Personalsorgen : Zu alt, zu wenige: Im Knast fehlen die Wärter

Brandenburger Justizvollzug plagen Personalsorgen

svz.de von
26. November 2014, 14:13 Uhr

Sie haben einen der härtesten Arbeitsplätze im Land, doch sie werden immer weniger und älter. Mehr als die Hälfte aller Justizvollzugsbeamten, die in den Gefängnissen des Landes die Straftäter bewachen, ist mittlerweile zwischen 50 und 59 Jahren alt. Nur zwei Prozent sind zwischen 20 und 29.

Und während sich im Jahr 2014 insgesamt 32 Vollzugsbeamte in der Ausbildung, dem so genannten Vorbereitungsdienst, befanden, werden 2015 36 und im Jahr darauf 40 Justizvollzugsbeamte pensioniert. Das geht aus einer Antwort von Justizminister Helmut Markov auf eine „Kleine Anfrage“ des CDU-Rechtsexperten Danny Eichelbaum hervor, die dieser Zeitung vorliegt.

Und während die Zahl der Strafgefangenen steigt, und in diesem Jahr erstmals seit 2012 wieder die Marke von 1000 Gefangenen erreicht hat, ist die Zahl der Stellen im Justizvollzug seit 2009 von 1.65 auf 1051 gesenkt worden.
„Die vorhandenen Personalstellen im Justizvollzug reichen nicht aus, um die Behandlungs- und Resozialisierungsmaßnahmen, die die rot-rote Landesregierung beschlossen hat, auch nur ansatzweise mit Leben zu erfüllen“, sagte Eichelbaum gegenüber dieser Zeitung.


Unterbrochene Ausbildung rächt sich


Zudem sei nach der aktuellen Personalbedarfsplanung ein weiterer Stellenabbau vorgesehen. „Ich halte das angesichts der immer weiter steigenden Aufgaben, mit denen die Mitarbeiter in den Justizvollzugsanstalten konfrontiert sind, für unverantwortlich.“

Ähnlich hatte sich bereits der Bund der Strafvollzugsbediensteten geäußert: Auf einem Gewerkschaftstag warnte ihre Interessenvertretung kürzlich davor, dass die ohnehin schon „unzureichenden Zielzahlen in der Personalausstattung für 2015 durch Alters- und andere Abgänge erheblich unterschritten werden.“

Der Altersdurchschnitt steige ständig an, und die von 2005 bis 2009 unterbrochene Ausbildung von Nachwuchskräften, die erst 2010 wieder aufgenommen wurde, werde dies nicht mehr kompensieren können.

Weswegen die Gewerkschaft eine Anhebung des Stellenplans auf mindestens 1188 Stellen und einen „Anwärtersonderzuschlag“ forderte, um die Ausbildung zum Vollzugsbeamten für junge Leute attraktiv zu machen.
Das Justizministerium indes sieht sich auf einem guten Weg. „Um die Vollzugsgesetze mit Leben zu erfüllen, wird eine angemessene Personalausstattung im Justizvollzug des Landes Brandenburg benötigt“, heißt es in der Antwort auf Eichelbaums Anfrage. „Vor diesem Hintergrund werden alle Anstrengungen zur Schaffung einer zukunftsfähigen, bedarfsgerechten Justizvollzugsstruktur und Personalausstattung unternommen.“



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