Altersversorgung : Wenn die Witwer leer ausgehen

Ein kritischer Blick auf den Rentenversicherungsverlauf lohnt sich in jedem Fall.
Ein kritischer Blick auf den Rentenversicherungsverlauf lohnt sich in jedem Fall.

Gesetzliche Regelungen haben Lücken − Nachteile auch für DDR-Geschiedene

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23. Januar 2016, 21:00 Uhr

Bei der Altersversorgung gibt es 25 Jahre nach der Wiedervereinigung noch Ungerechtigkeiten – nicht nur, was den geringeren Wert von Rentenpunkten im Osten betrifft. Auch beim Tod des Partners geht der Überlebende mitunter leer aus. Und in der DDR geschiedene Frauen haben Nachteile bei der Rente.

Irgendwann hat Otto S. resigniert. Der Mittsiebziger aus einem kleinen Ort im Berliner Randgebiet hatte seine an Krebs erkrankte Frau Anfang der 1980er-Jahre verloren. Mehrfach bemühte sich der frühere Kraftfahrer um eine Witwerrente. „Er hat nicht so viel Rente, da zählt jeder Euro“, sagt eine Bekannte. Doch er bekam nur Absagen von der Rentenversicherung. So bitter es klingt, seine Frau – einst Meisterin für Geflügelzucht – ist wohl zum falschen Zeitpunkt gestorben, wie es die Bekannte sarkastisch formuliert. „Ich empfinde das als Ungerechtigkeit“, fügt sie an.

Denn andere Männer mit ähnlichem Schicksal würden Witwerrente erhalten, wie sie im Falle eines Nachbarn weiß. Doch die Rechtslage ist nicht auf Seiten von Otto S.

Bis Ende 1985 galt in der Bundesrepublik eine andere Regelung. „Wenn die Ehefrau vor dem 1. Januar 1986 verstarb, kann der Partner nur einen Anspruch auf Witwerrente erwerben, wenn die Ehefrau im letzten Jahr vor ihrem Tod den Familienunterhalt überwiegend bestritten hat“, erläutert Dirk Manthey von der Deutschen Rentenversicherung Bund.

Das bedeutet: Witwerrente gab es nur, wenn die Ehefrau mehr verdient hatte als ihr Mann. Zudem musste sie mindestens fünf Jahre lang in die Sozialversicherung eingezahlt haben. Diese Regelung gilt laut Manthey auch für Männer in den neuen Bundesländern, wenn die Ehefrau vor 1986 starb.

Übrigens war es in der DDR ähnlich: Die Rentenverordnung vom November 1979 sah dem Experten zufolge eine Witwen- oder Witwerrente unter anderem nur vor, wenn der Verstorbene die finanziellen Aufwendungen für die Familie überwiegend erbrachte. War das nicht so, konnte eine Witwen- oder Witwerrente nicht gezahlt werden.

Erst 1986 traten in der alten Bundesrepublik Änderungen in Kraft, die seit der Wiedervereinigung auch in den neuen Ländern gelten: Seither können beide Partner Witwen- oder Witwerrente bekommen, unabhängig davon, wer überwiegend zum Familienunterhalt beitrug. Jedoch wird bei Ehefrauen, deren Mann stirbt, anders als vor der Neuregelung ihr eigenes Einkommen – bis auf einen Freibetrag – auf die Witwenrente angerechnet.

Besonders hart betroffen vom gesamtdeutschen Recht sind Frauen, die in der DDR geschieden wurden. „Die hatten keine Chance auf den Versorgungsausgleich, der in der alten Bundesrepublik 1977 eingeführt wurde, den es in der DDR aber nicht gab“, sagt Manthey. Damit stehen diese Frauen beim Rentenbezug ohne einen finanziellen Ausgleich für die Zeit der Ehe da.

Jörg Schreiber

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