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Kriminalität : Bekämpfung über Grenzen hinweg

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Polizeidirektor Ulf Buschmann koordiniert die deutsche Seite des Zentrums für deutsch-polnische Polizei- und Zollzusammenarbeit

svz.de von
erstellt am 26.Apr.2017 | 05:00 Uhr

Wenn es um die Bekämpfung grenzüberschreitender Kriminalität an Brandenburgs Ostgrenze geht, macht Ulf Buschmann so leicht niemand etwas vor. Seit neun Jahren koordiniert er die deutsche Seite des Zentrums für deutsch-polnische Polizei- und Zollzusammenarbeit am ehemaligen Autobahn-Grenzübergang in Swiecko (Polen). Rund 25 000 Anfragen aus dem Bundesgebiet und Polen werden hier jährlich bearbeitet. „Informationen zwischen den Ermittlungsbehörden gehen hier unkompliziert und ratz-fatz über den Tisch“, sagt der Polizeidirektor stolz, der seit März auch Beauftragter der Brandenburger Polizei für die deutsch-polnischen Beziehungen ist. „Buschmann ist genau der richtige Mann dafür. Er genießt hohes Ansehen bei allen Partnern“, sagt Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) dazu. Der Polizeidirektor habe einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, die Polizeizusammenarbeit auf eine neue Stufe zu stellen.

Tatsächlich war Buschmann an den jahrelangen Verhandlungen zum deutsch-polnischen Polizeiabkommen beteiligt, das 2015 in Kraft trat und die Einsätze im jeweiligen Nachbarland regelt. So enden Verfolgungen von Autodieben nicht mehr an der Grenze. „Nicht alle Polen sind glücklich mit diesem Abkommen. Da hängt uns Deutschen noch immer die Geschichte an“, sagt Buschmann.

Nicht zu unterschätzen seien die „Befindlichkeiten“, sagt Buschmann. „Wenn du tagtäglich mit Polen zu tun hast, bemerkst du erst die deutlichen Unterschiede.“ Im Nachbarland herrsche eine strenge Hierarchie und Struktur. „Bei Diskussionen spricht nur der Vorgesetzte, Meinungsäußerungen der Untergebenen sind nicht erwünscht.“ Und Fehler haben bei seinen polnischen Kollegen andere Konsequenzen, Bediensteten können sie schnell die Existenz kosten. „Wenn ein Fall nicht zu den Vorschriften passt, geht es bei ihnen nicht. Wir Deutschen versuchen Lösungen zu finden, es passend zu machen, ohne dass wir gleich fürchten müssen, den Job zu verlieren.“ Wichtiger als Sprachkenntnisse sei es, zu verstehen, wie die polnischen Kollegen ticken. „Er ist sehr konsequent, beharrlich und versucht eine gute Lösung für alle zu finden“, sagt Slawomir Trzeciak über Buschmann. Der Leiter des polnischen Grenzschutzes in Swiecko kennt seinen deutschen Kollegen seit Jahren und weiß, dass es nicht immer einfach ist, 62 Vertreter von acht Behörden unter einen Hut zu bringen. Allerdings, merkt Trzeciak an, könne der 50-Jährige längst besser Polnisch sprechen, nach all den Jahren. Buschmann scheint als Koordinator im gemeinsamen Zentrum einen guten Job zu machen, so dass ihm nun zugetraut wird, zwei weitere Behörden, nämlich Vertreter der Staatsanwaltschaften beider Länder, mit an den großen Tisch zu holen. „Wir suchen für diese Erweiterung noch nach einer geeigneten Liegenschaft, denn die Kapazitäten des einstigen Grenzabfertigungsgebäudes hier in Swiecko sind erschöpft.“ Zudem seien er und seine Kollegen froh über bessere Arbeitsbedingungen, deutet der gebürtige Magdeburger mit einem Blick aus dem Fenster an.

Tatsächlich steht der zweistöckige Bürokomplex wie auf einer Insel im unablässig vorbeirauschenden Grenzverkehr, der von riesigen Transportern dominiert wird. Schon der tägliche Weg zur Arbeit ist für die Ermittler beschwerlich. Buschmann beispielsweise wohnt seit Jahren in Berlin, pendelt täglich über die vielbefahrene und stauanfällige A12 an seinen Dienstort.

Buschmann ist mittlerweile auch Fernsehzuschauern bekannt. Seit gut zwei Jahren dreht der rbb seinen deutsch-polnischen „Polizeiruf 110“ in der Grenzregion. Das gemeinsame Zentrum in Swiecko wird im Film zum fiktiven binationalen Kommissariat, Buschmann während der Dreharbeiten zum neudeutschen „Reality-Checker“ für die Filmcrew. „Ich berate sie, damit die deutsch-polnische Polizeiarbeit möglichst realitätsnah und authentisch dargestellt wird“, sagt Buschmann schmunzelnd. Das gemeinsame Kommissariat wie im „Polizeiruf“ strebt der Polizeidirektor auch in der Realität an. „Wir haben viele Kriminalitätsfelder, wo die Täter auf beiden Seiten der Grenze agieren. Da ist so eine binationale Dienststelle auf der Grundlage bestehender, nur effizienter genutzter Strukturen sinnvoll. Und das Polizeiabkommen gibt das auch rechtlich her.“

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