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Demonstration in Potsdam findet auch im Landtag Gehör : Volksinitiative will kein „Mekka der Massentierhaltung“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Eine gute halbe Stunde lang durften die Initiatoren der Volksinitiative ihre Argumente vortragen.

Sogar Walter Ulbricht war auf einem Transparent zu sehen: „Niemand hat die Absicht, Boden, Wasser und Luft mit Tonnen von Gülle zu verpesten“, wurde ihm in den Mund gelegt. Grund waren die knapp 100 Anhänger der Volksinitiative gegen Massentierhaltung, die gestern vor dem Potsdamer Landtag demonstrierten. Mit Schildern, Flugblättern und einem Traktor versuchten sie, ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen.

Drinnen, im Parlament, wurden sie gehört: Weil die Volksinitiative gegen Massentierhaltung im vergangenen Jahr 34  000 Unterschriften gesammelt hatte, hatte der Ausschuss für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Entwicklung zu einer Anhörung geladen. Eine gute halbe Stunde lang durften die Initiatoren der Volksinitiative ihre Argumente vortragen. „Brandenburg wird zu einem Mekka der Massentierhaltung“, sagte der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft, Jochen Fritz. In Tornitz bei Vetschau sei ein Betrieb mit 50  000 Mastschweinen geplant, in Neuhausen bei Cottbus sollen 2,2 Millionen Legehennen aufgestallt werden. Aus Sicht der Volksinitiative birgt das Gefahren: Durch jeden Großinvestor würden bäuerliche Betriebe ihre Existenzgrundlage verlieren. Sie könnten dem Konkurrenzdruck nicht mehr standhalten. Die in der Massentierhaltung verwandten Antibiotika schädigten auch die menschliche Gesundheit. Und die Tiere müssten leiden.

„Die Schwänze von Ferkeln und die Schnäbel von Vögeln werden schmerzhaft und ohne Betäubung gestutzt“, sagt das Vorstandsmitglied des Landestierschutzverbands, Ellen Schütze. „Wir fordern ein Kupierverbot, ein Verbandsklagerecht für den Tierschutz und einen Landestierschutzbeauftragten.“

Die zur Anhörung geladenen Experten unterstützten mehrheitlich die Volksinitiative. „Der Tierschutz gilt für alle Tiere, egal ob in einer großen oder einer kleinen Haltung“, sagte der Professor für Tierhaltung an der Universität Halle-Wittenberg, Eberhard von Borell. Ziel müssten „intakte, unversehrt gehaltene Tiere in bedarfsgerechten Gruppen“ sein. Wolfgang Witte vom Robert-Koch-Institut verwies darauf, dass in Gegenden mit Massentierhaltung, wie dem Münsterland, auch die Zahl der multiresistenten Krankenhauskeime zunehme. Schuld daran trage die massenhafte Verwendung von Antibiotika in der Tierhaltung. „Es ist uns geglückt, die Verbreitung multiresistenter Keime in Krankenhäusern zu reduzieren“, so Witte. „Es kann nicht sein, dass wir durch die Tierhaltung jetzt das Gegenteil erleben.“ Und der Professor für Veterinärpathologie an der tierärztlichen Hochschule Hannover, Wolfgang Witte, warnte: „Wir können Tiere nicht in Ställen halten, wo sich nur das Kapital wohlfühlt.“

Doch während sich die Grünen vor der Anhörung noch in die Reihe der Demonstranten vor dem Landtag einreihten, verhielt sich das Regierungslager eher passiv. „Ich bin nur zum Zuhören hier“, sagte etwa Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD). Die Volksinitiative richte sich nur an den Landtag, das Ministerium müsse später sehen, wie man damit umgehe. Der SPD-Landwirtschaftspolitiker Udo Folgart, im Ehrenamt Präsident des Landesbauernverbands, verwies darauf, dass die Anzahl der Tiere in einem Stall nichts mit deren Wohlbefinden zu tun habe: „Für uns kommt es darauf an, wie die Tiere gehalten werden. [...] Das kann auch in einem großen Betrieb sehr verantwortungsvoll geschehen.“ Dagegen erklärte der Landesvorsitzende der Grünen, Clemens Rostock, die Brandenburger hätten Tierfabriken und Genfood „Die Zeit ist reif für eine echte Agrarwende in Brandenburg!“


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