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Familienfall: Zeugen entlasten Angeklagte : Wenig Beweise für Giftanschlag

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Im Prozess wegen eines Giftanschlags in der eigenen Familie haben gestern weitere Zeugen die Angeklagten entlastet. Mittlerweile zweifelt auch das Gericht, ob der Ehemann und sein Stiefsohn die Ehefrau und Mutter mit Tabletten töten wollten.

Im Prozess wegen eines Giftanschlags in der eigenen Familie haben gestern weitere Zeugen die Angeklagten entlastet. Mittlerweile zweifelt auch das Gericht, ob der Ehemann und sein Stiefsohn die Ehefrau und Mutter mit Tabletten töten wollten.

Der Bruder sorgt im Zeugenstand dafür, dass beim Angeklagten die Tränen fließen. Peter Georg K. spricht mit lauter Stimme: „Das hat er nicht verdient, er hat ein Herz wie eine Pflaume, so weich ist das“, sagt der 60-Jährige. Dass sein Bruder die eigene Frau töten wollte, sei „totaler Quatsch“.

K. zeichnet ein gutes Bild von Uwe O., der sich mit seinem Stiefsohn Mario B. wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) verantworten muss. Dies mag man als verwandtschaftliche Hilfe abtun, aber der Bruder sagt bestimmt: „Ich würde nie für ihn lügen.“ Nach seiner Aussage hatte Uwe O. seine Frau Ursula O. mit Liebe gepflegt.

Ursula O. wurde im November 1998 plötzlich zu einem Pflegefall. Sie erlitt damals einen Herzstillstand. In Klinikakten ist von einem Suizidversuch die Rede, der dazu geführt haben soll. Die Frau fiel ins Koma und wachte erst nach Monaten wieder auf. Zurück blieben dauerhafte Schäden im Gehirn.

Trotz der schweren Behinderung heiratete Uwe O. seine damalige Lebensgefährtin. Sie ziehen von Berlin in ein Haus nach Strausberg. Zuletzt lebte Ursula O. bis zu ihrem Tod in einem Gartenhaus auf dem Grundstück und wurde dort von ihrem Ehemann und ihrem Sohn versorgt.

Die Staatsanwaltschaft wirft beiden Angeklagten vor, die pflegebedürftige Ehefrau beziehungsweise Mutter Dutzende Male misshandelt und eingesperrt zu haben. Sie stützt sich auf die Aussage des leiblichen Sohnes von Uwe O., der ihn in polizeilichen Vernehmungen und vor Gericht belastete. Ebenso existiert der Mittschnitt eines Gesprächs, in dem Mario B. einen Anschlag mit Tabletten auf seine Mutter offenbart hatte. Im Dezember 2012 starb die damals 52-Jährige an Herzversagen.

Von Misshandlungen können Zeugen aus dem Umfeld der Familie allerdings nicht berichten. Im Gegenteil: Sie schildern gestern, dass es Ursula O. an nichts fehlte. Sie sei nie geschlagen worden. Auch die Ärzte von Ursula O. hatten nichts Auffälliges bemerkt. Von blauen Flecken, die von Schlägen herrühren, wird nichts berichtet. Als der Notarzt nach ihrem Tod in dem Haus in Strausberg eintraf, kreuzte er „natürliche Todesursache“ an. Diese Diagnose wurde von einem Mediziner bei einer zweiten Leichenschau im Krematorium bestätigt. Dann wurde Ursula O. eingeäschert und in einer Urne bestattet.

Beweise für den Giftanschlag sind nur schwer zu rekonstruieren. Richter Matthias Fuchs deutet am Ende des vierten Verhandlungstages an, dass es sich in dem Fall nur noch um vermeintliche Körperverletzung handeln könne. Die Verteidiger beantragen die Freilassung ihrer Mandanten.

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erstellt am 01.Apr.2014 | 08:16 Uhr

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