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Antiquitäten und Kunst : Suche nach DDR-Raubkunst

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Pilotprojekt scheitert an Stasi-Akten / Forschung zeigte bislang keine Ergebnisse / Dringender Handlungsbedarf angemahnt

svz.de von
erstellt am 03.Feb.2015 | 17:37 Uhr

Zu DDR-Zeiten wurde Kunst enteignet, Sammler wurden zum Verkauf gezwungen oder Antiquitäten zurückgehalten, wenn Bürger das Land verließen. Die Diskussion, wie mit den Werken heute umzugehen ist, steht auch in Brandenburg noch ganz am Anfang.

Doch läuft schon seit Jahren in der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten die Forschung zu Kunstgegenständen, die während der NS-Zeit jüdischen Besitzern entrissen oder abgepresst wurden. Mehr als 150 Werke wurden bereits den Erben früherer Besitzer zurückgegeben.

Die Frage, wie mit Kunst umzugehen ist, die der DDR-Staat sich unrechtmäßig aneignete, steht jedoch noch ganz am Anfang. Ein Forschungsprojekt, das die Stiftung 2012 gemeinsam mit der Bundesstiftung Aufarbeitung SED-Diktatur in Angriff genommen hatte, zeigte bislang keine Ergebnisse. Es sollte untersucht werden, ob zu DDR-Zeiten enteignete Kunstwerke in die Bestände der Schlösserstiftung gelangten. Die Akten der von der Stasi kontrollierten Abteilung Kommerzielle Koordinierung (KoKo) im Außenhandel der DDR waren jedoch bislang nicht zugängig, so ein Sprecher der Stiftung.

Bereits 2011 hatten Wissenschaftler auf einer Konferenz in Potsdam dringenden Handlungsbedarf angemahnt. Der Jurist Ulf Bischof hat den DDR-Kunstexport untersucht. Er geht davon aus, dass rund 200 Sammlern Kunstwerke entzogen wurden, zum Teil mit fadenscheinigen Steuerforderungen. Antiquitätenhändler, vor allem in Sachsen, wurden systematisch in den Ruin getrieben, um an die Kunstwerke zu kommen. In den 80ern wurde jährlich Kunst im Wert von 30 bis 40 Millionen D-Mark in den Westen exportiert. Ein Viertel davon war zuvor privaten Sammlern entzogen worden, schätzte Bischof.


Eigentlich sollten Rückgaben geregelt sein


Kulturministerin Sabine Kunst (SPD) erklärt, dass im Rahmen der Kulturstiftung der Länder das Thema endlich angegangen werden muss. Zunächst geht es darum, sich einen Überblick über die unterschiedlichen Bedingungen zu verschaffen, unter denen Kunst enteignet wurde. Betroffen sind auch die Werke, die diejenigen zurücklassen mussten, die aus der DDR ausreisten oder flohen.

Im Museum Junge Kunst in Frankfurt (Oder) wird darauf verwiesen, dass aufgrund unbesetzter Stellen zurzeit keine Forschung zur Herkunft von Kunstwerken betrieben werden kann. Im Kunstarchiv Beeskow gibt es nach jetzigem Stand der Dinge keine enteignete Kunst, erklärt Ilona Weser, Kulturdezernentin des Landkreises Oder-Spree.

Während enteignete Kunst nach 1949 noch kein Thema ist, wird noch an den Eigentumsfragen aus der Zeit von 1945 und 1949 gearbeitet. Das Entschädigungs- und Ausgleichsgesetz von 1994 sah vor, dass die im Zuge der Bodenreform enteigneten Ländereien nicht zurückerstattet werden, wohl aber das bewegliche Kulturgut. Eigentlich sollten diese Rückgaben bis 2014 geregelt sein. Die Stiftung Schlösser und Gärten schaffte dies. Die letzten Verhandlungen ergaben, dass ein Gemälde im Marmorpalais als Dauerleihgabe bleiben darf, und ein Konvolut an Möbeln, das aus Schlossbergungen nach dem Krieg stammte, wurde für Schloss Paretz angekauft.

Anders sieht die Lage in der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Branitz aus. Dort konnte mit den Erben noch keine Einigung über einen Teil der Inneneinrichtung und die Bibliothek erzielt werden, heißt es im Kulturministerium. Im Landeshauptarchiv gibt es noch zwölf Rückübertragungsvorgänge aus der Nachkriegszeit, die insgesamt 19 826 Archivalien von Landesbedeutung umfassen.

 

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