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Wahlpartys : Zwischen Sektlaune und Katzenjammer

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Es ist der Abend der Europawahl, die ersten Prognosen laufen ein. Auf dem Hof der Parteizentrale der Brandenburger Linken wird gegrillt: Würstchen und Nackensteaks, dazu gibt es Freibier.

Auf dem Hof der Parteizentrale der Brandenburger Linken wird gegrillt: Würstchen und Nackensteaks, dazu gibt es Freibier. Brandenburgs Finanzminister Christian Görke spielt an einem Tischkicker, um kurz vor 18 Uhr ruft er lautstark „2:0!“ Dann aber blickt alles gespannt auf den Fernseher im Hintergrund. Es ist der Abend der Europawahl, die ersten Prognosen laufen ein.

Acht Prozent für die Linkspartei. Helmut Scholz wirkt entspannt. Der Brandenburger, der für seine Partei auf Platz vier der Europaliste antritt, ist sicher wieder im neuen Parlament vertreten. „Das Ergebnis zeigt, dass wir eine Stabilität als Linke erreicht haben.“ Nur der Wert der rechtskonservativen AfD ist dem Linken-Politiker zu hoch. „Wir müssen künftiger deutlich machen, dass die Antwort dieser Partei nicht die Antwort ist, die Europa voranbringt.“ Dass die Linken in Brandenburg deutlich an Boden verlieren würden, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar. Ein Ergebnis, das Brandenburgs Finanzminister Christian Görke Sorgen bereitet: „In absoluten Stimmen haben wir ähnlich viele Wähler wie 2009, aber durch die bessere Wahlbeteiligung prozentual weniger.“ Es sei den Linken nicht gelungen, über ihr Stammwählerpotential hinaus Wähler zu mobilisieren. „Ich glaube aber, dass Europawahlen Europawahlen sind, und die Brandenburger durchaus den Unterschied zu Landtagswahlen kennen.“

Szenenwechsel. Auf der anderen Seite der Potsdamer Alleestraße umarmt SPD-Generalsekretärin Klara Geywitz die bisherige Landtagsabgeordnete Susanne Melior. Sie hatte um den Einzug ins EU-Parlament gezittert. Lediglich auf Listenplatz 22 hatte die SPD die Michendorfer Abgeordnete gesetzt. „Als ich gestern in Michendorf vor dem Edeka stand, und mir Leute, die ich schon lange kannte, sagten, dass es klappen könnte, habe ich zum ersten Mal selbst damit gerechnet“, sagt Melior. Kurze Zeit später erscheint der Landesvater, Dietmar Woidke.

Die neue Europaabgeordnete reicht ihm nicht einmal zur Schulter. Trotzdem nimmt er sie in den Arm, so gut es eben geht. „Es ist insgesamt ein schöner Tag für die SPD“, sagt Woidke. „Das Ergebnis der EU-Wahl macht mich sehr, sehr froh.“ Dass die extremistischen Parteien weit unter den befürchteten Ergebnissen geblieben seien, sei ein guter Tag für die Demokratie.


Hoffen und Erleichterung


Und noch ein Szenenwechsel. Während sich die Sozialdemokraten mit Spargelcremesuppe und Bier stärken, gibt sich die CDU mondän. Auf dem grünen Rasen vor der Parteizentrale in der Gregor-Mendel-Straße stehen Tische mit blauen Hussen, die Menschen trinken Sekt und Weißwein. Ob der Brandenburger CDU-Politiker Christian Ehler wieder dem Eurapaparlament angehören wird? „Das weiß ich wohl erst gegen 23 Uhr“, sagt Ehler. Denn da die CDU mit Landeslisten antritt, kommt es für den Brandenburger ganz speziell auf das Ergebnis aus der Mark an.

„Die CDU hat in Brandenburg gegen den Bundestrend 5,5 Prozent zugelegt“, freut sich der Landesvorsitzende Michael Schierack dennoch. „Wenn ich dieses Ergebnis so sehe, sind wir stabil auf dem Kurs zur Landtagswahl.“ Gespannt verfolgen die CDU-Wahlkämpfer die Ergebnisse ihrer Partei auf der Website des Landeswahlleiters. Am Abend sah es streckenweise so aus, als könnte die CDU bei der Europawahl in Brandenburg noch stärkste Partei werden.

Keine landesweiten Wahlpartys haben die kleineren Parteien veranstaltet. Hier konzentrierten sich die Wahlkämpfer am Sonntag auf die Kommunalwahlen. Ursula Nonnemacher, die Spitzenkandidaten der Grünen für die Landtagswahlen, stand zum Beispiel mit ihren Wahlhelfern und drei Stehtischen auf der Straße vor dem Wahlkreisbüro in Falkensee. Auch hier gab es Sekt und Schnittchen.

„Ich bin erleichtert und zufrieden, dass wir im Bund mit 10,9 Prozent gehandelt werden“, sagt Nonnemacher. „Was das Ergebnis in Brandenburg betrifft, werden wir aber gucken müssen – für eine wirkliche Einschätzung fehlen noch die exakten Daten.“ Bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe lagen die Grünen in der Mark gerade einmal bei 5,4 Prozent. Ganz großer Katzenjammer herrschte bei der Brandenburger FDP, die landesweit gerade einmal zwei Prozent erreichte. „Wir haben klar unser Wahlziel verfehlt – wir wollten das Ergebnis der Bundestagswahl ja eigentlich noch steigern“, sagte der Landesvorsitzende Gregor Beyer.


Prignitz wählt gegen den Bundestrend


Im Landkreis Prignitz gewinnt die SPD bei den Europawahlen entgegen dem Bundestrend. Mit 31,9 Prozent wird sie vor der CDU (29,2 Prozent) stärkste Kraft. Die Linken erreichen 18,2 und lassen damit B90/Grüne (3,3) und FDP (2,0) weit hinter sich. Beachtliche Ergebnisse erzielt die AfD. In Wittenberge wird sie mit 6,2 Prozent, in der Gemeinde Groß Pankow mit 4,9 Prozent und im Amt Putlitz-Berge mit 6,8 Prozent jeweils viertstärkste Kraft.



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