen 14 600 Quadratkilometer Acker- und Grünland. Die Hauptstadt benötige davon nur etwa die Hälfte, sagt Zasada.

Mit Investitionen von zwei Millionen Euro will sich die Biomanufaktur Havelland in den nächsten zwei Jahren auf die Zukunft vorbereiten. So werden die Hallen auf dem 3000 Quadratmeter großen Gelände umgebaut und modernisiert. Von der Anlieferung des Fleisches über die Produktionsabteilungen mit eigener Räucherei bis zur Kommissionierung und Auslieferung werde alles effektiver gestaltet, sagt Geschäftsführer Schubert. „Damit können wir den Umsatz erneut verdoppeln.“ Schubert hat ein weiteres Ziel: „Erstmals haben wir einen Außendienstmitarbeiter eingestellt, der zielgerichtet Hotels und Gaststätten anspricht.“ Dort könnten noch mehr Abnehmer gewonnen werden.

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