E-Bike : Trethilfe für Pendler

E-Bikes haben nun auch verstärkt die Kunden zwischen 25 und 40 Jahren erreicht.
E-Bikes haben nun auch verstärkt die Kunden zwischen 25 und 40 Jahren erreicht.

Senat will Berufstätigen den Umstieg auf das E-Bike schmackhaft machen

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26. März 2015, 13:51 Uhr

Einen hausinternen Wettbewerb, welcher Mitarbeiter die meisten Kilometer mit dem Rad abspult, gibt es zwar nicht, sagt Wolfgang Lorenz, Energiebeauftragter beim Kreis Potsdam-Mittelmark. „Aber es gibt in der Verwaltung gewisse Härtefälle“, meint er halb im Scherz. So sei eine Mitarbeiterin der Teltower Außenstelle fast jeden Tag per Muskelkraft nach Potsdam gefahren – mit einem E-Bike. „Sie hat in zwei Monaten mehr als 1700 Kilometer geschafft“, sagt Lorenz.

Der sportliche Ehrgeiz wird auch in drei Wochen wieder geschürt: Dann beteiligt sich die Kreisverwaltung zum zweiten Mal am Berliner Projekt „E-Bike-Pendeln“. 17 Mitarbeiter, die bislang mit dem Auto zum Büro fahren, wollen den Umstieg auf das Rad wagen. „Bei uns pendeln die Leute in alle Richtungen, oft auf die bequeme Weise“, erzählt Lorenz. Das Projekt sei ein guter Startschuss, um mehr Mitarbeiter von umweltfreundlichen Alternativen zu überzeugen.

Der Senat für Stadtentwicklung fördert dabei die kostenlose Nutzung von 100 E-Bikes, die im April in Potsdam an Pendler aus dem Südwesten Berlins sowie aus Umlandgemeinden wie Teltow und Stahnsdorf ausgegeben werden. Es ist die dritte Testphase eines Projekts, das seit 2014 läuft und an dem in den ersten zwei Runden 140 Pendler teilgenommen haben. Über das Bundesprogramm „Schaufenster Elektromobilität“ wird es mit 1,4 Millionen Euro gefördert. Die Resonanz ist groß, es gab Hunderte Bewerber.

„Das ist ein kostenintensives Projekt, aber wir erhoffen uns neue Impulse für die Verkehrsplanung“, sagt Behördensprecherin Petra Rohland. Nach einer wissenschaftlichen Auswertung der Erfahrungen sollen politische Handlungsempfehlungen entstehen. „Es geht darum, Straßen und Wege weiter an den Radverkehr anzupassen“, sagt sie. Selbst über den Bau von Fahrradparkhäusern oder abschließbaren Boxen an zentralen Bahnhöfen wird derzeit nachgedacht. „Es fehlen noch sichere Abstellmöglichkeiten für diese teuren Räder“, betont Rohland.

Pedelecs, wie E-Bikes auch genannt werden, werden zwar vor allem im Urlaub und in der Freizeit gefahren, spielen in Großstädten aber bislang keine Rolle. Die Branche erkennt noch große Potenziale – schließlich hat laut einer aktuellen Studie die Hälfte der täglich 30 Millionen Pendler bundesweit einen Arbeitsweg von weniger als zehn Kilometern. Immerhin wurden im vergangenen Jahr bereits 480  000 E-Bikes in Deutschland verkauft, wie der Zweirad-Industrie-Verband meldete. 2,1 Millionen Pedelecs sind bereits im Einsatz.

Auch im Radhaus Potsdam, das im April die Elektrofahrräder an die Projektteilnehmer aushändigt, spürt man den Boom. „Seit zwei Jahren wandelt sich der Markt“, sagt die Vize-Geschäftsführerin Stephanie Engler. Vorher sei das Produkt vor allem von Älteren nachgefragt worden, jetzt kommen in die Filialen des Fahrradhändlers auch Kunden zwischen 25 und 40 Jahren, um ein E-Bike zu erwerben. Deren Anteil bei den Verkäufen liege in Potsdam und Umgebung schon bei zehn Prozent, sagt sie. Dabei handele es sich meist um Modelle, bei denen Motoren die Fahrer bis zu Tempo 25 unterstützen. „Für Pendler ist das ideal, man kommt nicht mit verschwitztem Hemd zur Arbeit“, sagt Engel. Auf dem Heimweg könne man die Trethilfe ja ausschalten, um Sport zu machen.

Nach Erhebungen des Senats nimmt der Berufsverkehr zwischen Brandenburg und Berlin weiter zu, dadurch sind immer mehr Straßen verstopft.

Aus Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming pendeln täglich 35  000 Menschen nach Berlin ein. Vor allem Pendler mit kurzen Wegen versucht der Senat zum Umsatteln zu bewegen. „Wir wollen nach und nach weg vom Kfz-Verkehr in der Stadt“, sagt Rohland und verweist auf ein Programm, mit dem Radfahrstreifen auf Straßen ausgebaut werden. Eine gute Infrastruktur sei für E-Bikes zwingend notwendig, da diese höhere Geschwindigkeiten erreichen. Die Teilnehmer sollen daher auch über den Zustand der Radwege und gefährliche Kreuzungen berichten, sagt die Sprecherin. Hoffnung auf Rad-Schnellstraßen macht sie jedoch nicht. „Dafür fehlt in Berlin einfach der Platz.“

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