Neuer Leiter : Betreuen statt kontrollieren

Häftlinge in Wulkow beklagten sich in der Vergangenheit über Mängel und über die Arbeit des Personals. Das soll sich jetzt unter dem neuen Leiter ändern.
Häftlinge in Wulkow beklagten sich in der Vergangenheit über Mängel und über die Arbeit des Personals. Das soll sich jetzt unter dem neuen Leiter ändern.

Die Justizvollzugsanstalt Wulkow schlägt bei Inhaftierten und Personal neue Wege ein.

svz.de von
06. Mai 2017, 05:00 Uhr

Zahlscheine bearbeiten, kleinste Gänge begleiten, kranke Insassen im Krankenhaus bewachen: Es gibt viele Tätigkeiten, die bisher das Personal der Justizvollzugsanstalt (JVA) Wulkow von seinem Kerngeschäft abhielten. Das will der neue Leiter Wolf-Dietrich Voigt grundlegend ändern.

Seit 1. Dezember vorigen Jahres ist der 61-Jährige nicht nur für die JVA Wriezen, sondern auch für Wulkow zuständig und hat in den vergangenen Monaten zahlreiche Änderungen auf den Weg gebracht. Ein besonderes Anliegen ist ihm die inhaltliche Neugestaltung des Vollzugs. Die Betreuung und die Begleitung der Gefangenen sollen zunehmend die sonst vorherrschende Reglementierung und Kontrolle ersetzen.

Paradigmenwechsel nennt das Thomas Kresse. Er selbst ist Teil der JVA-Neuausrichtung. Seit Jahren beim Landkreis beschäftigt, wechselte er zum März als Verantwortlicher für Personal- und Organisationsentwicklung nach Wulkow. Denn auch bei den Beschäftigten stellt sich die Anstalt neu auf. Aktuell ist etwa die Stelle eines Eingliederungsmanagers ausgeschrieben. Er soll den Übergang von der Haftstrafe in einen geordneten Alltag gestalten helfen. Aufgestockt werden soll auch bei den Sozialarbeitern sowie bei der Arbeitstherapie, von der Untersuchungshäftlinge nicht mehr ausgeschlossen sein sollen.

Begleitet werden diese Bemühungen von technischen Neuerungen. So wird nach der Premiere in Wriezen in Kürze auch in Wulkow ein Haftraum-Mediensystem installiert. Es soll Insassen Radio- und Fernsehempfang ermöglichen, ebenso das Telefonieren mit einer limitierten Zahl abgestimmter Nummern. Perspektivisch sollen Untersuchungs- und verurteilte Häftlinge auch Anträge aller Art elektronisch auf den Weg bringen können, was weniger Arbeitsaufwand bedeutet und zugleich den Verlust einzelner Unterlagen ausschließt. Selbst E-Mails an einen ausgewählten Personenkreis und einen elektronischen Einkauf möchte Voigt den Inhaftierten gestatten – und sie somit besser auf die Zeit nach der Entlassung vorbereiten. Einer der Vorteile: Bisher sind die Gruppen- eher Fernseh-Räume. Sie stehen künftig vorrangig anderen Nutzungen zur Verfügung, wenn das Mediensystem installiert ist.

Verbesserte Perspektiven für die Zeit nach der Haft verspricht sich Wolf-Dietrich Voigt auch von den vier 15-köpfigen Wohngruppen, die derzeit eingerichtet werden – zwei im offenen und zwei im geschlossenen Vollzug. Flankiert werden soll das von vielfältigen Kooperationen. Davon verspricht sich der JVA-Leiter unter anderem Arbeitsmöglichkeiten außerhalb der Gefängnismauern. Überdies möchte sich Voigt verstärkt in Arbeitsgruppen des Landkreises einbringen, der mit der Haftentlassung ohnehin in die Verantwortung rückt.

Die ersten Schritte scheinen den Kurs zu bestätigen. So sind die Petitionen und Beschwerden der Insassen in den zurückliegenden Monaten zurückgegangen. Vorführungen vor Gericht oder Arzttermine halbierten sich binnen eines Jahres. Hier half die Zentralisierung des Fahrdienstes. Parallel dazu hielt ein Gesundheitsmanagement für die Mitarbeiter Einzug. Ergänzt wird dieses um Schulungen – etwa zur Suizid-Vorbeugung. Das soll das Arbeitsklima ebenso positiv prägen wie die Reihe „Politiker hinter Gittern“. Im Laufe des Jahres dürften sich Vertreter aller Landtagsfraktionen in Wulkow einfinden.

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