Behutsamer Tourismusausbau

Vor allem im Sommer herrscht Hochbetrieb am Scharmützelsee – dem Märkischen Meer. Die Region lädt ein zum Radfahren, Segeln und Baden in traumhaft schöner Natur.
Vor allem im Sommer herrscht Hochbetrieb am Scharmützelsee – dem Märkischen Meer. Die Region lädt ein zum Radfahren, Segeln und Baden in traumhaft schöner Natur.

Obwohl die Besucher- und die Übernachtungszahlen am Scharmützelseeseit Jahren steigen, gibt es dort noch keinen Gästeansturm

svz.de von
15. Juni 2019, 05:00 Uhr

Laura Beister, Geschäftsführerin beim Tourismusverein Scharmützelsee, ist seit über zehn Jahren für die Entwicklung des Tourismuskonzeptes mitverantwortlich. Die 39-Jährige betont, dass die Strategie zusammen mit dem Tourismusverband Seenland Oder-Spree entwickelt wird. „Wir haben gemeinsam ein Leitbild für die Region und die Teilregionen erarbeitet, welches auch durch die Mitglieder gelebt und weiterentwickelt wird“, sagt sie. Von Beginn an – 1991 würde der Tourismusverein Scharmützelsee gegründet – war den damals 58 Mitglieder klar, dass man sich kein Konzept von außerhalb überstülpen lassen wollte. Dieser Gedanke ist bis heute aktuell.

„Unsere Angebotsstruktur wird aufeinander abgestimmt, weiter ausgebaut, und wir gehen kleine Schritte“, betont die Betriebswirtin. Aktuell hat der Verein mehr als 200 Mitglieder. Und nicht nur die großen Hotels Esplanade und A-Rosa locken mit Golfplätzen und Wellness-Angeboten jedes Jahr mehr Besucher an das „Märkische Meer“, auch kleine Häuser und Pensionen sind beliebt. Rund um den See sind die Übernachtungszahlen in Bad Saarow, Storkow und Wendisch Rietz von 370 000 (2004) auf 671 200 (2018) angestiegen.

Vor allem der Kurort Bad Saarow und der Erholungsort Wendisch Rietz haben sich in den letzten 15 Jahren immer stärker auf die Themen Kur/Wellness und Sport konzentriert und entsprechende Angebote ausgebaut. Laut Zahlen aus der letzten Studie „Wirtschaftsfaktor Tourismus Seenland Oder-Spree“ von 2013 – ein aktueller Überblick ist gerade in Arbeit – verbucht Bad Saarow 137 Millionen Euro Jahresumsatz. Demnach hat jeder Gast, der ein Übernachtungsangebot gebucht hatte, 123 Euro pro Tag ausgegeben, Camper ließen pro Kopf rund 42 Euro in Bad Saarow.

Die Touristikbranche der Region ist der Ansicht, dass die Zahlen noch steigerungsfähig sind. Für das Gebiet Seenland-Oder-Spree wurde deshalb eine Zielgruppenbeschreibung erarbeitet. Die Ergebnisse überraschen wenig: Neben dem Ausbau der Wassersportsparte soll auch weiter in den Erholungs- und Wellnessbereich investiert werden.

Beide Gebiete gelten in der Branche als besonders renditeträchtig: Segler und Menschen, die fernab der Großstadt Erholung suchen, gelten als Gäste, die bis zu zehn Tage bleiben. Die klassischen Ziele dieser Kundengruppe an Nordsee oder im süddeutschen Bereich gelten als überlaufen. Auch mit diesem Pfund wollen die Seeorte Bad Saarow, Wendisch Rietz und Storkow wuchern. Auf internationalen Tourismusmessen wird der Standort bekannter gemacht.

Noch kommt der Großteil der Gäste allerdings aus Berlin und aus Brandenburg, gefolgt von Sachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Niedersachsen und Bayern. Vor allem Berlintouristen wollen die Brandenburger stärker ansprechen.

Die Hauptstadt zieht pro Jahr aktuell 14 Millionen Besucher an. Davon wollen die Touristikunternehmer am Scharmützelsee in Zukunft stärker profitieren. Schließlich liegt Berlin nur 70 Kilometer von Bad Saarow entfernt, mit dem Auto ist das in weniger als einer Stunde erreichbar.

Doch nicht allen gefällt der Ausbau des Tourismus: Für viele Brandenburger ist der See ein Naherholungsgebiet, das man am Wochenende oder nach Feierabend nutzt. Bisher haben die vielen öffentlichen Badestellen eines gemeinsam: Es gibt auch an heißen Sommertagen fast nirgends Gedränge – und das Wasser ist so klar, dass sogar große Fische unter der Oberfläche zu erkennen sind. In Berlin sucht man solche Bedingungen vergeblich.

Doch bisher ist nicht zu befürchten, dass es in Storkow oder in Bad Saarow bald Zustände wie an den Ostseepromenaden in Binz, dem Timmendorfer Strand oder am Strandbad Wannsee gibt. Auch von einer Überbelegung der Unterkünfte ist die Region noch weit entfernt.

Wenn es nach Laura Biester und ihren Mitstreitern vom Tourismusverband geht, soll das auch so bleiben, schließlich soll der Scharmützelsee auch künftig als Lieblingssee Deutschlands ausgezeichnet werden.

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