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Rückkehrer : Von Kapstadt nach Templin

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Aus der Uckermark wandern Jahr für Jahr immer noch bis zu 2000 Menschen ab. Der Trend drehe sich aber, Uckermärker wollten wieder zurück in ihre Heimat, sagte Ariane Böttcher vom Verein Zuhause in Brandenburg.

Aus der Uckermark wandern Jahr für Jahr immer noch bis zu 2000 Menschen ab. Der Trend drehe sich aber, Uckermärker wollten wieder zurück in ihre Heimat, sagte Ariane Böttcher vom Verein Zuhause in Brandenburg. Dabei hilft ihnen seit Frühjahr eine Willkommens-Agentur, die der Verein gegründet hat. Steffi Prutean sprach mit 38-jährigen Uckermärkerin.

Was hat sich die Agentur zur Aufgabe gemacht?
Ariane Böttcher: Wir vermitteln, beraten und informieren die Leute bei ihrem Plan, sich in der Uckermark anzusiedeln. Dabei geht es um solche, die schon mal hier gewohnt haben und um neue Zuzügler. Zugleich versuchen wir, die Uckermark in einem positiven Licht darzustellen, um Rückkehrer und Zuzügler zu interessieren. Bisher hat sich der Verein ehrenamtlich um das Thema gekümmert. Nun erlaubt eine bis Ende 2014 gewährte Förderung, dies hauptamtlich zu tun.
Weshalb sind die Leute nach der Wende aus der Uckermark weggangen und wohin hat es sie verschlagen?
Die ländlichen Regionen in Ostdeutschland sind seit Mitte der 1990er Jahre von einer enormen Abwanderungswelle geprägt worden. Der Hauptgrund war die fehlende Arbeit. Gerade die Uckermark war von besonders hohen Abwanderungsraten betroffen. Gegangen sind die ganz jungen Leute, die gut ausgebildeten Frauen. Schulabgänger sahen hier keine beruflichen Perspektiven. Inzwischen bessert sich das. Ein großer Teil ist in Berlin gelandet, viele in Nordrhein-Westfalen und Süddeutschland. Anfragen erreichen uns aber auch aus dem Ausland: Österreich, Schweiz, USA und Südafrika.

Können Sie das mit Zahlen belegen? Wie viele sind weg, wie viele zurück?
Es gehen in manchen Jahren bis zu 2000 Menschen weg, wenn man Abwanderung und Zuwanderung gegenüberstellt. Wie viele Menschen zurückkommen, kann ich nicht genau sagen. Nicht alle kommen über unseren Verein, so dass es da auch eine Dunkelziffer gibt. Seit der Gründung unserer Agentur im April 2013 betreuen wir 120 Personen, Kinder nicht mitgerechnet.
Wie helfen Sie Rückkehrern konkret?
Die Rückkehr ist nicht mit der Bestellung des Umzugswagens getan. Das kann ein unheimlich langer Prozess sein. Wer gegangen ist, ist meist allein weg, kommt aber oft mit Partner oder Familie zurück. Da muss viel mehr organisiert werden. Manche wollen sich selbstständig machen und benötigen Unterstützung. Wir suchen Arbeit, die passende Immobilie und helfen mit Informationen, vom Schulangebot bis zur Freizeitgestaltung. Mehr als 20 ehemalige Uckermärker sind über die Agentur wieder da.
Was müsste sich ändern, dass die Uckermark neben ihren landschaftlichen Reizen auch für Arbeit und Wohnen attraktiver wird?
Die Uckermark hat in den vergangenen Jahren eine positive Entwicklung genommen. Es hat sich viel bewegt. Es gibt inzwischen auch wieder Arbeit und es fehlen Fachkräfte. Wir müssen den Rückkehrwilligen zeigen, was sich seit ihrem Weggang alles verändert hat. Sie haben immer noch das Bild von damals vor Augen, als sie die Koffer packten. Da müssen wir gegenhalten.
Welche Berufsgruppen können auf Arbeit hoffen?
Das Gesundheitswesen sucht Fachkräfte vom Arzt bis zum Pfleger. Auch die Tourismusbranche hat Bedarf. Am Industriestandort Schwedt werden Techniker gebraucht. Das sind die ersten Bereiche, in denen der Fachkräftebedarf deutlich zu sehen ist. Wir gehen davon aus, dass das in Jahren auch auf andere Bereiche übergreifen wird.
Wie erfahren die potenzielle Rückkehrer von der Existenz der Willkommens-Agentur?
Über Facebook, Twitter, Blogs, Internetseiten, aber auch regionale Zeitungen. Die regionalen Medien sind wichtig, weil Eltern und Großeltern diese lesen und ein ureigenstens Interesse haben, die Jungen zurückzuholen. So vereinbaren Großeltern mal einen Termin für den Enkel oder Eltern für ihren Sohn oder ihre Tochter. Die Nachfragen sind deutlich höher als wir erwartet haben.

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erstellt am 09.Jan.2014 | 11:32 Uhr

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