Wahlkampf-Auftakt : Woidkes Berater sind unzufrieden mit seinem Auftritt

Dietmar Woidke wirkt nicht immer hundertprozentig souverän – obwohl der Anzug sitzt.
Dietmar Woidke wirkt nicht immer hundertprozentig souverän – obwohl der Anzug sitzt.

Die Brandenburger SPD testet Dietmar Woidke für den Wahlkampf. Fazit: Ein Ministerpräsident zum Anfassen, freundlich, aber noch mit Schwächen.

svz.de von
08. März 2014, 12:23 Uhr

Früher stellte die brandenburgische SPD einen Ministerpräsidenten, beispielsweise Manfred Stolpe vorzugsweise mit Regine Hildebrandt, auf einen Marktplatz. Sie bedienten das Wir-Gefühl als Brandenburger, wetterten gegen die Bundesregierung und versprachen Arbeitsplätze. Der Applaus war garantiert.

Im Wahlkampf 2009 wurden sogenannte Multiplikatoren einzelner Regionen zu partyähnlichen Veranstaltungen eingeladen. Platzeck sprach kurz, beschwor den Stolz der Brandenburger, lobte die jeweilige Region und ging dann von Tisch zu Tisch. Die meisten waren begeistert vom Charme des Potsdamers – das Wahlprogramm spielte kaum eine Rolle.

Als Woidke diese Woche einen nicht ganz gefüllten Saal in Oranienburg (Oberhavel) betritt, ist das die erste von drei Regionalkonferenzen, auf denen er sich den Wählern stellen und Fragen zu dem 50 Punkte umfassenden Wahl-Programm beantworten soll. Eingeladen sind Bürgermeister, Feuerwehrleute, Sportfunktionäre.

Woidke hat in den vergangenen Monaten gelernt, wie selbstverständlich vor Menschen zu stehen. Aber die Form der Veranstaltung birgt Risiken. Sobald die Zuhörerschaft zu Wort kommt, wird die Debatte in regionale, ja dörfliche Details gezogen. Probleme, die sich mit einem knapp gefassten Wahlprogramm nicht beantworten lassen. Viele der knapp 100 Gäste finden, dass das Land zu wenig Geld gerade für ihre Bereiche zur Verfügung stellt. Irgendwann stolpert Woidke bei seinen Ausweichmanövern. „Ehrenamt braucht Hauptamt.“ „Ehrenamt ist durch Hauptamt nicht zu ersetzen.“ „Das Ehrenamt weiß am besten, was das Ehrenamt braucht.“ So lauten die Sätze, mit denen Woidke den Spagat versucht, den Forderungen nicht auszuweichen und doch keine Zusagen zu machen.

„Zuhören kann er“, heißt es am Ende und Woidke wird bescheinigt, authentisch zu sein. Schon recht viel für einen Politiker. Die SPD-Strategen stehen derweil mit ernsten Mienen am Rande. Die Idee: Alle fragen – Woidke versucht zu antworten, scheint noch nicht der Weisheit letzter Schluss im Wahlkampf zu sein.

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