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alter Landtag wird verkauft : Traum oder Albtraum?

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Kommende Woche will das Finanzministerium das Ergebnis eines Ausschreibungsverfahrens für den alten Landtag präsentieren. Bis Ende Januar lief die Vermarktung. Ob sich auf Anhieb ein Investor für die problematische Immobilie findet, ist fraglich.

svz.de von
erstellt am 31.Jan.2015 | 08:00 Uhr

Kommende Woche will das Finanzministerium das Ergebnis eines Ausschreibungsverfahrens für den alten Landtag präsentieren. Bis heute läuft die Vermarktung. Ob sich auf Anhieb ein Investor für die problematische Immobilie findet, ist jedoch fraglich. Zwar ist der Ausblick über Potsdam fantastisch und es war immer wieder davon geschwärmt worden, wie großartig sich diese Sicht in Form eines Hotels oder von Eigentumswohnungen vermarkten ließe, aber beim Blick fangen die Probleme auch schon an.

Der Turm, der die beste Übersicht über die Landeshauptstadt und ihre Parks bietet, ist seit Jahren baupolizeilich gesperrt. Bei einer Sanierung wäre noch zu klären, ob das seit Kriegsende existierende provisorische Dach nicht durch die ursprünglich viel höhere Turmbekrönung ersetzt werden müsste. Die Fenster im Hauptgebäude, die zur Stadt weisen, liegen in endlos langen Gängen. Die Zimmer befinden sich fast ausschließlich auf der Hofseite. Das Innere müsste also vollständig umgekrempelt werden, um den Blick zu vermarkten – und das, ohne die denkmalgeschützte Fassade der ehemaligen Reichskriegsschule zu verändern.

Die schöne Aussicht resultiert aus der Platzierung des Gebäudes auf einem der höchsten Hügel der Umgebung. Und damit ist ein weiteres Problem verbunden: die Erreichbarkeit.

Zum Gelände auf dem Brauhausberg führt nur eine Straße, und die führt zudem über eine schmale Brücke. Schon zu Landtagszeiten war dieser Zustand als unhaltbar erkannt worden und führte letztlich mit dazu, dass das Parlament seinen Sitz an den Alten Markt verlegte. Die Stadtverordneten haben inzwischen im Bebauungsplan festgelegt, dass eine zweite Zufahrt zum Brauhausberg für Rettungsfahrzeuge und die Feuerwehr geschaffen werden muss. Eine Erschließungsstraße, deren Kosten der Investor zu tragen hat und nicht die Stadt.


Hoffen auf gewerbliche Nutzer


In Immobilienkreisen war man deshalb schon im vergangenen Herbst zu Beginn der Investorensuche skeptisch, ob das Finanzministerium von potenten Investoren mit Angeboten überschüttet werden würde. Mike Schubert, Fraktionschef der SPD in der Stadtverordnetenversammlung, hofft dennoch. Vor allem auf potenzielle gewerbliche Nutzer. Ob sich im alten Landtag Ausgründungen der vielfältigen Potsdamer Forschungslandschaft ansiedeln werden, dürfte jedoch in ersten Linie von künftigen Mietpreisen abhängen.

Unterhalb der leer stehenden Immobilie soll in den nächsten Jahren ein völlig neues Stadtviertel entstehen. An den Fundamenten für die 36 Millionen Euro teure neue Schwimmhalle wird bereits gearbeitet. Nach deren Fertigstellung wird das alte Bad abgerissen und mit dem Wohnungsneubau am Fuße des Brauhausberges begonnen. Noch ist nicht entschieden, ob das frühere Terrassen-Restaurant „Minsk“ als Zeugnis der DDR-Bebauung in die Neugestaltung integriert wird. Eine Bürgerinitiative hatte sich gegen den drohenden Abriss gewehrt. In einem daraufhin initiierten Interessenbekundungsverfahren hatte der Landessportbund das interessanteste Angebot abgegeben. Das Projekt ist in den Ausschussmühlen der Stadtverordnetenversammlung gelandet – Ausgang offen.

Schließlich würde ein Abriss und der Verkauf für Wohnungsneubauten mehr Geld in die Stadtkassen spülen. „Wir prüfen noch den Bedarf“, erklärte Schubert dazu. An Kindern dürfte es indes nicht mangeln, selbst wenn auf dem Brauhausberg in absehbarer Zeit wenig passiert. Richtung Havel ist bereits die alte Speicherstadt zu einem Wohngebiet umgestaltet worden, die Erweiterung des Gebietes Richtung Hauptbahnhof folgt demnächst. Und die ehemalige Brauerei am Fuße des Berges wird zurzeit zu Wohnungen umgebaut.

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