Gewerkschaft startet Umfrage: : Wie gestresst sind die Pädagogen?

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GEW-Chef Fuchs erhofft sich von der Erhebung außerdem Erkenntnisse über den tatsächlichen Unterrichtsausfall im Land.

svz.de von
07. November 2014, 13:02 Uhr

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaften (GEW) bereitet sich schon auf die nächsten Tarifverhandlungen mit der Landesregierung im kommenden Frühjahr vor. Um dann belegen zu können, wie belastet die 18 500 Lehrer an öffentlichen Schulen sind, wurde in dieser Woche eine große Onlineumfrage unter den Pädagogen gestartet.

In dem 33-seitigen Papier sollen getrennt nach Altersgruppen und Regionen die Ausstattungen der Schulen, die Ursachen für eventuellen Stress und die Einschätzung des Arbeitsklimas erfragt werden. GEW-Landesvorsitzender Günther Fuchs, der die Statistiken des Bildungsministeriums zum Unterrichtsausfall anzweifelt, erhofft sich von der Lehrerbefragung außerdem belastbare Angaben über den tatsächlich ordnungsgemäß erteilten Unterricht in den unterschiedlichen Schulformen.

Die Lehrer sollen beispielsweise Angaben über die Zahl der langzeiterkrankten Kollegen und die Folgen für die jeweilige Schule machen. Erfragt wird außerdem ab welchem Alter (beginnend mit 55 Jahren bis 67 und älter) die Lehrer gern in Rente gehen würden.

Fuchs hofft, dass mindestens 2000 Lehrer sich bis Jahresende an der Befragung beteiligen, die dann bis zum Frühjahr kommenden Jahres wissenschaftlich ausgewertet werden soll.

In den ersten beiden Tagen, so der Gewerkschafter, wurden bereits 150 Fragebögen ausgefüllt. Die im rot-roten Koalitionsvertrag festgeschriebene Einstellung von 700 zusätzlichen Lehrern in den kommenden fünf Jahren bezeichnete Fuchs als Schritt in die richtige Richtung.

Allerdings sei noch nicht entschieden, wie sie tatsächlich eingesetzt werden. Seiner Meinung nach sind weder die Ganztagsschulen noch die flexiblen Eingangsstufen mit ausreichend Pädagogen abgesichert.

Fuchs fordert zudem ein finanziell unterlegtes Konzept für die Unterrichtung von Flüchtlingskindern an öffentlichen Schulen. Auch die versprochenen zusätzlichen 100 Schulsozialarbeiter seien nicht ausreichend, da nach wie vor nicht an jeder Schule ein Sozialarbeiter zur Verfügung stehen wird. Die geplante Verbesserung der Kita-Betreuung begrüßte der Gewerkschafter. Allerdings sei auch in diesem Bereich noch längst nicht alles Notwendige erreicht.

So gibt es für Kindergärten zur Zeit überhaupt keine personellen Ausfallreserven. Es werde nicht einmal erfasst, wie oft Gruppen wegen Erkrankung der Erzieher zusammengelegt werden müssen. „Wir nehmen zur Kenntnis, dass der Bildungsbereich in dieser Legislaturperiode nachgerückt werden soll. Aber die Baustellen sind riesengroß, nachdem das System jahrelang auf Verschleiß gefahren wurde“, lautet die Einschätzung des GEW-Vorsitzenden zum rot-roten Koalitionsvertrag.

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