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Berlin schielt jetzt auf sein märkisches Umland

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Senat zahlt Wohnungsbaustudie im Speckgürtel – Infrastrukturministerium außen vor

svz.de von
erstellt am 15.Okt.2015 | 15:04 Uhr

Jahrelang wurde Berlin vorgeworfen, sich nicht für sein Umland zu interessieren. Die Beziehungen zwischen Rotem Rathaus und Staatskanzlei gelten als unterkühlt. Inzwischen gibt es intensive Kontakte der Bundeshauptstadt zu den Umlandgemeinden – an der Landesregierung vorbei.

Anfang 2016 soll in Strausberg eine Koordinierungsstelle für Wirtschaft und Regionalmanagement eröffnen. Das Büro, das die Zusammenarbeit zwischen dem Bezirk Marzahn-Hellersdorf und dem Kommunen am östlichen Stadtrand koordinieren soll, wird zum größten Teil von Berlin finanziert. Brandenburgs Wirtschaftsfördergesellschaft ZAB ist nicht beteiligt. In Strausberg wird darauf verwiesen, dass man keine Genehmigung aus Potsdam brauche und wolle. Die Region wollte als Wachstumskern von der Landesregierung anerkannt werden, was ihr stets versagt wurde.

Auch auf einem anderen Feld entschieden sich die Umlandkommunen für Berlin. Von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltdort kam das Angebot, die Potenziale der Wohnungsbauflächen in der Region untersuchen zu lassen mit Wissen aber ohne Beteiligung des Infrastrukturministeriums in Potsdam. Das Kommunale Nachbarschaftsforum, das die Zusammenarbeit der Umlandgemeinden mit den Berliner Stadtbezirken managt, griff gern zu. „Aus Potsdam haben wird keine Unterstützung dafür bekommen“, sagt ein Bürgermeister.

Im ersten Schritt wurden Potenziale für Wohnungsbau in Bernau (Barnim), Hoppegarten (Märkisch-Oderland), Fürstenwalde (Oder-Spree), Mittenwalde (Dahme-Spreewald), Stahnsdorf (Potsdam-Mittelmark) und Schönwalde/Glien (Havelland) ermittelt. Bis zum kommenden Frühjahr sollen die Zahlen für 53 Städte und Gemeinden vorliegen. In Hoppegarten könnten beispielsweise kurzfristig 80 Wohneinheiten, mittelfristig 150 und langfristig 120 errichtet werden. Es besteht ein Verdichtungspotenzial für 2261 weitere Wohnungen.

Bürgermeister Karsten Knobbe (Linke) erklärt, dass das Bevölkerungswachstum, das vor drei, vier Jahren in Berlin einsetzte, längst im Umland zu spüren ist. Jetzt müssten die Weichen gestellt werden, wie sich die Kommunen entwickeln sollen. Noch gilt der alte, oft beklagte Landesentwicklungsplan, der Hoppegarten keine Ansiedlung von großflächigem Gewerbe ermöglicht, obwohl der Bedarf vorhanden ist. Der Versuch, nur Mittelzentren wie das benachbarte Neuenhagen uneingeschränkt wachsen zu lassen, sei nicht mehr zu halten, erklärte Knobbe.

Fürstenwalde hat laut der Studie ebenfalls die Chance zu wachsen. 508 Wohnungen könnten kurzfristig entstehen, 335 mittelfristig und 226 langfristig. Das Verdichtungspotenzial wird mit rund 6500 Wohnungen angegeben. Der aktuelle Landesentwicklungsplan, der auf der fünf Jahre alten Bevölkerungsprognose fußt, geht davon aus, dass Fürstenwalde Einwohner verlieren wird. Das ist längst überholt, sagt der Fachbereichsleiter für Stadtentwicklung Christfried Tschepe. Die Spreestadt will wachsen und hat die Voraussetzungen dafür. Nicht jedoch die landesplanerischen. Im Frühjahr kam ein ablehnender Bescheid aus Potsdam für das Wohngebiet Heideland. Dort sollen 350 Einfamilienhäuser entstehen. Das Areal zählt nicht zum Kerngebiet der Stadt. Die alte Landesplanung sieht aber keine neuen Wohngebiete im Außenbereich vor.
Das Infrastrukturministerium verweist darauf, dass 2016 der Landesentwicklungsplan überarbeitet wird und ein Dialog mit allen Umlandgemeinden einläutet wurde.  

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