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Prignitzer Denkmale gefährdet : Biber nagt im Gutspark Hoppenrade

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Landeskonservator schlägt Alarm. Gefahren drohen auch durch Kreisgebietsreform

von
erstellt am 03.Feb.2017 | 05:00 Uhr

Prignitzer Biber legen sich mit der Denkmalpflege an: In Hoppenrade verwüsten die unter Naturschutz stehenden Nager den Landschaftspark des früheren Gutes. Die 1830 vom späteren königlich-preußischen Gartenbaudirektor Eduard Neide geschaffene, bundesweit bedeutsame denkmalgeschützte Parkanlage ist aus Sicht des Landeskonservators in ihrem Bestand gefährdet. „Der Biber fällt ungenehmigt Bäume“, sagte Landeskonservator Thomas Drachenberg gestern beim Jahrespressegespräch des Landesamtes für Denkmalpflege.

Wie es im Jahresbericht heißt, sei der Hoppenrader Parkteich, „früher mit seinem künstlich angestauten Wasserspiegel ein wesentliches Gestaltungselement in der Parkkomposition“, heute eine „Schlammpfütze“, weil der Biber den Teich mit einem benachbarten Gewässer verbunden und damit abgeleitet habe. Wiesenflächen seien durch den Biberdamm dauerhaft überflutet oder würden vernässt und wucherten mit Schilf und Weidensträuchern zu.

„Die Entscheidung der vom Naturschutz durchgeführten Abwägung zwischen den sich widersprechenden Belangen des Artenschutzes für den Biber und der Erhaltung eines bedeutenden Kulturdenkmals fiel positiv für den Biber aus“, schreibt das Landesdenkmalamt.

Bislang sei der Park mit großem ehrenamtlichen Engagement vom Parkverein gepflegt worden. Aber „alle vorgeschlagenen Schutzmaßnahmen für den Bestand des Parks sind durch die nunmehr verständlicherweise frustrierten Mitglieder des Parkvereins nicht zu leisten und aus denkmalfachlicher Sicht unakzeptabel.“

Auch ein weiteres bedeutendes Denkmal in der Prignitz ist aus Sicht des Landeskonservators akut gefährdet. Die in Garsedow befindliche, von 1550 stammende älteste Scheune Brandenburgs droht einzustürzen. Damit drohe die Vernichtung eines von nur wenigen Gebäuden im ländlichen Raum Brandenburgs, die bereits vor dem dreißigjährigen Krieg errichtet worden seien.

Bemühungen um Fördermittel hätten bislang keinen Erfolg gehabt, heißt es im Jahresbericht der Denkmalpflege. „Die jüngsten Schäden, die sich seitdem eingestellt haben, werden auch durch das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege als so gravierend eingeschätzt, dass der Totalverlust droht, wenn nicht umgehend zumindest die notwendigen Sicherungsmaßnahmen vorgenommen werden.“

Drachenberg warnte vor den Folgen der Kreisgebietsreform. Die geplante Übertragung des Führens der Denkmalliste auf die Kreise würde einen enormen bürokratischen Mehraufwand zur Folge haben: Im Landesdenkmalamt müsste weitereine Gesamtliste geführt werden, damit Land und Kultusministerium den Überblick behielten. In jedem Landkreis müssten neue Stellen für etwas geschaffen werden, was bislang mit einer halben Stelle zentral im Amt erledigt werde.

Bedenklich sei auch, dass das Landesdenkmalamt seit 2000 rund ein Drittel seiner Stellen verloren habe. Von 122 Mitarbeitern sei die Belegschaft nun auf 73 geschrumpft. Positiv würdigte Drachenberg die Erhöhung der Denkmalhilfe des Landes auf rund eine Million Euro im aktuellen Doppelhaushalt. In den letzten Jahren habe man bedeutende Denkmale erhalten können: So seien die Gutskapelle in Darsikow, der Westgiebel der Klosterkirche in Mühlberg und die Kirche von Rogäsen in Potsdam-Mittelmark in den letzten Jahren saniert und vor dem Verfall gerettet worden.

 

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