DB ohne Wechselgeld : Bei der Bahn trügt der Schein

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Die Annahme von Banknoten an den Automaten ist nur noch eingeschränkt möglich

svz.de von
05. März 2016, 10:05 Uhr

Die Deutsche Bahn (DB) hat die Annahme von Geldscheinen an ihren Ticketautomaten eingeschränkt. Der Konzern begründet dies mit der Herausgabe von Wechselgeld. Der Berliner Fahrgastverband IGEB sieht darin vor allem eine Konsequenz aus der Kriminalitätsentwicklung: Immer wieder werden Automaten gesprengt, um an das Bargeld zu kommen.

Wer fünf Minuten vor Abfahrt des Zuges noch schnell am Automaten ein Ticket ziehen und dies mit 20- oder 50 Euro-Scheinen bezahlen will, geht oft leer aus: Die Automaten verweigern die Annahme der Banknoten. „Es gibt eine Höchstgrenze, und die hängt vom verfügbaren Wechselgeld ab“, sagt Bahnsprecher Holger Auferkamp. Schließlich spucke der Automat auch dann nur Hartgeld aus, wenn jemand eine Fahrkarte für sechs Euro mit einem 50 Euro-Schein bezahlen will.

Laut Deutscher Bahn ticken die konzerneigenen Automaten wie folgt: 20-Euro-Scheine werden ab einer Summe von 9,90 Euro akzeptiert, 50-Euro-Scheine ab einem Kaufwert von 24,90 Euro – vorausgesetzt das Wechselgeld droht nicht auszugehen. Hunderter werden gar nicht angenommen. Für 10-Euro-Scheine gibt es keine Beschränkung.

Dem Fahrgast bleibt nur die Wahl, den Geldschein irgendwo zu wechseln und den avisierten Zug zu verpassen – oder das Risiko einzugehen, ohne gültiges Ticket vom Schaffner als Schwarzfahrer abgestempelt zu werden und 60 Euro Strafe zahlen zu müssen. Die Situation sei ärgerlich, aber aus Sicht der Bahn nachvollziehbar, sagt Jens Wieseke, Sprecher des Berliner Fahrgastverbands IGEB. Der Konzern schütze sich vor Kriminellen, die in Berlin und Brandenburg fast im Wochenrhythmus Automaten sprengen. „Der Kunde ist der Leidtragende.“

Glaubt man den Prognosen der Bahn, hat der Ticketkauf am Automaten ohnehin bald ausgedient. Mehr als ein Drittel des Umsatzes wird schon online erledigt. In vier Jahren soll der Anteil auf 50 Prozent steigen und der Automatenkauf von derzeit 28 auf 21 Prozent sinken. Und bei Online-Buchungen bleiben Geldscheine dort, wo sie hingehören – in der Brieftasche.

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