„Bei uns ist alles legal“

In polnischen „Dopalacze“-Läden, die sich binnen kürzester Zeit ausgebreitet haben, sind verschiedene Partydrogen erhältlich – wegen einer Rechtslücke sind die Angebote legal. Foto: ddp
In polnischen „Dopalacze“-Läden, die sich binnen kürzester Zeit ausgebreitet haben, sind verschiedene Partydrogen erhältlich – wegen einer Rechtslücke sind die Angebote legal. Foto: ddp

Wegen erheblicher Gesundheitsrisiken ist am vergangenen Donnerstag die „Modedroge“ Spice in Deutschland verboten worden. Doch in Polen, nur einen Steinwurf entfernt von der brandenburgischen und MV-Landesgrenze, buhlen Geschäfte, die mit diversen Partydrogen handeln, offenbar auch um deutsche Kunden.

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26. Januar 2009, 08:53 Uhr

Der kleine Laden liegt etwas versteckt in einer Nebenstraße der polnischen Grenzstadt Slubice rund 400 Meter von der Stadtbrücke nach Frankfurt (Oder) entfernt. In Glasvitrinen liegen Packungen mit Pillen und Mitteln, die rauschgiftähnliche Substanzen enthalten. Seit der Eröffnung des Geschäfts Ende Dezember werden hier sogenannte Partydrogen und auch die „Modedroge“ Spice verkauft, die in Deutschland gerade verboten worden ist. „Alle angebotenen Mittel sind bei uns legal“, versichert der Verkäufer.

Netz von 40 Läden
Binnen weniger Wochen entstand in ganz Polen ein Netz von derzeit schon um die 40 Läden mit dem Namen „Dopalacze“, was auf deutsch „Nachbrenner“ heißt. Auch in vielen anderen grenznahen Städten wie Szczecin (Stettin), Zielona Gora (Grünberg) sowie Boleslawiec (Bunzlau) bei Görlitz öffneten in den vergangenen Tagen „Dopalacze“-Läden. In Slubice decken sich bisher in der Mehrzahl Polen mit den Pillen ein. „Bei den Deutschen ist der gerade eröffnete Laden noch nicht so bekannt, wir haben bisher nur einzelne Kunden aus dem Nachbarland“, sagt der Verkäufer.

Dass das Slubicer Geschäft auf deutsche Kunden hofft, beweist schon ein Werbekärtchen, auf dem die Entfernungen nach Frankfurt (Oder), Berlin und Cottbus angegeben sind. Im Internetportal der Firma werden so genannte „Energy Pills“, „Euphoric Pills“ oder „Psychedelic Pills“ angeboten, die Namen wie Exodus oder Diablo tragen. Viele enthalten den Wirkstoff BZP (Benzylpiperazin). Die psychoaktive Droge, die ähnlich wie Amphetamine wirken soll, unterliegt in Deutschland seit 2008 dem Betäubungsmittelgesetz und darf hierzulande nicht gehandelt werden.

„Der deutsche Zoll ist vorgewarnt und sensibilisiert“, sagt der Sprecher der unter anderem für Brandenburg und Sachsen zuständigen Bundesfinanzdirektion Mitte, Andreas Meyer, in Potsdam. Bisher seien nach seinen Erkenntnissen im deutschen Grenzraum noch keine in diesen Läden gekauften Drogen festgestellt worden. Es sei aber vorstellbar, dass der eine oder andere versuchen werde, sich in Polen mit in Deutschland nicht legal zu erwerbenden Drogen einzudecken, ergänzt der Frankfurter Zollsprecher Steffen Schreck. Bei Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz drohe in jedem Fall ein Strafverfahren, warnt er.

Anbieter nutzen Trick
In Polen ist eine EU-Empfehlung zum Verbot des in vielen „Dopalacze“-Produkten enthaltenen Wirkstoffs BZP noch nicht umgesetzt worden. „Das sind legale Drogen, die wegen einer Rechtslücke auf dem Markt sind“, sagt eine Sprecherin der polnischen Hilfsorganisation Monar, die sich auch um Rauschgiftabhängige kümmert. Dabei nutzt die Kette einen Trick, die Verkaufspackungen tragen den Aufdruck: „Das Produkt ist nicht für den menschlichen Verzehr bestimmt, sondern dient allein zu Sammlerzwecken.“ Im Internet finden sich freilich Hinweise, die Mittel nicht mit Alkohol einzunehmen.

Die polnische Öffentlichkeit ist besorgt, aber auch weitgehend machtlos. „Wir haben keine rechtlichen Möglichkeiten, um die Tätigkeit eines solchen Geschäfts zu verbieten“, sagt etwa der Stadtpräsident im 80 Kilometer südöstlich von Frankfurt gelegenen Zielona Gora, Janusz Kubicki, in polnischen Zeitungen. Um wenigstens Jugendliche abzuschrecken, lässt er Wachleute vor dem dortigen „Dopalacze“-Laden patrouillieren, die die Namen minderjähriger Käufer notieren und den Eltern übermitteln.

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