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Flughafenchef ist vorsichtig optimistisch : „Beim BER ist nichts Routine“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Für Flughafen-Geschäftsführer Lütke Daldrup geht es jetzt um die Restbauzeiten

svz.de von
erstellt am 04.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Fünf Jahre nach der geplanten BER-Eröffnung verlieren viele den Glauben an den Abschluss des Flughafen-Projektes. Der Geschäftsführer der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH, Engelbert Lütke Daldrup, dagegen ist zuversichtlich. Mit ihm sprachen Andreas Wendt und André Bochow.

Beginnen wir mit der Frage, die sonst meisten am Schluss eines Interviews mit dem Geschäftsführer der Flughafengesellschaft gestellt wird: Wann geht denn der BER in Betrieb?

Engelbert Lütke Daldrup: Wir werden in diesem Jahr einen belastbaren Inbetriebnahme-Termin vorlegen. Wir beschäftigen uns sehr intensiv mit den Risiken und mit einer abschließenden Terminplanung. Außerdem führen wir intensive Gespräche mit den beteiligten Firmen über die Restbauzeiten. Dafür haben wir technische und kaufmännische Arbeitsgruppen eingerichtet.

Weil Sie die Firmen gerade erwähnen: Da gab es ja einige Probleme mit Bosch, Siemens und anderen.

Ja, aber mittlerweile ist fast alles auf einem guten Weg. Es geht in den Gesprächen mit den verantwortlichen Firmen um die verbindliche Vereinbarung von Terminen für die Fertigstellung von Bau- und Dienstleistungen. Wir sind jetzt mit der Planung viel weiter als vor einem halben Jahr. Seit Februar haben wir auch die letzte wichtige Baugenehmigung. So können wir das Bausoll mittlerweile final definieren. Aber hier, wie bei dem gesamten Projekt, gilt, Solidität geht vor Schnelligkeit.

Werden Sie den Eröffnungstermin vor oder nach dem 24. September nennen?

Ich will mich nicht an Spekulationen beteiligen. Wir werden noch in diesem Jahr einen Termin nennen. Voraussetzung ist der Abschluss der Firmengespräche und ein hinreichender Baufortschritt.

Inzwischen sind fünf Jahre seit der geplatzten Eröffnung vergangen. Das sechste Jahr wird auf jeden Fall noch vergehen. Dann würde für die Restarbeiten an einem angeblich fast fertigen Flughafen genauso viel Zeit gebraucht, wie für die ursprünglich angenommene Bauphase.

Die Einschätzung, dass der Flughafen 2012 fast fertig war, ist schlicht falsch. Er war damals nicht genehmigungsfähig und nicht entsprechend der technischen Regeln gebaut. Punkt. Es mussten die gesamten Kabel erneuert werden. Die Brandschutzanlage musste umfangreich umgebaut werden und Vielerlei mehr. Und, und, und. Ein Beispiel: Damals ging man von 2300 neuen Planungen aus. So kam der mögliche Eröffnungstermin 2017 zustande. Es waren aber tatsächlich etwa 3000 neue sehr komplexe Planungen.

Und nun ist alles in Butter?

Nein. Aber wir haben alle Genehmigungen. Jetzt müssen wir „nur noch“ die Restarbeiten erledigen.

Ihr Vorgänger Karsten Mühlenfeld hat immer eine Prozentzahl für die Fertigstellung des Projektes genannt. Bei wie viel Prozent ist der BER heute?

Solche prozentualen Meilensteine haben ab einen bestimmten Punkt keinen Informationswert mehr. Deshalb haben wir die Berichterstattung umgestellt. Was nützt Ihnen die Nachricht, dass wir zu 98 Prozent fertig sind? Da kennen Sie die Risiken der anderen zwei Prozent immer noch nicht.

Nochmal für Laien: Der Bau ist im Prinzip abgeschlossen, und jetzt wird überprüft, was funktioniert?

Wir haben einen Gesamtbauaufwand von etwa vier Milliarden Euro. Von dem Gesamtbauaufwand sind 99 Prozent erledigt. Aber nun kommt es darauf an, wirklich in jedem Gewerk fertig zu werden. Entscheidend ist, dass die Anlagen ihre Tests erfolgreich überstehen. Wir sind in der Inbetriebnahmephase und nicht mehr in der Bauphase. Wenngleich wir auch noch Mängel abarbeiten.

Also könnten doch wieder Überraschungen auftauchen? Oder ist routinemäßiges Abarbeiten angesagt?

Beim BER ist nichts Routine. Die Anforderungen seitens der Prüfbehörden sind sehr hoch. Und der BER hat eine schwierige Geschichte. Manche sagen: eine Katastrophengeschichte. Es ist mühsam, die Risiken zu identifizieren. Aber in einer verantwortlichen Terminplanung müssen wir auch Vorsorge für Unvorhergesehenes treffen. Und das tun wir.

Wie sehr sind Sie in dieser Phase von der Diskussion über die Zukunft des Flughafens Tegel genervt?

Tegel ist wichtig und wir haben die Aufgabe, den Betrieb in Tegel sicherzustellen. Das machen wir, ohne Wenn und Aber. Das ist der Erfolg aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Berliner Flughäfen. Ein sehr gutes Team! Allerdings sichern wir den Betrieb auf Basis der Gesellschafterbeschlüsse, dass der Standort nicht weiterbetrieben wird. Kurz gesagt, wir reparieren, aber wir sanieren nicht grundlegend. Aber was aus Tegel wird, entscheiden die Gesellschafter.

Wenn es Ihnen gelingt, den BER an den Start zu bringen, ist Ihre Mission dann erfüllt, oder wollen Sie Flughafenchef bleiben?

Ich weiß es nicht, darüber möchte ich auch nicht spekulieren.

Aber Sie sind sich sicher, dass es Ihnen besser ergeht als Ihren drei Vorgängern?

Ich will den Flughafen eröffnen.

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