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Vor Landtagswahl : Turbo-Abi und Polizei – Erstwähler prüfen Politiker

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Jugendliche fragen – Politiker antworten: Eine Ungewohnte Übung für Brandenburgs Spitzenkandidaten.

Die Jugend will mehr Unterricht und mehr Polizisten – diese Aufträge konnten die Spitzenpolitiker für ihren Wahlkampf in Brandenburg zumindest aus einer Podiumsdiskussion im katholischen Marien-Gymnasium in Potsdam mitnehmen.

Erstmals dürfen bei der Landtagswahl im September auch 35 000 junge Brandenburger ab 16 Jahren wählen. Und deswegen waren die Spitzenkandidaten der Parteien am Dienstagabend in die Sporthalle des Gymnasiums in einem Villenviertel des Stadtteils Babelsberg gekommen. Doch die Jugend ließ ihre Chancen seltsam ungenutzt.

Journalistin Ursula Weidenfeld stellte als Moderatorin vorformulierte Fragen zum „Turbo-Abitur“ nach 12 Schuljahren, zur Sicherheit vor Kriminalität und zur Finanzierung der Gemeinden in den ländlichen Regionen. Diese Themen hatten bei einer Umfrage unter den Schülern offenbar das größte Interesse erzeugt.

Beim Thema Kriminalität gab es immerhin auch mal Bewegung im Publikum. „Soll ich etwa künftig mein Fenster zumachen, wenn ich mit meinen Freundinnen 'rausgehe?“, fragte die 17-jährige Lianne empört Bildungsministerin Martina Münch (SPD), die Vorbeugung vor Verbrechen als Alternative zum Polizeieinsatz danach empfohlen hatte.

Die meisten Jugendlichen votierten gegen das „Turbo-Abitur“ und wollten lieber ein Jahr länger lernen. Das Podium mit Finanzminister Christian Görke (Linke) und CDU-Chef Michael Schierack verhakelte sich derweil am Thema vorbei in Fragen der Finanzierung von mehr Lehrerstellen.

Den meisten Applaus erntete FDP-Fraktionschef Andreas Büttner, der wie Schierack für mehr Polizisten auf den Straßen plädierte. „Was nützt mir eine Polizei, die erst nach einer halben Stunde kommt, wenn mir jemand das Messer an die Kehle hält“, fragte Büttner. „Der wurde wenigstens mal konkret mit praktischen Beispielen“, sagte Benedict Baus. Ähnlich äußerten sich viele seiner Mitschüler.

Ob sie denn nach der Diskussion weiter für das Wahlrecht ab 16 seien, wollte Moderatorin Weidenfeld zum Schluss wissen. „Konsequent: Nein!“, antwortete Schierack, denn die CDU hatte gegen das Wahlrecht für Jugendliche bei Landtagswahlen gestimmt. Das sollte er sich vielleicht nochmal überlegen. Denn zumindest die wenigen Fragesteller im Publikum hatte die Podiumsdiskussion nicht auf neue Gedanken gebracht. „Wieso, ich bin doch in der Partei“, meinte Lianne selbstbewusst. In welcher? „Na in der CDU!“ Kritisch merkte sie trotzdem an: „Schierack hat auch schon bessere Tage gehabt.“ Auch ihr Mitschüler Alexander, der mehr Polizisten an der Grenze zu Polen gefordert hatte, outete sich ebenso wie sein Schulkamerad und Mitorganisator Maximilian als CDU-Mitglied. Da kann Büttner trotz Punkt-Siegs in der Applaus-Wertung noch nicht zuversichtlicher auf den Wiedereinzug seiner FDP in den Potsdamer Landtag hoffen.

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