Wirtschaft Brandenburg : Bio-Suppenküche als Start-up

Der Mitarbeiter Konstantin Klein vom Unternehmen „Wünsch Dir Mahl“ WDM Bio-Fertigprodukte GmbH aus Müncheberg steht in der Küche und rührt Chili.
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Der Mitarbeiter Konstantin Klein vom Unternehmen „Wünsch Dir Mahl“ WDM Bio-Fertigprodukte GmbH aus Müncheberg steht in der Küche und rührt Chili.

Einst wollten zwei Schulfreunde aus Berlin in Brandenburg Gemüse anbauen. Inzwischen liegen sie mit ihrer Firma in Müncheberg voll im Bio-Trend und beschäftigen zehn Mitarbeiter.

svz.de von
27. August 2016, 04:45 Uhr

André Riediger kann es nicht leugnen: Geht er unterwegs ins Restaurant oder Bistro, so bestellt er am liebsten Suppen. „Da lassen wir keine Gelegenheit aus. Suppen sind unser Geschäft, Inspiration holen wir uns überall“, berichtet der 35-Jährige über sich und seinen Geschäftspartner Moritz Timm. Gemeinsam haben die beiden Berliner Schulfreunde vor sieben Jahren ihre Firma „Wünsch Dir Mahl“ gegründet, in der sie acht unterschiedliche vegane Bio-Suppen herstellen. Von der Küche einer ehemaligen Kneipe in Müncheberg (Märkisch-Oderland) aus setzten sie zuerst auf den Naturkost-Markt in ganz Deutschland. Nun sind ihre veganen Suppen auch in den ersten regulären Supermarktketten zu bekommen. Damit sind die Gründer Teil des Bio-Trends. Insgesamt gibt es in Brandenburg nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums aktuell 787 Betriebe, die Bio-Produkte erzeugen oder verarbeiten.

Zehn Angestellte hat das Suppen-Duo inzwischen – und rund eine Million Euro investiert. „Unser Ansatz war, aus gesunden Zutaten schmackhaftes Essen zu kreieren, das wie hausgemacht schmeckt und von dem man auch satt werden kann“, sagt Moritz Timm. Er ist der kreative Kopf des Duos, das an der Eberswalder Hochschule für Nachhaltige Entwicklung (HNE) studiert hat.

Der Erfolg der beiden Gründer sei beispielgebend für die Bio-Branche, sagt Ulrike Spletzer von der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau. „Es zeigt aber auch, was für Perspektiven Absolventen der HNE haben.“ Mit einem Start-up-Unternehmen erfolgreich zu sein, dafür gebe es im Land Brandenburg noch weitere Beispiele, ergänzt sie und führt unter anderen den Bioland-zertifizierten Bauernhof Erz in Alt Tucheband (Märkisch-Oderland) an.

Noch während des Studiums hatten Timm und Riediger davon geträumt, Bio-Gemüse anzubauen. Doch als Absolventen ohne viel Geld fanden sie einfach kein erschwingliches Land in der Mark. „Gott sei Dank“, sagt Riediger heute schmunzelnd.

Noch genau kann sich der 35-Jährige erinnern, wie er und Timm im Jahr 2009 Nacht für Nacht in der Küche des Demeter-Hofes „Apfeltraum“ im Müncheberger Ortsteil Eggersdorf standen und im Akkord Gemüse schnippelten. „Das war unsere neue Idee – die Gemüseverarbeitung, statt des eigenen Anbaus.“ Vom letzten Ersparten kauften sich die beiden Existenzgründer einen Einkochautomaten. Denn beide waren sich einig: Ihre in Gläser gefüllten Suppen sollten ohne Konservierungsstoffe auskommen.

„Wir konnten damals immer erst nachmittags in die Küche, haben dann bis spät gekocht und Rezepturen ausprobiert, morgens dann direkt an Kunden ausgeliefert“, erzählt er von den Anfängen. Heute verlassen 3500 Suppengläser pro Tag die Müncheberger Firmen-Küche. Die beiden Edelstahl-Kochkessel fassen zusammen 600 Liter. Es gibt Maschinen für das Pürieren, Abfüllen, Deckelaufschrauben und Etikettieren.

„Das ist schon eine unheimliche Erleichterung. Noch vor Jahren war alles Handarbeit, auch das Befüllen der Gläser mit der Kelle und das Beschriften“, erinnert sich Köchin Carmen Krinke, eine der ersten Mitarbeiterinnen. Die zunehmende Automatisierung wurde auch deshalb notwendig, weil Riediger und Timm die Produktpaletten stetig erweiterten. So gibt es inzwischen 380 Gramm-Suppengläser für Singles. Und ganz neu dazu gekommen sind Trinksuppen. „Die kannst Du direkt aus der Flasche trinken – als Mischung zwischen Suppe und Smoothie“, sagt Geschäftsführer Riediger.

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