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Schlechter Einfluss : Warnung vor Berliner Kriminellen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Brandenburg will den Jugendarrest mit Berlin zusammenlegen. Experten sehen dabei eine große Gefahr.

Bei einer Anhörung im Rechtsausschuss des Potsdamer Landtags haben sich Experten gestern gegen die geplante Zusammenlegung des Jugendarrests von Brandenburg und Berlin ausgesprochen. „Zwischen den Jugendlichen im Brandenburger Jugendarrest und den Berliner Großstadtjugendlichen gibt es erhebliche soziokulturelle Unterschiede“, sagte der stellvertretende Leiter der Brandenburger Jugendarrestanstalt, Matthias Deller. „Die Jugendkriminalität in der Millionenstadt Berlin hat eine grundlegend andere Qualität als in einer Kleinstadt oder einem Dorf in Brandenburg.“ Es bestehe die Gefahr einer erheblichen kriminellen Beeinflussung der Brandenburger Jugendlichen durch Berliner Häftlinge, sagte Deller, der auch Landesvorsitzender des Richterbundes ist. Eine getrennte Unterbringung von Berliner und Brandenburger Jugendlichen sei in Berlin baulich nicht möglich.


Eigener Neubau aus Kostengründen gestoppt


Brandenburgs einzige Jugendarrestanstalt in Königs Wusterhausen ist seit Jahren baufällig. Derzeit sind die wegen kleinerer Vergehen arrestierten Jugendlichen behelfsweise in Containern untergebracht. Aus Kostengründen hatte die rot-rote Landesregierung im letzten Herbst jedoch die Pläne für den Neubau einer eigenen Anstalt gestoppt, und Verhandlungen mit dem Land Berlin über eine gemeinsame Anstalt aufgenommen. Dies wurde auch von der Opposition unterstützt.

Brandenburgs Justizminister Helmuth Markov bestätigte kürzlich dieser Zeitung, dass die Verhandlungen gut vorankämen. Unklar sei allerdings, ob sich das Land Berlin bei einem gemeinsamen Vollzug des Jugendarrests auf ein Vollzugsgesetz einlasse, dass dem derzeit in der parlamentarischen Debatte befindlichen Brandenburger Gesetzesentwurf entspricht: Er sieht eine stärkere pädagogische Betreuung der arrestierten Jugendlichen vor.

„Der Jugendarrest soll zum Innehalten und zum Nachdenken führen“, machte der Kölner Pädagogikprofessor Philipp Walkenhorst deutlich. „Wir wollen die Jugendlichen für das Projekt der Demokratie, ihre Werte und Spielregeln begeistern.“ Auch Walkenhorst verwies jedoch darauf, dass im Berliner Jugendarrest Großstadtjugendliche einsäßen, während es in Brandenburg meist „Leute, die vom Land kommen“ seien. „Da braucht es unterschiedliche pädagogische Konzepte“, so der Wissenschaftler.

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