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Landtagswahl 2014 : Wahlkampf am Strand

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

In Zinnowitz geht die Linkspartei auf Stimmenfang / Brandenburgs Finanzminister Christian Görke ist mit von der Partie

Es riecht nach Fischbrötchen und Sonnenöl. Strandprinzessinnen im Bikini holen sich Eis, Urlauberinnen stöbern im Postkartenständer. An der Seebrücke von Zinnowitz herrscht Hochbetrieb. Touristen aus ganz Deutschland genießen ihren Ostseeurlaub – als plötzlich hinter einer Hecke Musik erklingt. Am Zinnowitzer Musikpavillon hängen Fahnen der Linkspartei. Eine Band spielt Beatles-Nummern. Es ist der Auftakt der traditionellen Ostseebädertour der Linkspartei.

„Wir machen hier die Abrechnung mit der großen Koalition“, sagt die Landesvorsitzende der Linken in Mecklenburg-Vorpommern, Heidrun Bluhm. Deren Überlegenheit im Bund führe schließlich dazu, dass Innenpolitik kaum noch stattfinde. „Wir werden als Opposition vor vollendete Tatsachen gestellt.“ Und weil in Brandenburg, Sachsen und Thüringen in wenigen Wochen Landtagswahlen stattfinden, sind auch die dortigen Spitzenkandidaten der Linken nach Zinnowitz gekommen: Bodo Ramelow, Rico Gebhardt und Brandenburgs Finanzminister Christian Görke. Im kurzärmeligen Oberhemd, mit Sonnenbrille und Bluejeans lehnt er am Geländer der Seebrücke. „Eigentlich hätten wir doch noch ein Volleyballnetz aufbauen und beachen können“, sinniert der Sportlehrer aus Rathenow. Doch es wartet Arbeit. „Wenn in Sachsen gewählt wird, enden die Schulferien“, sagt Rico Gebhardt. „Deswegen müssen wir mit dem Wahlkampf dorthin, wo die Wähler sind.“

Eine paar Dutzend Menschen hat auf den weißen Bänken vor dem Musikpavillon Platz genommen. An einem Infostand verteilen Helfer Sonnencreme. Die kleine rote Tube trägt die Aufschrift: „Die Sonne scheint, der Himmel lacht, das hat die Linke gut gemacht.“ Einigen stark übergewichtigen Herren, die im Schatten der wenigen Bäume mit nacktem Oberkörper ein kühles Bier genießen, wird auch das nichts nutzen. Auf der Bühne beginnt unterdessen eine Talkshow, moderiert vom Bodo Ramelow rezitiert ein Gedicht auf Platt, um zu zeigen, dass auch er ein Norddeutscher ist. Die Abrechnung mit der großen Koalition in Berlin lässt auf sich warten. Stattdessen wettert Ramelow gegen die Arbeitsbedingungen bei Amazon und Zalando und Gebhardt kritisiert die wenigen, von CDU und FDP in Sachsen neu eingestellten Lehrer.

Görke dagegen ist in der Dramaturgie die Lichtgestalt. Als Einziger darf er regieren.„Im Koalitionsvertrag haben wir festgelegt, dass wir 1.250 Lehrer einstellen. Nun sind es 2800 geworden“, freut sich der Minister. Dass das noch immer viel zu wenig sind, und das Land mit einer großen Anzeigenkampagne um neue Pädagogen werben muss, sagt Görke nicht. Dafür hebt er hervor, dass die Linke in Brandenburg das Wahlalter mit 16 einführte, und wirbt einmal mehr für die Gemeinschaftsschule. „Wir machen keinen Kulturkampf, wir wollen keine Schule schließen – aber an der Demographie können wir nichts ändern.“ Dann brandet Applaus auf. Das Zugpferd der Bundes-Linken kommt auf die Bühne. Gregor Gysi, der Fraktionsvorsitzende im Deutschen Bundestag. Unter dem Applaus der Zuhörer wettert er gegen Waffenexporte und den Bundeswehreinsatz in Afghanistan. „Die Isis-Armee: Von wem kriegt sie die meisten Waffen? Von den reichen Familien aus Katar“, so Gysi. „Und wer ist einer der wichtigsten Waffenlieferanten Katars? Deutschland.“ Hier sei ein Politikwechsel nötig.

Während Gysi redet, ist auch Reinhard Witzlau auf den Platz vor der Bühne gekommen. Eigentlich wollte der Urlauber aus Gransee (Oberhavel) nur ein Fischbrötchen holen. „Ich bin überrascht, unseren Finanzminister hier zu sehen“, sagt Witzlau. „Aber was er zur Bildungspolitik sagt, interessiert mich schon – da haben wir schließlich viele Probleme in Brandenburg.“ Dann geht er weiter, zum Strand. Schließlich will er ja Urlaub machen.

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