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Einbruchserie im Oderbruch : Bei Vollmond kommen die Diebe

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Neulietzegöricke – 47 Mal schlugen Einbrecher im Jahr 2016 zu. Der ehrenamtliche Bürgermeister Horst Wilke fordert mehr Polizeipräsenz.

svz.de von
erstellt am 11.Feb.2017 | 05:00 Uhr

Wenn Torsten Rank im Dunkeln nochmal auf seinen Hof geht, hat er ein mulmiges Gefühl. Schon zweimal hätten sich im vergangenen Jahr Einbrecher Zutritt zu Nebengebäuden des Vierseiten-Hofes in Neulietzegöricke (Märkisch-Oderland) verschafft und Fahrräder und Werkzeug gestohlen, erzählt der Familienvater. „Beim zweiten Mal habe ich die Gauner im Carport rumoren hören. Als ich mit der Taschenlampe raus bin, verschwanden sie.“ Sein Rasentraktor und die Auto-Sommerreifen hätten ordentlich am Feldrand gestanden – bereit zum Abtransport.

Vor vier Jahren ist Rank mit seiner Familie aus der Großstadt in die dörfliche Idylle des von Fachwerkhäusern geprägten, ältesten Kolonistendorfes im Oderbruch gezogen. „Mit der Beschaulichkeit ist es seit vergangenem Jahr allerdings vorbei“, sagt er. Der Zuzügler ist nicht der einzige, der in Neulietzegöricke von Einbrechern heimgesucht wurde. 47 Einbrüche und fünf Versuche hat der ehrenamtliche Bürgermeister Horst Wilke in dem 105 Grundstücke zählenden Dorf, zweieinhalb Kilometer hinter dem Oderdeich gelegen, für 2016 aufgelistet. „Die Diebe kamen zu nachtschlafender Zeit immer von hinten über die Felder an die Gehöfte ran“, erzählt er. Abgesehen hätten sie es auf Werkzeug, Motor betriebene Gerätschaften oder Fahrräder. Keine großen Werte, räumt Wilke ein. Doch die Verunsicherung unter den Bürgern wachse. Dass die Einbrecher so unbemerkt agieren konnten, ist für ihn nicht verwunderlich. „Heute hat kaum noch jemand einen Wachhund, dafür dichte Jalousien an den Fenstern, so dass die Leute abends gar nicht mehr rausblicken.“ Die Neulietzegöricker hätten seinen Beobachtungen nach aber aufgerüstet – mit Bewegungsmeldern, Alarmanlagen und dickeren Schlössern. Autos mit fremden Nummernschildern würden misstrauisch beäugt, die Situation sei angespannt.

Einen Einbruch in ein Wohnhaus gab es noch nicht. Doch das ist für den Bürgermeister nur eine Frage der Zeit. „Wenn die Gauner merken, dass sich die Polizei hier kaum blicken lässt, werden die bestimmt dreister.“

Kriminalhauptkommissar Jürgen Schirrmeister von der zuständigen Polizeiinspektion Märkisch-Oderland macht auch nur wenig Hoffnung auf Besserung. „Wir haben ganz andere Einbruchsschwerpunkte – in den Berliner Speckgürtelgemeinden, wo ständig Autos, Bargeld und Schmuck in Größenordnungen verschwinden und organisierte Banden ihr Unwesen treiben“, sagt er. Abgesehen von der Personalnot bei der Polizei spreche die Statistik gegen Neulietzegöricke als Kriminalitätsschwerpunkt. „Wenn die Leute die Einbrüche nicht bei der Polizei anzeigen, tauchen die bei uns auch nicht auf.“ Seine Anregung zur Bildung einer Sicherheitspartnerschaft der Bürger mit der Polizei, wie erfolgreich in anderen Oderbruchorten praktiziert, halten Bürgermeister und Nachbar Rank für nicht realisierbar. „Von unseren 190 Einwohnern sind viele hochbetagt. Die haben Angst und laufen nachts ebenso wenig Streife wie diejenigen, die tagsüber arbeiten“, so Wilke.

Denn Arbeit gibt es im Oderbruch selbst so gut wie nicht. Wer einen Job habe, müsse täglich pendeln und sei abends müde. „Wir waren immer so stolz auf unsere himmlische Ruhe hier. Und die wollen wir auch zurück haben“, sagt der 64-Jährige, der den inzwischen denkmalgeschützten Ort in den vergangenen Jahren wiederbelebte, in dem er verlassene Grundstücke an neue Bewohner vermittelte. Fast jeder zweite Einwohner von Neulietzegöricke ist ein Zuzügler.

Karsten Birkholz, Direktor der Amtsgemeinde Barnim-Oderbruch, bittet die Landesregierung um Unterstützung. „Die Situation ist für die Bürger unerträglich und so nicht hinzunehmen. Da ist das Land in der Pflicht“, sagt Birkholz, der ähnliche Einbruchsserien auch aus anderen Orten in seinem Amtsbereich kennt. „Spätestens wenn der Vollmond am Himmel steht, werden die wieder aktiv. Sonst sehen die ja bei ihren nächtlichen Raubzügen nichts.“  

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