BBI: Politik erhöht Druck

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23. Oktober 2010, 01:57 Uhr

Potsdam/Berlin | Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) fordert von der Deutschen Flugsicherung detaillierte Karten zu den Flugrouten am künftigen Großflughafen in Schönefeld. Die Landesregierung will wissen, wie hoch die Maschinen fliegen und welche Lärmgrenzwerte zu erwarten sind. Das sei notwendig, um die Routen weiter zu verbessern - auch bei Abflügen nach Osten. Die geplanten Routen über Brandenburger Gemeinden und Bezirke im Süden Berlins sorgen seit Wochen für Aufregung in der Region. Verkehrsstaatssekretär Rainer Bretschneider mahnte, das Bundesunternehmen müsse seine Arbeit deutlich verbessern. Auf einer Informationsveranstaltung in Potsdam stand er rund 60 Vertretern von Bürgerinitiativen und Kommunen Rede und Antwort, die ihrem Unmut teilweise in drastischen Worten Luft verschafften.

Nach Angaben der Flugsicherung können die Flugzeuge möglicherweise niedriger über Wohngebiete fliegen als bislang bekannt. "Die Höhen, die wir angegeben haben, sind Mittelwerte", sagte der Berliner Sprecher der Deutschen Flugsicherung, Stefan Jaekel, gestern. "Sie können auch unterschritten werden, meistens wird aber höher geflogen." Das hänge unter anderem von der Größe der Maschinen ab.

Jaekel bestätigte insofern einen Bericht der "Bild"-Zeitung. Er widersprach aber dort zitierten Experten, denen zufolge die BBI-Jets beispielsweise über Berlin-Wannsee den Mittelwert von 2300 Metern sogar um bis zu 1000 Meter unterschreiten. So groß werde die Spannbreite nicht sein, so der Sprecher. Konkrete Werte könne die DFS aber erst nach weiteren Berechnungen nennen.

Platzeck verlangte, die Abstimmung zwischen der regionalen Fluglärmkommission und der DFS müsse schnellstmöglich zu Ergebnissen führen, um Anwohner nicht weiter zu verunsichern.

In der gestrigen Potsdamer Versammlung, die insgesamt ruhig verlief, sprachen Vertreter der Bürgerinitiativen von einem "Planungsdesaster". Schon 1998 sei bekannt gewesen, dass startende Flugzeuge bei gleichzeitigem Parallelbetrieb der Bahnen um 15 Grad abknicken müssten, sagte der Kleinmachnower. Der Präsident der Bundesvereinigung gegen Fluglärm, Helmut Breidenbach, warf dem Potsdamer Verkehrsministerium völliges Versagen vor.

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