Zum neuen Schuljahr 1100 neue Lehrer : Syrer retten Golzow-Schule

21  000 Kinder werden am Samstag in die erste Klasse eingeschult.
21 000 Kinder werden am Samstag in die erste Klasse eingeschult.

Für 21 000 Brandenburger Schüler beginnt morgen der Ernst des Lebens: Sie werden in die erste Klasse eingeschult.

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28. August 2015, 12:00 Uhr

Für 21  000 Brandenburger Schüler beginnt morgen der Ernst des Lebens: Sie werden in die erste Klasse eingeschult. Und für mindestens 1100 Lehrer beginnt ein neuer Lebensabschnitt: Sie beginnen ihren Dienst an den Schulen Brandenburgs. Von ihnen werden allerdings 290 nur befristet eingestellt. Diese Zahlen gab Bildungsminister Günter Baaske (SPD) gestern in Potsdam bekannt. Derzeit seien an Brandenburgs Schulen noch 40 Lehrerstellen unbesetzt. Die von Baaske angedachte „Buschzulage“, um Lehrer in unterversorgte ländliche Räume zu holen, habe noch nicht zur Anwendung kommen müssen. Sie sei allerdings auch noch nicht mit dem Personalrat abgestimmt.

Der SPD-Politiker betonte, dass „die Vermeidung des Unterrichtsausfalls auch im neuen Schuljahr politische Priorität“ haben werde. Im letzten Schuljahr sei insgesamt 1,7 Prozent des Unterrichts an Brandenburger Schulen ersatzlos ausgefallen. An einigen Schulen war so viel Unterricht entfallen, dass 1  500 Schüler zum Halbjahr unvollständige Zeugnisse erhielten – die Fächer konnten nicht benotet werden. Baske kündigte deshalb an, das Gesundheitsmanagement von Lehrern weiterzuentwickeln. Ziel müsse es sein, den insbesondere am Ferienende schlagartig wachsenden Krankenstand von Lehrern zu verringern.

Besonders beansprucht wird das Brandenburger Schulsystem auch in diesem Jahr durch rund 3  000 Flüchtlingskinder, die nach den Sommerferien in die Brandenburger Schulen kommen. Sie würden etwa 1,2 Prozent der mehr als 250  000 Brandenburger Schüler ausmachen, sagte Baaske. Im Unterschied zum Thüringer SPD-Chef Andreas Bausewein sprach sich Baaske dafür aus, die Schulpflicht für Flüchtlingskinder unbedingt beizubehalten. Für ihre Betreuung stünden 124 Lehrer außerhalb des normalen Kontingents bereit, um etwa zusätzlichen Deutschunterricht anzubieten.

Und mancherorts sind die Kinder aus Syrien oder Afghanistan sogar die Rettung für das Schulsystem: In Golzow, einem kleinen Dorf im Landkreis Märkisch Oderland, sorgten zwei Erstklässler aus Syrien dafür, dass die Grundschule weiter betrieben werden kann. Ohne die Einschulung der Flüchtlingskinder wäre die Existenz der durch die Dokumentationsfilme „Die Kinder von Golzow“ bekannten Schule gefährdet gewesen, sagte Baaske in Potsdam.

Die bildungspolitische Sprecherin der Linken in Potsdam, Kathrin Dannenberg, nannte die Neueinstellungen einen „Erfolg von rot-rot“: „Eine Herausforderung bleibt aber der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Förderbedarf, besonders an den Grund- und Oberschulen“, so Dannenberg. Häufig stünden die Lehrkräfte vor viel zu großen Klassen, weil der Richtwert von maximal 23 Schülerinnen und Schülern überschritten wurde. „Schulen besonders auf dem Land müssen zugezogene Kinder oder Wiederholer abweisen – ein Zustand, der für die Betroffenen unzumutbar lange Schulwege mit sich bringt.“

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