Berliner Flughafen : Vom BER fliegt vorerst niemand

Die Planungen des BER ziehen sich weiter hin und vom Bau des Hauptstadtflughafens selbst hört man derzeit sehr wenig.
Die Planungen des BER ziehen sich weiter hin und vom Bau des Hauptstadtflughafens selbst hört man derzeit sehr wenig.

Planungen ziehen sich weiter hin / Inbetriebnahme 2019 nicht ausgeschlossen / Aufsichtsrat äußert sich in der nächsten Woche

svz.de von
01. Dezember 2014, 21:25 Uhr

Was hat es nicht alles schon beim BER gegeben? Neben aberwitzigen Terminverschiebungen machten vor allem schillernde Persönlichkeiten von sich reden. Man liest von hohen Entschädigungen für gefeuertes Personal. Nur vom Bau selbst hört man wenig. Wenn es so weitergeht, dann werden wohl in manchen Gegenden Deutschlands Straßen, Plätze oder Kleinflughäfen nach den Brandt-Enkeln benannt, während der vergilbende Namenszug des berühmten sozialdemokratischen Großvaters weiter zum traurigen Antlitz eines toten Großflughafens gehören wird.

Doch unverdrossen wirbt die Flughafengesellschaft im Internet mit einer geradezu aufreizenden Beschreibung. „Der Flughafen Berlin Brandenburg ist ein moderner Flughafen“, heißt es dort: „Mit kurzen Wegen, bei dem das Terminal zwischen den beiden parallel angelegten Start- und Landebahnen liegt.“

Ist ein Terminal auch ohne Fluggäste ein Terminal? Oder nur eine Halle, die darauf wartet, zu einem Terminal-Museum zu werden? Wichtiger ist jedoch eine andere Aussage aus der offiziellen BER-Verlautbarung. Und die geht so: „Je nach Passagierentwicklung kann der Flughafen für bis zu 45 Millionen Fluggäste ausgebaut werden.“ Wenn das so einfach ist, dann fragt sich, warum Flughafenchef Hartmut Mehdorn mal Tegel, mal Schönefeld behalten will. Eigentlich sollten beide Flughäfen nach der BER-Eröffnung schließen.

Weil schon jetzt 27 Millionen Passagiere den Luftweg von beziehungsweise nach Berlin nutzen, der neue „Großflughafen“ aber zunächst exakt 27 Millionen abfertigen können soll, bedarf es einer Notlösung. Die Lage ist sogar noch brenzliger. Im August hatte Flughafen-Chef Mehdorn erklärt, die Geschäftsführung könne bei einem Start des BER nur für 21 Millionen Fluggäste die Verantwortung übernehmen.

Am 19. September hat der Aufsichtsrat der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) grünes Licht für die Vorlage der Geschäftsführung gegeben, „den Ausbau des BER-Flugbetriebs vertieft zu untersuchen.“ In der Vorlage ist von dem Weiterbetrieb des alten Schönefelder Flughafens und von einem „Ausbau des Areals am BER“ die Rede. Außerdem wird für die Flugbereitschaft der Bundeswehr „eine Interimslösung“ gesucht. Das ist auch dringend nötig. Den Regierungsfliegern war eigentlich der bislang in Schönefeld betriebene Airport fest in Aussicht gestellt worden und die Kanzlerin wird vermutlich nicht nach Neuhardenberg oder Eberswalde ausweichen wollen.

Anfang November tauchten dann in der Öffentlichkeit vertrauliche Pläne über die BER-Erweiterung auf. Kosten: Eine Milliarde Euro. Mehdorn sprach von einem „uralten Papier“ und dementierte die Planung einer dritten Startbahn. Die wäre im Moment auch nicht durchsetzbar. Weil aber der BER derzeit null Reisende sieht und dafür nun wirklich überdimensioniert ist, will Brandenburgs Flughafenkoordinator Rainer Bret-schneider Taten sehen.

Gleichzeitig wehrt er sich gegen die Behauptung, beim BER würde nichts geschehen. „Es passiert eine Menge“, sagte Bretschneider dieser Zeitung. „Zum Beispiel beim Schallschutz. Tausende Anspruchsbriefe wurden jetzt versandt. An den Plänen für den Brandschutz und die Entrauchungsanlage wird intensiv gearbeitet. Allerdings sind sie noch nicht fertig.“ Mit der Fertigstellung wird im Frühjahr oder Sommer des kommenden Jahres gerechnet.

Wie gebannt starren nun viele auf die Aufsichtsratssitzung am 12. Dezember. Auf der wollte Hartmut Mehdorn ursprünglich endlich einen Eröffnungstermin nennen. Aber niemand ist wirklich darüber überrascht, dass daraus nichts wird. Was aber könnte Mehdorn vortragen? „Entscheidend ist, dass es endlich belastbare Fakten sind. Ob dann ein Eröffnungstermin oder ein Zeitkorridor genannt werden, ist für mich jetzt zweitrangig“, so der Flughafen-Staatssekretär Bretschneider. Auf die Frage, ob er noch Vertrauen zu Hartmut Mehdorn hat, antwortete Bretschneider so: „Die Frage stellt sich nicht. Wir müssen jetzt einen neuen Aufsichtsrat wählen.“

Nur ist nach wie vor nicht klar, wie der künftig besetzt werden soll. Vor allem: Wer übernimmt den Vorsitz? Nach allem was man aus Berlin und Potsdam hört, könnte es auf eine externe Personalie hinauslaufen. Rainer Bretschneider jedenfalls sieht dem 12. Dezember „mit Neugier“ entgegen. Mittlerweile ist eine ganz neue zeitliche Perspektive aufgetaucht.

Schuld daran ist eine europaweite Ausschreibung für „Diverse Hilfstätigkeiten für den Luftverkehr“. Es geht um Umzüge und vor allem um einen geplanten neuen Probebetrieb. Von dem erfährt man, dass er nach Fertigstellung fünf bis sieben Monate andauern soll.

Über den Beginn heißt es in der Ausschreibung: „Auf Grund der Tatsache, dass zum jetzigen Zeitpunkt die Nennung eines konkreten Inbetriebnahmetermins nicht möglich ist“, wird die geforderte Leistung „als Rahmenvertrag ausgeschrieben.“ Die Firmen dürfen sich laut Ausschreibung um Aufgaben bewerben, die irgendwann innerhalb von 54 (!) Monaten zu erbringen sind.

Im Zweifelsfall würde der Flughafen dann im Jahr 2019 eröffnet. Eine Eröffnung im Jahr 2016 ist jedenfalls absolut unrealistisch. Die Genehmigung für das Hauptterminal läuft aber im Oktober 2016 aus. Der Vertrag mit Hartmut Mehdorn übrigens schon am 2. Februar 2016. Dass Mehdorn danach BER-Chef bleibt, ist unwahrscheinlich.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen