Plage im Oderbruch : Bibern droht Abschuss

Bauern fordern Zonen mit geringerem Schutzstatus für die Tiere

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25. November 2015, 12:26 Uhr

Um der Biberplage in Teilen des Oderbruchs Herr zu werden, drängen Bauern vor Ort auf raschere Maßnahmen. Wenn ein Biber sich an einem Bach ansiedelt, geht es meist sehr schnell. Hier ein Baum angeknabbert und gefällt, dort ein Damm gebaut. In kürzester Zeit stehen mehrere Hektar unter Wasser. Dafür reichen zwei Wochen.

„Wenn Schäden entstehen, wollen wir schnell handeln können“, sagt Henrik Wendorff, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Märkisch-Oderland. Die Tiere richten nicht nur durch den Bau ihrer Burgen Schäden an, sondern knabbern Obstbäume an, höhlen Dämme aus und verstopfen Rohrleitungen.

Das Problem ist bisher, dass es Monate dauern kann, bis ein Biber in seinem Wirken gestoppt wird. Denn laut Biberverordnung des Landes muss vor dem Vertreiben – dem Fangen oder dem Abschuss der geschützten Tiere ein Antrag gestellt werden, dem Naturschutzbehörden und Naturschutzverbände zustimmen müssen. „Bis dahin kann der Biber schon längst weitergezogen sein. Dann muss man für die neue Stelle wieder einen Antrag stellen“, erklärt Wendorff.

Er will in den nächsten Wochen zu einer einvernehmlichen Regelung kommen. „Die Zeit drängt“, erklärt Wendorff. Das Zeitfenster, um gegen Biber vorzugehen, ist nur von Anfang September bis Mitte März offen. Im Frühling und Sommer sind Maßnahmen nur in absoluten Ausnahmefällen erlaubt, weil dann die Jungtiere aufgezogen werden.

Klare Regelungen gibt es bislang nur an Hochwasserschutzanlagen, wie Dämmen und Deichen, an Böschungen von Straßen und Schienen sowie an Kläranlagen und Fischteichen. Dort kann dem Biber problemlos der Kampf angesagt werden, bis hin zum Abschuss.

Auch Be- und Entwässerungsgräben mit diesem Status können von den Behörden ausgewiesen werden. Im Oderbruch ist das bisher aber nicht geschehen. Dabei sind die Landwirte dort auf deren problemloses Funktionieren angewiesen. „Wenn ein Biber die Zuleitung zu einem Schöpfwerk blockiert, das 1000 Hektar entwässert, kann es möglich sein, dass keine anderen Maßnahmen als der Abschuss eines Tieres übrig bleiben“, sagt der Kreisbauernpräsident.

Die Kreisverwaltung Märkisch-Oderland war im März vom Oberverwaltungsgericht zurückgepfiffen worden, nachdem sie im Oderbruch großflächige Ausnahmen vom Biberschutz angeordnet hatte. „Per Sammelverfügung für 1000 Gewässer pauschal den Schutz des Bibers aufgeben, das kann keine Behörde machen“, erklärt Friedhelm Schmitz-Jersch, Vorsitzender des seinerzeit klagenden Naturschutzbundes Brandenburg (Nabu).

Jedoch sind auch in seinem Verband die Rufe aus dem Oderbruch nach einer Flexibilisierung der Schutzregeln nicht ungehört verhallt. „Wenn das mit Augenmaß geschieht, wird der Nabu das mitmachen“, sagt Schmitz-Jersch zur geplanten Festlegung weiterer Gewässer. „In Fällen, wo das Vergrämen eines Tieres nicht möglich ist, kann auch das Fangen und Töten unausweichlich sein.“

Den Schutzstatus des Bibers bundesweit infrage zu stellen, wie Wendorff das im Falle eines Scheiterns der neuen Regelung anstrebt, hält die Kreisverwaltung für keine Option. Rainer Schinkel, Beigeordneter und Chef der Arbeitsgruppe, begründet: „Das würde ein jahrelanges Prozedere bedeuten.“ Er hofft in der Arbeitsgruppe auf einen raschen Durchbruch.“Erst vor drei Jahrzehnten wurden im Oderbruch 46 Tiere angesiedelt, die in der Region damals nicht mehr heimisch waren. Seitdem haben sich die von der Elbe stammenden Exemplare üppig vermehrt.

Schätzungen gehen davon aus, dass im Oderbruch 1500 bis 2000 Tiere leben. Das wäre mehr als die Hälfte aller in Brandenburg lebenden Tiere.  

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