Wenn die Bücher zu den Lesern kommen : Bibliotheksbus kommt ins Dorf

Edgar Bunde vom Kreisarchiv Oder-Spree steht am roten Lkw der Fahrbibliothek.
Edgar Bunde vom Kreisarchiv Oder-Spree steht am roten Lkw der Fahrbibliothek.

Sie sind Bildungspartner für Kitas und Schulen, Kulturangebot und Treffpunkt für Erwachsene – die fünf Fahrbibliotheken in Brandenburg

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31. Januar 2018, 05:00 Uhr

Der rote Bus mit der Aufschrift „Fahrbibliothek Oder-Spree“ ist nicht zu übersehen. Doch als er mittags im Örtchen Kagel Station macht, warten keine Leser. „Hier sind wir erstmals, haben seit dem Jahreswechsel einen neuen Fahrplan“, sagt Edgar Bunde, der die rollende Bücherei seit der Jahrtausendwende betreut. Der Sachbearbeiter des Kreisarchivs Oder-Spree ist überzeugt davon, dass sich das neue Angebot im Dorf erst herumsprechen muss.

Das sieht auch Marina Aurich so, Leiterin des Archivs, Lese- und Medienzentrums Oder-Spree. 2017 war die Einrichtung vom Sitz der Kreisverwaltung in Beeskow nach Fürstenwalde in die Halle einer früheren Solarfirma umgezogen. „Wir haben uns neu sortiert, fahren im 14-tägigen Rhythmus Montag bis Donnerstag 55 Orte an. Wo wir kaum Nutzer haben, machen wir nicht mehr Station.“ Der 20-Minuten-Halt in Kagel sei ein Wunsch der Bürger gewesen, erzählt Aurich. Doch nur Kindergärtnerin Sarah Meinke schaut mit einem halben Dutzend Vorschulkindern vorbei. „Das ist ein tolles Angebot“, freut sich die junge Frau, während ihre Schützlinge eifrig in Kinderbüchern blättern.

Bei Stopps an Schulen steht der Bus mitten auf dem Hof, in den Dörfern an zentralen Stellen. „Ob jung oder alt - wir haben dankbare Leser, aber kaum noch Bibliotheken in den Orten“, so Edgar Bunde. Wer nicht mit dem Auto zu einer der sieben Stadtbüchereien im Landkreis Oder-Spree fahre, nutze für drei Euro Jahresgebühr die rollende Bibliothek. Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr kostet das nichts. Neben Büchern sind Zeitschriften, CDs, Hörbücher und DVDs im Angebot.

Aurich zufolge hat der Bus rund 1200 Nutzer. Dass wegen der neuen Medien kaum noch gelesen werde, kann sie ebenso wenig wie Bunde bestätigen. „Die Leserzahlen sind konstant, die Leute greifen am häufigsten zum Buch“, beobachten beide - so wie Monika Schmädicke in Kienbaum. „Ich habe es mit einem Hörbuch versucht. Da musst du dich genauso konzentrieren, als wenn du selbst liest“, berichtet sie.

Daneben Hausarbeit erledigen funktioniere nicht, winkt die 75-Jährige ab. Mit anderen Senioren hat sie auf die Fahrbibliothek gewartet, um sich durch den Bestand zu wühlen. „In Kienbaum haben wir seit Jahren viele Stammleser“, sagt Bunde. Sie habe hier schon fast alles gelesen, erzählt Hildegard Seidel, die einen Stapel Bücher zurückgibt und für die nächsten 14 Tage fündig wird. Die Fahrbibliothek ist laut Archivleiterin Aurich immer auf dem neuesten Stand. „Diese zwei Krimis dürften Sie noch nicht kennen, die sind gerade erschienen“, sagt Bunde und zeigt Seidel zwei dicke Schmöker. Nachbarin Schmädicke hat mehrere Bücher zur Ausleihe bestellt.Auch das gehört zum rollenden Service: Die beiden Frauen halten noch rasch einen Schwatz im warmen Bus. „Die Fahrbibliothek ist auch ein Treffpunkt, seit es in vielen Dörfern nicht einmal mehr einen Konsum gibt“, stellt die Leiterin des Kreis-Medienzentrums fest. Auch deshalb hat sich die Kreisverwaltung Oder-Spree entschlossen, Ende 2017 einen modernen Bus in Betrieb zu nehmen, wie Kreissprecher Mario Behnke bestätigt. Rund 500 000 Euro wird die Anschaffung inklusive Ausstattung laut Aurich kosten.

„Wir überlegen, die neue Fahrbibliothek auch als Infomobil der Kreisverwaltung zu nutzen, so dass Bürger ihren Angelschein hier beantragen oder Wohngeldformulare mitnehmen können“, so Behnke. Fahrbibliotheken seien stationären Einrichtungen gleichwertig, ergänzt Lutz Sanne von der Brandenburger Landesfachstelle Archive und öffentliche Bibliotheken. „Der Vorteil ist, das Angebot zur Mediennutzung kommt direkt zu den Menschen.“

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