Politikerin stürzt ab : Vom Reichstag ins Jobcenter

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Doch bei den Bundestagswahlen im September 2013 flog die Barnimer Abgeordnete aus dem Parlament. Ihr Direktmandat verlor sie an den CDU-Mann Jens Koeppen, und auf der Landesliste war sie viel zu schlecht platziert. Womit die Brandenburger Variante des amerikanischen Traums ein jähes Ende fand.

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07. Juli 2014, 07:43 Uhr

„Wir begrüßen auch unsere Bundestagsabgeordneten Birgit Wöllert und Harald Petzold“, sagt der Cottbuser Linken-Chef Matthias Löhr. „Die anderen werden sicher noch kommen.“ Als der zuständige Ortsverbandschef der Linken den Landesparteitag der Linkspartei in einem Tagungshotel der Lausitzmetropole eröffnet, sitzt Sabine Stüber in der zweiten Reihe von hinten und klatscht. Vor einem Jahr noch wäre an dieser Stelle auch sie begrüßt worden. Doch bei den Bundestagswahlen im September 2013 flog die Barnimer Abgeordnete aus dem Parlament. Ihr Direktmandat verlor sie an den CDU-Mann Jens Koeppen, und auf der Landesliste war sie viel zu schlecht platziert.

Womit die Brandenburger Variante des amerikanischen Traums ein jähes Ende fand. Denn bis zum 14. September des letzten Jahres las sich das Leben der heute 60-Jährigen wie eine typische „Vom Tellerwäscher zum Millionär“-Geschichte.

Nach der Wende in der DDR schlug sich die gelernte Ingenieurin für Landmaschinenbau mit Jobs in Programmen zur Gleichstellung von Frauen und als Koordinatorin eines Projekts zur Integration von Langzeitarbeitslosen durch. Und bevor sie im Herbst 2009 in den Deutschen Bundestag einzog, war Sabine Stüber gut 18 Monate arbeitslos. Selbst für ihre eigene Partei war der Wahlerfolg damals eine faustdicke Überraschung: Eine völlig unbekannte Linke hatte dem letzten DDR-Außenminister Markus Meckel das Direktmandat abgerungen.

Im Bundestag war Stüber dann Mitglied im Umwelt- und im Petitionsausschuss. Sie kämpfte für die Bahnlinie Berlin-Stettin, „mit meinen Briefen habe ich den Ramsauer nachhaltig geärgert“.

Ihre Partei freilich hatte mehr von der Abgeordneten erwartet – als die Brandenburger Linke vor der Bundestagswahl im letzten Herbst die Landesliste aufstellte, war schnell klar, dass Stübers politische Karriere wohl beendet war.

Und während der ehemalige FDP-Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel bei einem Rüstungsunternehmen anfängt, die frühere Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) als Botschafterin im Vatikan antritt und selbst der zurückgetretene Bundespräsident Christian Wulff als Bestsellerautor reüssiert, hat Sabine Stüber bislang kein Glück gehabt. Auf alle Bewerbungen, die sie nach ihrem Ausscheiden aus dem Parlament schrieb, erhielt sie eine Absage.

Sabine Stüber ist wieder arbeitslos. „Das Übergangsgeld, das jeder Abgeordnete nach seinem Ausscheiden aus dem Bundestag erhält, ist längst ausgelaufen“, sagt Stüber. „Ich lebe heute von meinen Ersparnissen.“ Politisch immerhin hat die frühere Bundestagsabgeordnete einen Achtungserfolg zu verzeichnen: Bei den Kommunalwahlen im Mai errang sie ein Mandat im Kreistag Barnim. Doch dass ein Unternehmen bei ihr anruft, und sie für einen Spitzenjob an Bord holt, ist wohl nur ein ferner Traum: Eine Hinterbänklerin der Linksfraktion aus dem Nordosten Brandenburgs ist für die Wirtschaft nicht wirklich interessant. Demnächst wird Sabine Stüber wieder zum Jobcenter gehen müssen. „Wenn das Geld alle ist, werde ich wieder Hartz IV beantragen.“

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